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16.08.2022
16.08.2022 11:45 Uhr

Retter suchen stundenlang nach Stand-up-Paddlerin

Fundort: Bei der Schiffsanlegestelle Murg Ost entdecken die Retter das rote Board der Stand-up-Paddlerin.
Fundort: Bei der Schiffsanlegestelle Murg Ost entdecken die Retter das rote Board der Stand-up-Paddlerin. Bild: Bild Andreas Mang
Grosseinsatz auf dem Walensee am Wochenende: Die Suche nach einer 29-jährigen Ukrainerin hielt die Rettungskräfte – darunter die Seerettung Weesen – eine ganze Nacht lang auf Trab.

Der Alarm geht bei der Seerettung Weesen in der Nacht auf Sonntag um 0:35 Uhr ein: Auf dem Walensee wird eine Stand-up-Paddlerin vermisst. Die 29-jährige Ukrainerin, die im Glarnerland wohnt, ist am Morgen um 11 Uhr in Weesen gestartet mit Ziel Walenstadt. «Dort wollte sie sich spätestens um 18 Uhr bei einem Freund melden», erklärt Andreas Mang von der Seerettung Weesen. Die Frau meldet sich nicht.

Für die Rettungskräfte bedeutet das: Grosseinsatz. Nach der Alarmierung rückt die Seerettung Weesen sofort mit zwei Booten aus, auch aus Walenstadt machen sich Seeretter auf. Insgesamt zehn Mann von der Seerettung sind jetzt im Einsatz, dazu kommen mindestens fünf Polizeipatrouillen. Beim «Lago Mio» in Weesen trifft man sich mit der Kantonspolizei St.Gallen zur Lagebesprechung. Die Armee hält einen Super Puma in Bereitschaft.

Suche im ganzen See

Die Rettungskräfte suchen den ganzen See ab. In den ersten Stunden ohne Erfolg. Doch dann, um 3:45 Uhr, stossen die Suchtrupps auf einen ersten Hinweis. Bei der Schiffsanlegestelle Murg Ost entdecken sie ein rotes Stand-up-Board. Obwohl es nicht vorschriftsmässig angeschrieben ist, passt es zur Beschreibung der Vermisstmeldung. Es muss der 29-jährigen Ukrainerin gehören. Von der Frau fehlt jede Spur.

Die Seeretter wissen nicht: Wurde das Board hier angeschwemmt oder ging die Vermisste hier an Land? «Wir wussten, dass die Frau eine sehr gute Schwimmerin und körperlich sehr fit ist», erklärt Mang. Wie fit, das sollte sich noch in derselben Nacht herausstellen. Zumindest bestand die Möglichkeit, dass sie sich aus eigenen Kräften an Land hat retten können. Noch immer fehlte die Bestätigung dafür.

Bewegungsprofil gibt Aufschluss

Dann kommt die Technik zum Zug. Die Rettungskräfte können vom Handy der Frau ein Bewegungsprofil erstellen. Und es zeigt, dass das Gerät im Glarnerland unterwegs ist. Jetzt deutet immer mehr daraufhin, dass die Frau aus dem Walensee ausgestiegen und in Sicherheit sein muss. Um 4:15 Uhr am Sonntagmorgen entscheiden die Rettungskräfte, die Suche abzubrechen. Obwohl es immer noch keine abschliessende Gewissheit gibt über den Aufenthaltsort der vermissten 29-Jährigen. Die folgt wenig später.

Als die Seeretter um 4:30 Uhr wieder in Weesen eintreffen, erreicht sie die definitive Entwarnung: Die Frau sei zwar müde, aber wohlauf, teilt man ihnen mit. Und jetzt zeigt sich auch, wie fit die 29-jährige Ukrainerin sein muss. Sie ist nach ihrem mindestens acht Kilometer langen Trip auf dem Stand-up-Board von Weesen bei der Schiffsanlegestelle in Murg nicht nur selbstständig an Land gegangen. Danach lief sie auch noch zu Fuss nach Hause ins Glarnerland. Sie habe technische Probleme mit dem Handy gehabt, deshalb hatte sie nicht schon längst Entwarnung geben können.

Für die Frau hat der Grosseinsatz keine Konsequenzen, wie Polizeisprecher Hanspeter Krüsi gegenüber «20 Minuten» sagte. Eine Ermahnung aber schon: Das Tragen einer Schwimmweste sei zu empfehlen und dafür zu sorgen, dass man ein Handy mit ausreichend Akku dabeihabe – und dieses dann auch abnehme.

Die nächtliche Suchaktion war nicht der einzige Einsatz für die Seerettung Weesen am vergangenen Wochenende. Auf der Höhe Gäsi kenterte ein Boot mit fünf Personen an Bord. Niemand kam zu Schaden, die Passagiere konnten das Boot selbstständig wieder umdrehen. Die Seeretter waren trotzdem gefragt: Sie mussten das Motorboot auspumpen, bevor an eine Weiterfahrt zu denken war. 

sardona24 / Linth24