Eschenbach
23.06.2019
23.06.2019 11:37 Uhr

UMSTRITTENE DEPONIE IN ESCHENBACH

Das «Sonnenfeld» in Ermenswil, Gemeinde Eschenbach, zieht viele Besucher an.
Wie eine Firma der Bevölkerung eine Deponie schmackhaft machen will. Beobachtungen am Tag der offenen Tür der Firma JMS in Ermenswil.

Die Schmucki Kies + Tiefbau AG/JMS gab sich eine Heidenmühe. Am Rand von Eschenbach, in Ermenswil, steht ihr Kiesabbauplatz «Sonnenfeld». An diesem Samstag ist die Anlage geschmückt mit Fahnen, Baggern, Infotafeln.

Gemischter Bauschutt - Kategorie B - soll hier deponiert werden.

Nette Männer und Frauen, erkennbar in ihren JMS-T-Shirts, weisen Parkplätze zu. Es stehen Schubkarren in Reih und Glied mit verschiedene Arten Bauschutt, fein säuberlich sortiert. Ein Mini-Bagger lädt Kinder ein, im Sandkasten zu spielen.

Keiner zu klein ein Kiesförderer zu sein.

Es gibt Gratis Bratwurst und Getränke. Der JMS-Chef selber, Ueli Jud, lädt zum Inforundgang ein. Der sollte eigentlich eine Stunde dauern. Es werden dann zwei.

IMS Chef Ueli Jud an der Infotour, die zwei Stunden dauert.

Eine interessierte Gruppe, ein Drittel Mitarbeiter, ist voll bei der Sache. «Ich mache euch ein Kompliment für Eure Konzentration», sagt Jud, sichtlich berührt.

JMS-Chef Ueli Jud; «Wir sind erst am Anfang eines langen Weges, bis das Projekt fertig ist.»

Einen ersten Riss in der heilen Welt gibt es, als die Gruppe auf einer Anhöhe steht. Vis-à-vis ein «typischer Schweizer Mischwald», sagt dazu der Spezialist, der die JMS-Planung begleitet. Dieser Wald, respektive grosse Teile davon sollen weg. Temporär.

Der Mischwald soll weitgehend weg. Der Plan: Zuerst wird Kies abgebaut, dann das Loch mit Bauschutt gefüllt und danach wieder Bäume gepflanzt.

«Das sind 2'000 Bäume» empört sich Ivo Kuster, der die Opposition im Dorf gegen die Deponie anführt. Nach dem Abbau des Kieses und nach dem Auffüllen des Lochs mit Bauschutt «Klasse B» werde alles wieder wie vorher aussehen, beruhigt der Biologe im Dienst von JMS. «Ja, aber bis sich der Wald erholt hat, bist tief in den Boden hinein, dauert das 150 Jahre», setzt Kuster dagegen. Der JMS-Fachmann widerspricht nicht.

Ivo Kusters hält einen Vortrag im Infozelt der Deponie-Gegner.

Die «JMS ist eine vorbildliche Firma in Sachen Re-Naturierung» sagt Kuster später. Er hat nichts gegen den Kiesabbauer. Für ihn ist die Deponie einfach am falschen Ort geplant und einen Wald dürfe man dafür nicht fällen.

24'000 Lastwagen würden dafür pro Jahr durchs Dorf donnern, sagt die Opposition. «Ein Irrsinn, dabei gäbe es in Jona, beim Dionys, einen geeigneten Deponieplatz, gleich neben der Autobahn. Aber der gehöre eben nicht der Schmucki Kies + Tiefbau AG/JMS.

24'000 Lastwagen pro Jahr kommen in die Deponie, sagen die Gegner.

Kuster ist mit seiner Opposition nicht allein. Sie lebt auch in den Einfamilienhäusern, 200 Meter von der Deponie entfernt. «Unsere Häuser verlieren 200'000 bis 300'000 Franken an Wert, wenn die Gross-Deponie kommt» sagt eine Anwohnerin. «Die Erschütterungen durch die Sprengungen spüren wir heute schon».

Der Eingang zum Sonnenfeld, welches massiv vergrössert werden soll.

Ueli Jud weiss um das Problem:  «Wo es Licht gibt, gibt es auch Schatten», sagt er. Aber solange gebaut werden, gebe es Bauschutt und der müsse nun mal irgendwo entsorgt werden. Er, seine Familie, überhaupt die ganze Firma glauben an das Projekt und wollen die Bevölkerung überzeugen. Er wird dabei von Eschenbachs Gemeindepräsidenten, der Stadt Rapperswil-Jona und dem «Regionalmanagement Linthgebiet» unterstützt.

Von links: Peter Göldi (Regionalmanagement Zürichsee-Linth), Sepp Blöchlinger (Gemeindepräsident Eschenbach) und Ueli Dobler (Stadtrat Rapperswil-Jona) waren anwesend, aber vornehm zurückhaltend.

Viele Mitarbeiter mischen sich in die Diskussionen ein. Sie findet vor allem beim Infozelt der Oppositionsgruppe Depo-nie statt. Die Gruppe entstand erst vor sechs Tagen und erhielt von der JMS die Bewilligung, hier ihre Sicht der Dinge dazulegen. Am lautesten wird es, wenn JMS-Mitarbeiter Ivo Kuster angreifen, aber ihr JMS-T-Shirt «zu Hause vergessen haben», sich nicht gleich als Interessensvertreter outen.

Ein JMS Mitarbeiter ohne JMS-T-Shirt attackiert Deponie-Gegner Ivo Kuster.

Kuster ist dann im Element. Er ist Zimmermann, Waldbesitzer, Umweltschützer, Sozialarbeiter und legt Wert auf Nachhaltigkeit. Zahlen, Fakten, Argumente, alles sprudelt aus ihm raus. Die JMS-Leute haben dann einen schweren Stand.

Informationsstände und die Bitte für Mitwirkung auf dem Gelände.

INFO

Die Unterlagen der Befürworter finden sie sich als PDF am Ende des Textes. Die Webseite der Firma JMS: www.jms.ch

Die Unterlagen der Gegner finden sich auf der Webseite: www.depo-nie.ch

Unfreiwillig zum grossen Kuster-Auftritt beigetragen hat die Gemeinde selbst. Nach Eschenbacher Art hat sie das Thema klein gespielt, nichts falsch geschrieben, aber eben auch nicht alles.

In einem Artikel im Dorfblatt lud Gemeindepräsident Sepp Blöchlinger zum Tag der offenen Türe ein. Im Text vergass er allerdings zu erwähnen, wie viele Lastwagen die Deponie anzieht und die abgebildete Fotografie gab keinen Aufschluss über die wahre Dimension des Projekts.

Wer so informiert, verspielt seinen Kredit und spielt den Gegnern in die Hände. Da kann sich die JMS so viel Mühe geben, wie sie will. Das Terrain ist dann schlecht vorbereitet, auch für einen Tag der offenen Türe.

Informationsmappe-der-Deponie-Sonnenfeld (PDF)
Mario Aldrovandi