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30.06.2022
30.06.2022 12:15 Uhr

Die Sehnsucht nach den eigenen vier Wänden

Die grosse Nachfrage nach Wohneigentum lässt schon seit Jahren die Preise steigen.
Die grosse Nachfrage nach Wohneigentum lässt schon seit Jahren die Preise steigen. Bild: pixabay
In den eigenen vier Wänden zu leben – das ist nach wie vor einer der grössten Wünsche vieler. Die Nachfrage nach Wohneigentum ist in der Schweiz – wie auch in vielen anderen Ländern – daher gross. Die Folge: Schon seit einigen Jahren steigen die Preise stetig.

In den eigenen vier Wänden zu leben – das ist nach wie vor einer der grössten Wünsche vieler. Die Nachfrage nach Wohneigentum ist in der Schweiz – wie auch in vielen anderen Ländern – daher gross. Die Folge: Schon seit einigen Jahren steigen die Preise stetig. Besonders gefragt sind Einfamilienhäuser. Allerdings werden in der Schweiz immer weniger Einfamilienhäuser gebaut, sodass die Preise bei dieser ungebrochen hohen Nachfrage weiter in die Höhe schnellen. Die gute Nachricht: Es gibt regionale Unterschiede. In manchen Gegenden sinken die Preise sogar.

Leerstände nehmen zu

Jedes Jahr entstehen in der Schweiz etwa 50.000 neue Wohnungen. Da die Zuwanderung allerdings rückläufig ist, steigt der Leerwohnungsbestand stetig an. So gab es im Jahr 2021 etwa mehr als 71.000 leere Wohnungen in der Schweiz, was ungefähr dem Bestand an Wohnungen in der Stadt Bern entspricht. Auch beim Leerwohnungsstand lassen sich regionale Unterschiede feststellen: Im Kanton Zug ist die Leerwohnungsquote zum Beispiel am geringsten, während der Kanton Solothurn diesbezüglich auf Platz 1 rangiert. Eine durchschnittliche Wohnung kostet in der Schweiz mittlerweile rund 1320 Franken pro Monat.

Fehleinschätzungen bei Baukosten

Bauherren müssen in der Regel mit beträchtlichen Kosten und auch Nebenkosten rechnen. Natürlich spielen aber auch die Grösse und Ausstattung des gewünschten Hauses hierbei eine Rolle. Ganz allgemein gesprochen lässt sich allerdings sagen: Unerfahrene Bauherren, die von der Hausplanung wenig Ahnung haben, haben häufig eine ganz falsche Vorstellung von den Kosten. In der Folge kommt es zu groben Fehleinschätzungen und Ausgaben, die das eigene Budget übersteigen.

Was ist bei der Budgetierung zu beachten?

Die meisten Bauvorhaben oder Umbauarbeiten können Hausbesitzer nicht einfach vom Lohnkonto finanzieren, sondern sie sind auf Unterstützung angewiesen. Das heisst auch: Sie brauchen verlässliche Angaben, wie hoch die Baukosten sein werden, um bei der Bank einen entsprechenden Kredit zu beantragen. Banken erwarten meist ein Minimum von 20 Prozent Eigenkapital für die Finanzierung. Zudem muss die finanzielle Tragbarkeit nachgewiesen werden. Mit anderen Worten: Die gesamten Kosten für Zinsen, Nebenkosten und Amortisationen dürfen nicht mehr als 33 Prozent vom Einkommen betragen.

Hilfreiche Richtwerte für die Baukosten

Verschiedene Häuser haben bezüglich ihrer Aufteilung des Grundrisses oder des Grundstücks und auch in Bezug auf die Materialwahl ihre Eigenheiten. Im Linthgebiet sind die Baukosten besonders hoch. Dabei gibt es einige Richtwerte, die bei der Bewertung der Kosten helfen können. Einen groben Richtwert bietet der Preis pro Kubikmeter Bauvolumen. Ein Haus, das nach mittlerem Ausbaustandard gebaut ist, kostet etwa 800 Franken pro Kubikmeter. Bei standardisierten Hausprojekten wie bei Reihen-Einfamilienhäusern können die Kosten auch auf 650 Franken pro Kubikmeter sinken. Hingegen steigen die Kosten bei Luxusapartments auf mehr als 1.000 Franken pro Kubikmeter an.

Was dürfen die einzelnen Räume kosten?

Es gibt auch einige Richtwerte für bestimmte Räume, die den Gesamtkosten pro Kubikmeter Bauvolumen zugrunde liegen. Ein durchschnittliches, komplett ausgestattetes Bad kostet etwa 20.000 Franken. Eine fertige Küche mit allen Installationen, den Malerarbeiten, Geräten und Schränken schlägt mit 20.000 bis 30.000 Franken zu Buche. Und wer eine massive Garage bauen lässt, zahlt zwischen 30.000 und 40.000 Franken. Diese sollte ausführlich geplant werden: Dabei sind Entscheidungen in Bezug auf Platzierung am Grundstück, Garagentor und Dachform zu treffen.

Bild: zVg

Günstiger sind Garagen in Fertigbauweise, die es bereits ab 10.000 Franken gibt. Für die übliche Gartengestaltung können Bauherren rund 100 Franken pro Quadratmeter bei einfacher Verpflanzung und ebenem Gelände rechnen. Für einen Balkon sind wiederum rund 1000 Franken pro Quadratmeter Fläche zu kalkulieren. Fenster kosten zwischen 600 und 800 Franken pro Quadratmeter Fensterfläche. Die meisten Häuser sind darüber hinaus mit Keller gebaut. Doch das ist sehr teuer. Bei einem typischen Einfamilienhaus kostet der Keller mindestens 150.000 Franken.

Umbaukosten in Kennzahlen

Dass auch Renovierungen und Umbauten viel Geld kosten, ist vielen Leuten ebenso nicht bewusst. Sobald die Umbaukosten mehr als 70 Prozent der Kosten für einen Neubau übersteigen, ist es fraglich, ob das Projekt wirtschaftlich ist. Die Kosten sind hingegen dann gerechtfertigt, wenn wichtige Gründe für die Erhaltung des Gebäudes sprechen.

In vielen Zonenordnungen ist die Aufstockung eines Gebäudes um ein Geschoss erlaubt. Dabei ist mit Kosten von etwa 1.000 Franken pro Kubikmeter zu rechnen. Hinzu kommen häufig noch bauliche Zusatzmassnahmen am Haus, wie Zugänge oder die Haustechnik.

Wer eine Solaranlage für Warmwasser auf seinem Dach errichten möchte, muss wiederum mit 12.000 Franken rechnen.

Die Wärmedämmung der Fassade kostet oft 20 bis 25 Prozent des Gebäudewertes. Bauherren können mit 40.000 bis 80.000 Franken rechnen.

Toleranzgrenze ist zu berücksichtigen

Die genannten Zahlen sind lediglich Richtwerte. Die Kosten im Einzelfall können je nach Ansprüchen ganz anders ausfallen. Das hängt natürlich auch von den eigenen Ansprüchen und den angestrebten Standards ab. Zudem ist zu bedenken, dass auch Fachleute die konkreten Baukosten für einzelne Objekte nicht zu 100 Prozent korrekt einschätzen können. Bei den Schätzungen eines Architekten sollte eine Toleranzgrenze von 10 bis 20 Prozent gerechnet werden.

pd