Uznach
10.11.2018

WIE UZNACH EINEN GEMEINDEPRÄSIDENTEN SUCHT

Im März 2016 wurde der Solothurner Christian Holderegger zum Gemeindepräsident von Uznach gewählt, im ersten Wahlgang und mit grossem Abstand zu seinem Konkurrenten. Doch bereits 2 ½ Jahre später warf der FDP Politiker den Bettel hin. Seine Kritik: Zuviel Verwaltungsarbeit, zu hohe Arbeitsbelastung aller Beteiligten sowie starre interne und externe Vorgaben. All das habe das Finden von optimalen Lösungen verhindert.

Nun suchen die Uzner Parteien – wie schon vor drei Jahren - gemeinsam die Kandidaten für das Amt. Am 16. Oktober wurde ein Stelleninserat veröffentlicht: (https://linth24.ch/nachfolge-fuer-gemeindepraesident-uzner-parteiem-suchen-gemeinsam/) Heute werden die Kandidaten-Dossiers gesichtet. Linth24 fragte den Leiter der Überparteilichen Findungskommission, Roger  Widmer (SVP).

Wie viele Dossiers haben Sie erhalten?

Es sind rund zehn Bewerbungen. Grad gestern kamen nochmals drei Stück. Von der Anzahl her ist es sehr schön. Was die Qualität angeht, kann ich noch keine Aussagen machen. Das werden wir heute sehen.

Schildern Sie das weitere Vorgehen

In der Findungskommission sind alle Uzner Parteien vertreten. Wir werden heute die Dossiers öffnen und nach einem Punktesystem bewerten. Diejenigen mit den besten Resultaten werden wir zu den Gesprächen einladen. Ob das 3, 4, 5 oder mehr Kandidaten sind, weiss ich jetzt natürlich noch nicht. Unser Ziel ist es, der Bevölkerung und den Parteien zwei Kandidaten zur Auswahl vor zu schlagen. Bis es soweit ist, braucht es sicher zwei, drei Bewerbungsrunden.

Werden die Kandidaten der Bevölkerung vorgestellt, so wie vor drei Jahren?

Ich würde das gerne tun. Aber wir haben ein Zeitproblem. Vom Rücktritt des Gemeindepräsidenten erfuhren wir in den Herbstferien und dann entschied der Gemeinderat, dass die Wahl bereits am 10. Februar stattfinden soll. Die Folge: Es ist alles sehr knapp.

Was heisst das konkret?

Wir haben ja zwei Stufen vor uns. Stufe 1 die Kandidatenkür: Wir haben heute den 10. November. Am 12. Dezember ist Anmeldeschluss für die Wahl. Bis dann müssen wir unser Verfahren abgeschlossen haben. Dann kommt Stufe 2: Der Wahlkampf: Die Wahl findet am 10. Februar statt und dafür müssen die Wahlzettel spätestens am 18. Januar 2019 in den Haushalten verteilt sein. Wir haben also zwischen dem 12. Dezember und dem 18. Januar fünf Wochen Zeit. Also Adventszeit, Weihnachten, Neujahr. Politik  und Weihnachten müssen hier gut koordiniert werden.

In Rapperswil wird am 10. März ein neuer Stadtrat gewählt. Warum hat man es in Uznach so eilig?

Der Gemeinderat hat den Wahltermin festgesetzt. Wir erhielten den Termin mitgeteilt und müssen nun das Beste daraus machen.

Ist unter diesen Umständen eine seriöse Wahl möglich?

Wir von der Findungskommission tun alles dafür und ich habe grosses Vertrauen in die Klugheit der Uzner Stimmbürger. Dann gibt es ja bekanntlich auch noch die Medien, die sicher zur Entscheidungsfindung positiv beitragen werden.

Ein Rückblick auf den Rücktritt von Christian Holderegger. Wurden Sie als SVP-Parteipräsident davon überrascht?

Eigentlich nicht, aber ich hatte gehofft, dass der Gemeindepräsident mehr Biss und Durchhaltewillen hat.

Die Kritik von Christian Holderegger ist deutlich: Zu viel Belastung, zu viel Bürokratie. Ihre Meinung dazu?

Ich staune. Erstens ist das ja ein Volljob, ein 100 Prozent Pensum und es gibt ja grad im benachbarten Kanton Schwyz viele Gemeinden, die nicht von Voll-Profis geführt werden und es funktioniert trotzdem. Zweitens frage ich mich, ob man nicht mehr Arbeiten delegieren kann, innerhalb der Verwaltung.

Was bedeutet diese Erkenntnis für die Suche nach einem neuen Gemeindepräsidenten?

Wir werden sicher die Kandidaten befragen, wie sie sich eine Arbeit als Gemeindepräsident vorstellen und wie sie einen so schnellen Abgang vermeiden wollen. Aber wir schauen voraus und nicht auf den nächsten Abgang Persönlich wünsche ich  mir einen mutigen und optimistischen Gemeindepräsidenten.

Dokument zu Rücktritt von Christian Holderegger: http://www.uznach.ch/dl.php/de/5b97510b11d6b/Rucktritt_Gemeindeprasident_Christian_Holderegger_2018_09_10.pdf

(Interview: Mario Aldrovandi)