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Gommiswald
28.09.2022
28.09.2022 13:39 Uhr

«Ich habe noch ganz grosse Ziele»

Bild: Maxime Schmid / Swiss Cycling/ Collage Linth24
Tina Züger aus Rieden machte an den diesjährigen U23-Weltmeisterschaften im Mountainbike auf sich aufmerksam. Sie erzielte in Frankreich den beachtenswerten 8. Rang. Linth24 hat die Sportlerin getroffen.

Die 22-jährige Riednerin Tina Züger hat bewiesen, dass sie zweifelsfrei zu den ganz grossen Nachwuchshoffnungen des Schweizer Mountainbike Sports gehört. An den U23 Weltmeisterschaften erreichte sie den grandiosen 8. Platz, an den Europameisterschaften schloss sie auf dem 6. Rang ab und 2017 wurde sie in der Alterskategorie U19 Vize-Schweizermeisterin.

Bild: Maxime Schmid / Swiss Cycling

Doch damit nicht genug: «Ich habe klare Ziele vor Augen», meint sie voller Selbstsicherheit. Wie diese Ziele genau aussehen, wieviel sie pro Woche dafür trainieren muss und vieles mehr, das hat sie Linth24 im persönlichen Gespräch verraten.

Tina Züger, 8. Rang an den Weltmeisterschaft U23 und 6. Rang an den Europameisterschaften der XCC Elite 2022. Was für Gedanken gehen Ihnen durch den Kopf, wenn Sie das rekapitulieren?
Ich bin wirklich sehr zufrieden mit diesen Leistungen, aber mein Ehrgeiz kommt dann auch sofort zum Vorschein und ich denke darüber nach, ob sogar mehr drin gelegen wäre. Als Athletin will man immer noch besser abschneiden, aber summa-summarum bin ich mit diesen Resultaten und der ganzen Saison sehr zufrieden.

Damit wir eine Ahnung von Ihrer Leistung an der WM bekommen, erzählen Sie uns von den Rennen an der Weltmeisterschaft.
Das Spezielle an der WM ist, dass wir mit dem Nationalen Verband, Swiss Cycling, resp. dem Nationalkader unterwegs sind. Das bedeutet, dass man zuerst für die Weltmeisterschaft die Selektionskriterien bestehen muss. Aber um auf Ihre Frage zu kommen: Am Start waren rund 57 (61 gemeldet) Fahrerinnen aus der ganzen Welt vertreten, also ein sehr starkes Teilnehmerfeld. Das Rennen dauerte etwas mehr als eine Stunde und es war ein sehr harter Parcours. Die WM fand in Frankreich statt, nahe der Schweizer Grenze. Der Parcours war sehr anspruchsvoll gestaltet und forderte uns Fahrerinnen technisch sowie physisch unglaublich. Aber auch das, was rund herum abging, war sehr eindrücklich.

Bild: Maxime Schmid / Swiss Cycling

Erzählen Sie uns davon
Die Franzosen sind unheimlich Velobegeistert, und das spürte man als Fahrerin enorm. Es war sehr laut am Pistenrand, wir wurden grossartig angefeuert und es herrschte eine tolle Stimmung. Es waren übrigens auch sehr viele Schweizer vor Ort, und man sah überall Schweizer Fahnen und das «Hopp Schwiz» fehlte auch nicht.

Ich stelle mir vor, dass die Vorbereitung auf solche Rennen sehr viel abverlangt. Wie bringen Sie Beruf, Privatleben und Sport unter einen Hut?
Irgendwie bin ich in diese Belastung reingewachsen. Nach der Lehre habe ich mein Arbeitspensum auf 80 % reduziert und jetzt arbeite ich noch 60 %. Aber in der Tat: Für grosse Freizeitaktivitäten, Partys und dergleichen fehlt die Zeit, aber es stimmt für mich so total. 

Um das richtig einzuordnen: Wie viele Stunden pro Woche trainieren Sie?
Das ist unterschiedlich - es gibt Wochen, die sind komplett gefüllt, da kann es gut und gerne 20 Stunden und mehr sein. In einer «normalen» Woche komme ich aber auch auf ca. 15 Stunden Training. Man darf nicht vergessen, auch die Erholungsphase ist von grosser Bedeutung, es gibt also auch Tage, an denen ich gar nicht trainiere. Dafür ist an solchen Tagen der administrative Aufwand höher. Zum Beispiel Wettkampfplanung, Unterkunft buchen oder auch die Sponsorensuche - worin ich bis anhin aber nicht so erfolgreich war. 

Wann sind Sie zum Mountainbike-Sport gekommen und wie sieht der Werdegang aus?
Mit 8 Jahren besuchte ich im Sommer das Kidsbiken des VC Eschenbach und fuhr auch noch im selben Jahr mein erstes Rennen. In der U15 entdeckte ich den Quersport für mich und so war auch der Winter mit Radsportaction gefüllt. In der U17 fuhr ich erstmals in beiden Disziplinen ganz vorne mit und profitierte von der disziplinenübergreifenden Ausbildung des Nationalkaders. 

Was macht dieser Sport für Sie so faszinierend?
Ich habe, wie gesagt, früh die Freude und Leidenschaft am Radsport entwickelt. Ich spürte früh, wie gerne ich in der Natur bin, einfach mit dem Rad unterwegs zu sein bereitete mir immer grosse Freude. Der Mountain-Bike-Sport ist zudem sehr vielseitig, technisch sehr anspruchsvoll und verlangt viel vom Athleten ab.

Sie haben klare Ziele vor Augen: Im Weltcup der Elite auf einen Podestplatz, dann Schweizermeisterin bei den Elite und Edelmetall an Welt- und Europameisterschaften.
Wenn ich weiterhin so Fortschritte mache, dann ist es sicher möglich, diese Ziele zu erreichen. Klar, eine Planung ist schwierig, da kann einem immer auch eine Verletzung einen Strich durch die Rechnung machen, aber für mich ist es wichtig, klare Ziele vor Augen zu haben.  

Rolf Lutz, Linth24