Linthgebiet
17.05.2019

AUSSTELLUNG: FASZINATION GESICHT IN ALLEN FACETTEN

Vom 19. Mai bis zum 22. September zeigt das Vögele Kulturzentrum in Pfäffikon die multimediale Ausstellung: «Faszination Gesicht - Was unsere Mimik alles zeigt.»

Das Gesicht ist unser wichtigstes Kommunikationsmittel und somit die Basis für soziale Interaktionen: Wir sind auf die Reaktion des Gegenübers angewiesen, sowohl um uns bestätigt zu fühlen, als auch um die Wirkung unseres eigenen Ausdrucks zu verstehen. Innert Sekunden erfassen wir das Antlitz eines Gegenübers und alle sich darin abspielenden Regungen. Durch das Lesen seiner Mimik versuchen wir, Emotionen zu entschlüsseln und den Menschen besser zu verstehen. Und oftmals bilden wir uns auch ein (Vor-)Urteil über eine Person allein anhand von Gesichtsmerkmalen.

In Gesichter blicken wir aber nicht nur bei persönlichen Begegnungen. Auch in unserer Mediengesellschaft sind sie allgegenwärtig: in Zeitungen, auf Plakaten oder am Bildschirm. Technik und Wissenschaft, Politik und Wirtschaft, sie alle bemächtigen sich unseres Gesichts und versuchen, es für ihre Zwecke zu instrumentalisieren. Aber was kann das Gesicht tatsächlich über uns aussagen? Welche Regungen können wir kontrollieren und welche nicht? Und wem gehört unser Antlitz im Zeitalter der digitalen Medien?

Die Ausstellung «Faszination Gesicht» beleuchtet eindrücklich, welche entscheidende Rolle unser Gesicht im täglichen Miteinander spielt. Mittels zeitgenössischer Kunst, wissenschaftlichen Beiträgen, Alltagskultur und vielen multimedialen Installationen werden dem Besucher spannende aber auch überraschende Erkenntnisse präsentiert, die anregen, das Gegenüber wieder bewusster wahrzunehmen.

Die Szenografie der Ausstellung

Gesichtern auf Augenhöhe begegnen, darauf ist das Gestaltungskonzept des Zürcher Ateliers «Schmauder Und» ausgerichtet. Durch die Anordnung von Wänden und Bodenflächen haben sie zahlreiche Räume geschaffen, die den Begegnungen eine gewisse Intimität verleihen.

Gleichzeitig spielen sie mit den Besuchern. Durch Aussparungen werden diese ersichtlich, hinter einem Wandband bleiben sie verborgen. Will sich jemand zu erkennen geben, muss er erst ein paar Schritte machen. Der Ausstellungsaufbau enthält auch «Gesichtsfelder», kleine Sichtfenster, in denen jeder zum Exponat wird. Die Szenografie ermöglich so einzigartige Begegnungen mit Bildern, Objekten, anderen Besuchern – und nicht zuletzt mit sich selbst.

Die Ausstellung ist in sieben Bereiche gegliedert, die jeweils einen Aspekt des Gesichts vertiefen:

Mimik: Ausdruck unserer Gefühle? Das Mienenspiel ist unser wichtigstes Kommunikationsmittel. Wir besitzen die Fähigkeit, den Gesichtsausdruck anderer intuitiv und unwillkürlich zu lesen. Die Psychologie und die Werbeindustrie versuchen seit Langem, über die Mimik Zugang zu unseren Gefühlen zu finden – früher im Labor, heute mit Softwares und Apps. Doch lassen sich unsere Gefühle über die Mimik eindeutig identifizieren? Und kann die Vielfalt unserer Mimik auf ein Datenmuster reduziert werden?

(Vor)Urteil: Der Blick in das Angesicht unseres Gegenübers prägt innert Sekunden das Urteil, welches wir über eine Person fällen. Diese Fähigkeit wurde von der Physiognomik in die Annahme verkehrt, man könne anhand von Merkmalen Eigenschaften wie Intelligenz, Vertrauenswürdigkeit oder Aggressionsbereitschaft erkennen. Dass die Gestalt des Gesichts etwas über den Charakter aussagt, ist heute schon längst überholt. Die Vorurteile und Stereotypen leben allerdings weiter.

Vom Leben gezeichnet: Gesichter verändern sich durch das Leben. Nicht nur die Natur spielt dabei eine Rolle, auch Müdigkeit, Freude oder tiefe Ängste hinterlassen ihre Spuren. Das Leben prägt sich in den Gesichtszügen eines jeden Menschen ein. Und je nach kulturellem Hintergrund und momentan herrschendem Schönheitsideal werden diese Zeichen der Zeit als attraktiv oder als unwillkommen angesehen. Vielgestaltigkeit: Der Blick in den Spiegel nimmt den Blick der anderen vorweg. Es ist der Moment, in dem das eigene Ideal und unser Gesicht aufeinandertreffen. Mit Hilfe von Cremes, Puder und Schminke versuchen wir, uns ein individuelles Gesicht zu verleihen oder Altersspuren zu verdecken. Die plastische Chirurgie erweitert die Möglichkeiten, in unsere Gestalt einzugreifen. Und für Selfies nehmen wir wiederum bestimmte Posen ein oder setzen mit Hilfe von Filtern und Bildbearbeitungstools unser Gesicht in Szene.

Verletzliches Gesicht: Ein natürliches Gesicht ist für die Kommunikation zwischen zwei Individuen extrem wichtig. Versehrungen im Gesicht werden von den Betroffenen oft als Stigma erlebt. Hier hilft die plastische Chirurgie mit ihren modernen Operationstechniken. Diese erweitern die Möglichkeiten, ein Gesicht, das durch Unfall, Verbrennung oder Krankheit entstellt ist, wiederherzustellen oder angeborene Fehlbildungen zu korrigieren.

Gesicht erleben: Der Mensch war schon immer bestrebt, das Gesicht und die damit verbundene individuelle Persönlichkeit wiederzugeben. Obwohl Gesichter uns so vertraut sind, ist das Zeichnen und Beschreiben eines solchen für die meisten von uns eine Herausforderung. Warum ist dem so? Und mit welchen Mitteln können wir das Antlitz dennoch erfassen?

Punkt Punkt Komma Strich: Die Gesichtserkennung ist in der digitalen Gesellschaft weit verbreitet. Anfangs wurde ihre Entwicklung vor allem von Militär, Geheimdiensten und Firmen wie Facebook und Google vorangetrieben. Entgegen der Kritik am Überwachungsstaat wird die digitale Technik aber an immer mehr Orten des öffentlichen Raums verbreitet. Zugleich ist die Gesichtserkennung auch im Alltag angekommen: Das Smartphone kann mit einem Lächeln entsperrt werden, künftig soll sogar der bargeldlose Zahlungsverkehr damit funktionieren. Wie genau können wir in Zukunft anhand des Gesichts erfasst und beobachtet werden?

Linth24 wird in den kommenden Tagen einzelne Elemente der Ausstellung zeigen.

(OriginalMitteilung, www.voegelekultur.ch, Fotos: Hanspeter Haussener)