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Schmerikon
11.07.2022
11.07.2022 20:10 Uhr

Ein unvergesslicher Nachmittag am See

Der vom Seniorenteam organisierte Nachmittag zog viele fröhliche Seniorinnen und Senioren in die «Alte Zementi».
Der vom Seniorenteam organisierte Nachmittag zog viele fröhliche Seniorinnen und Senioren in die «Alte Zementi». Bild: zVg
Sie wiegten sich im Takt des Wellenschlags und lauschten den spannenden Ausführungen zur Schmerkner Schifffahrt: Den Seniorinnen und Senioren wurde ein erlebnisreicher Nachmittag in der «Alten Zementi» beschert

Es passte einfach alles an diesem Dienstagnachmittag «z’Schmerke am See». Sonnenschein liess das Wasser glitzern, die Tische waren vor der «Alten Zementi» passend geschmückt und die «Möve», eine besondere Zeitzeugin, schaukelte zufrieden in den Oberseewellen. Aber davon später.

Zuerst hiess Cornelia Munz vom Seniorenteam Schmerikon die über 100 Anwesenden herzlich willkommen und lud ein zu ein paar Stunden Freude und Geselligkeit, aber auch zu einer lehrreichen Rückschau in die Schmerkner Vergangenheit und zu Worten der Untrennbarkeit des Dorfes mit dem See – seiner Schönheit, seinem Nutzen und seinen Tücken und Gefahren.

Grosse Bedeutung für den Pilgerverkehr nach Einsiedeln

Hanspeter Keller-Peyer übernahm das Zepter – oder, um im Jargon des Tages zu bleiben: das Ruder. Er liess die Gäste in die Geschichte der Schmerkner Schifffahrt eintauchen und spickte seine Ausführungen mit vielen interessanten und mit Akribie zusammengetragenen Details. Dabei ging er bis ins Mittelalter zurück und berichtete über den Freiheitsbrief von 1442, der das Recht auf «Fahr und Zoll» regelte. Insbesondere Pilgerfahrten nach Einsiedeln boomten zu dieser Zeit und riefen nach Personentransporten und ergo mehr Schiffsverkehr über den See.

Keller erwähnte unter anderem das Jahr 1511, in dem nicht weniger als 17'000 Pilger das Hochfest der Engelweihe besucht haben. Aber nicht nur Personen wurden im Mittelalter befördert, sondern seeabwärts beispielsweise Sensen und Sicheln aus der Lombardei oder Seide aus Venedig, seeaufwärts waren es unter anderem Weizen und Roggen oder auchTücher aus Belgien und England.

Referent Hanspeter Keller-Peyer gab spannende Einblicke in die Schmerkner Schifffahrt einst und heute. Bild: zVg

Steine, Kies und Sand mit dem Ledischiff

Ein weiteres Transportgut war die Holzkohle, welche jeweils in Kohlhütten gelagert wurde. Auch im Schmerkner Seefeld gab es so eine Hütte. «Dort hat Bartli Keller in einem Wohnwagen gewohnt und Altpapier und Altmetall gesammelt», berichtete Hanspeter Keller über das Dorforiginal. Er kam auch auf die harte Arbeit der Seeleute und ihre oft 12 – 16 Stunden Tage zu sprechen. «Schiffe mussten von Hand durch sogenannte ‘Banduure’ be- und entladen werden», erläuterte er. Selbstredend waren die Steinbrüche direkt am See sehr beliebt, da die schweren Steine ohne lange Transportwege auf die Schiffe verladen werden konnten.

Aus Aufzeichnungen geht hervor, dass ausschliesslich Schmerkner Schiffsleute den Sandstein eines Steinbruchs am Buechberg nach Zürich führten, der für die Errichtung des Zunfthauses «Zur Meisen» verwendet wurde. Auch Kies und Sand waren wichtige Transportgüter auf den lokalen und regionalen Seewegen. Keller gab einen Exkurs zu den Firmen, welche diese Güter förderten und beförderten. Dabei kam er auf die eingangserwähnte «Möve» zu sprechen, dem nunmehr ältesten Motorschiff auf dem Zürichsee. Dieses lief 1889 in Zürich vom Stapel.

Die «Möve» ist mit ihren über 130 Lenzen das älteste Motorschiff auf dem Zürichsee. Bild: zVg

Die «Möve» war ursprünglich mit Dampf betrieben und war unter anderem als Postschiff und für Personentransporte im Einsatz, wurde jedoch insbesondere zum Schleppen von Prahmen, sprich motorlosen Schiff, sowie Schwimmbaggern genutzt. Aus den Ausführungen Kellers wurde deutlich, dass die Schifffahrt für die Schmerkner über viele Jahrhunderte Lohn und Brot bedeutete. Es kam aber auch immer wieder zu Unglücken auf dem See, bei denen Ladungen in den Fluten versanken oder gar Menschen ihr Leben verloren.

In den vergangenen Jahrzehnten hat sich die Schifffahrt grundlegend gewandelt. Der Wasserweg wird kaum mehr als Transportweg für Güter genutzt. Linth und Obersee sind heute Orte des Freizeitvergnügens und des Passagierverkehrs geworden. «Der See ist und bleibt jedoch für die Schmerkner Lebenselixier. Wir müssen dem See Sorge tragen. Damit erhalten und bewahren wir auch die Schmerkner Schifffahrt!», schloss Hanspeter Keller-Peyer seinen spannenden und mit grossem Applaus bedachten Vortrag.

Songs für Seebären

Die Überleitung zum Seemannschor Thetis Crew aus Rapperswil gelang perfekt mit dem Seebuebe-Lied, das von allen Anwesenden kräftig mitgesungen wurde. So eingestimmt auf Wasser, Wind und Wellen kamen alle Kapitäninnen, Matrosen und Liebhaber nautischer Gesänge auf ihre Kosten. Man schwelgte in Sehnsuchtsmelodien und in den Zeiten von Hans Albers und Freddy Quinn.

Der Seemannschor Thetis Crew brachte Stimmung an die Gestade des Obersees. Bild: zVg

Mitsingen und mitklatschen macht hungrig. Und so kam schliesslich das Käpt’ns Dinner wie gerufen. Nicht nur der Seeräuberschüblig von der Metzgerei Betschart schmeckte mit Blick aufs Wellenspiel hervorragend, auch die extra von Beck Tschirky gestalteten Spitzbuben mit dekorativem Anker versüssten den Gästen im wahrsten Sinne des Wortes den Ausklang des Tages, der notabene mit dem gemeinsam gesungenen Schmerkner Lied seinen stimmungsvollen Abschluss fand.

pd