Rapperswil-Jona
27.05.2019

FCRJ-PRÄSIDENT: «DAS BESTE AUS DER SITUATION MACHEN»

Die Verantwortlichen des FC Rapperswil-Jona trifft der Abstieg hart. Linth24 sprach drei Stunden nach dem Spiel mit FCRJ-Präsident Rocco Delli Colli.

Rocco, seit fast 15 Jahren führst Du den FCRJ und hast ihn sportlich zu einem Top-Club aufgebaut, der vor zwei Jahren in die Challenge-League aufstieg. Und heute kam der Rückfall, zurück in die Promotions-Liga, sprich in die dritthöchste Fussball-Liga der Schweiz. Wie fühlst Du Dich? Delli Colli: Wir haben sicherlich nicht alles richtig gemacht. Ich fühle mich wie in einem Film, der kein Happy-End hat. Dass unser Nummer-1-Torhüter Diego Yanz in der 59. Minuten noch das Spielfeld verlassen musste, passte in diesen wenig schönen Film. Fünf Minuten später kassierten wir den einzigen Gegentreffer in dieser Partie, was zum Ausscheiden aus der Liga führte.

Wie geht es Diego Yanz?

Delli Colli: Ich habe ihn heute Abend von Aarau ins Spital nach Uznach gebracht. Vermutlich hat er die Hand gebrochen. Er ist wohlauf, aber traurig und enttäuscht wie wir alle. Wir haben alle alles gegeben, aber die Meisterschaft verloren.

Was ist heute krumm gelaufen, ausser dass der direkte Gegner am Tabellenende, der FC Chiasso, gewann und der FCRJ das entscheidende Spiel gegen den FC Aarau verlor?

Delli Colli: Wir kämpften sehr hart, aber unglücklich. Und als wir das 1:0 gegen Aarau kassierten, erfuhren das natürlich auch die Spieler des FC Chiasso und bekamen dadurch gegen den FC Wil dementsprechend Auftrieb.

Die Saison war geprägt durch einen starken Start. Phasenweise lag der FCRJ sogar auf dem dritten Tabellenplatz und überraschte die Fussballschweiz. Aber auf einmal begann es zu harzen. Warum?

Delli Colli: Wir verloren Ende September in Chiasso drei Spieler durch Verletzung. Über die ganze Saison hin hatten wir zudem noch mehrere weitere Ausfälle und mussten neue Spieler in die Mannschaft integrieren. Wir hatten Ausfallpech, wie ich es in den 15 Jahren des FCRJ nicht erlebt habe und die Integration der neuen Spieler gelang uns zu wenig gut. Mit unserer schmalen Personaldecke wurden wir immer schwächer, was auch auf die Moral der Spieler schlug. Ausserdem ist nicht zu vergessen, dass wir zusammen mit dem FC Kriens das kleinste Budget der Liga haben, und Kriens hat einen Punkt mehr als wir. Spitzen- oder Schwanzplätze im Sport sind eben immer auch zumindest zum Teil von den Club-Budgets abhängig.

Im letzten Drittel der Saison habt ihr Trainer Urs Meier entlassen. War der Entscheid im Nachhinein richtig?

Delli Colli: (Studiert lange.) Wenn man das heutige Resultat sieht, kann man nein sagen. Trotzdem sage ich, dass der Wechsel richtig war. Wir holten zuerst in 5 Spielen 11 Punkte, danach kamen die harten Brocken. Man muss auch sehen, dass die Liga mit nur 10 Teams sehr hart ist. Da ist man schnell untendurch.

Kommen wir zur Zukunft: Was bedeutet der Abstieg für den FCRJ finanziell?

Delli Colli: Wir sprechen mit unseren Spielern und Sponsoren. Momentan ist alles offen. Finanziell haben wir die Situation im Griff. Aber welche Spieler nicht in der unteren Liga spielen wollen und uns verlassen, wissen wir noch nicht.

Reduziert ihr das Budget?

Delli Colli: Wir können dazu erst mehr sagen, wenn wir wissen, ob uns Spieler verlassen und was unsere Sponsoren entscheiden.

Willst Du wieder aufsteigen?

Delli Colli: Im Moment denke ich an etwas anderes.

Was heisst das? Denkt Rocco Delli Colli auch daran, das Zepter des Clubs abzugeben?

Delli Colli: Nein, daran denke ich nicht. Im Moment habe ich eine Leere. Aber wir werden uns sofort wieder auffangen und uns gegenseitig motivieren, das Beste aus unserer Situation zu machen.

Interview: Bruno Hug