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Kanton
17.08.2022

Ostschweizer Wirtschaft vor schwierigen Monaten?

Die Ostschweizer Wirtschaft ist in guter und stabiler Verfassung. Für die kommenden Monate rechnen aber viele Firmen mit einer Verschlechterung. (Symbolbild)
Die Ostschweizer Wirtschaft ist in guter und stabiler Verfassung. Für die kommenden Monate rechnen aber viele Firmen mit einer Verschlechterung. (Symbolbild) Bild: KEYSTONE/GEORGIOS KEFALAS
Die Ostschweizer Wirtschaft zeigt sich in guter und stabiler Verfassung. Für die kommenden Monate wird laut IHK St.Gallen-Appenzell und St.Galler Kantonalbank aber allgemein mit einer Verschlechterung gerechnet.

Gemäss dem jüngsten «Konjunkturboard Ostschweiz» beurteilen die Firmen ihre Geschäftslage seit anderthalb Jahren mehrheitlich als gut bis sehr gut. «Die Auftragslage ist vielversprechend, die Erwartungen an die kommenden Monate sind hingegen zurückhaltend», heisst es in der Mitteilung vom Dienstag.

So berichten die Industrieunternehmen von einer deutlich besseren Geschäftslage als in der Zeit vor der Corona-Pandemie. Bei den Erwartungen zum Bestellungseingang, zum Vorprodukteeinkauf oder zur Produktion zeigt sich aber eine Abflachung. Die Situation der Lieferketten bleibe angespannt, vor allem im Maschinen- und Fahrzeugbau.

Im Baugewerbe hat sich die Ertragslage, ausgehend von einem hohen Niveau, zuletzt leicht verschlechtert. Experten erwarten eine rückläufige Nachfrage im Baugewerbe. Ein Treiber seien die gestiegenen Baupreise im Hoch- und im Tiefbau. Die unsichere Zinsentwicklung belaste die Stimmung im Baugewerbe zusätzlich.

Robuster Detailhandel – sehr zufriedenes Gastgewerbe

Der Detailhandel zeigt sich laut der Analyse weiterhin robust. Preisbereinigt hätten sich die Umsätze zuletzt konstant entwickelt. Für die nächsten Monate äussern sich die Detailhändler mehrheitlich verhalten optimistisch, wobei insbesondere die Erwartungen für den Verkauf bei Lebensmitteln stützend wirken.

Das Gastgewerbe zeigt sich sehr zufrieden. Die Hotellerie vermeldete wieder mehr Übernachtungen als vor der Pandemie. Neben dem anhaltend hohen Inlandtourismus seien auch wieder mehr ausländische Gäste anzutreffen, schreiben Industrie- und Handelskammer (IHK) und Kantonalbank. So gab es in der Region St.Gallen-Appenzell im ersten Halbjahr 6,2 Prozent mehr Logiernächte als vor der Krise.

Ausgehend von einem hohen Niveau, kühlt sich die konjunkturelle Stimmung branchenübergreifend ab. «Dies widerspiegelt sich im Stimmungsbarometer, der für die Kernregion Ostschweiz erstmals seit März 2021 unter 100 Punkten notiert und somit auf eine unterdurchschnittliche Entwicklung hindeutet.»

Gründe dafür sind steigende Materialkosten, höhere Leitzinsen und geopolitische Risiken. Hinzu komme in Europa die Angst vor einem Energieengpass im Winter. Ein Grossteil der Ostschweizer Unternehmen sieht in einer Strommangellage weitreichende bis existenzbedrohende Risiken.

Starker Schweizer Franken

Auch der starke Schweizer Franken wird zunehmend wieder zur Belastung für die international vernetzte Ostschweiz. Durch die Aufwertung gegenüber dem Euro leidet die Konkurrenzfähigkeit gegenüber dem europäischen Raum, auch wenn vergleichsweise niedrige Inflationsraten den Aufwertungseffekt mindern.

Negative Wirkung zeigen die steigenden Kosten für Vorprodukte und Energie. Die Mehrheit der Firmen geht von weiteren Preissteigerungen aus, insbesondere in der Industrie und im Grosshandel. Für viele Unternehmen werde es zunehmend schwieriger, die höheren Kosten vollständig an den Endkunden weiterzugeben.

Die Konsumentenstimmung notiert laut der Analyse auf einem Allzeit-Tief. «Doch ein historischer Arbeitskräftemangel und die hohe Arbeitsplatzsicherheit sind deutliche Anzeichen eines Arbeitnehmermarkts. Das stützt wiederum den privaten Konsum», schreiben die IHK und die Kantonalbank.

Keystone-SDA / Linth24