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Kanton
22.06.2022

Der verzweifelte Ruf eines St.Galler Vaters

Aleks S. und Joe Schmidmeister.
Aleks S. und Joe Schmidmeister. Bild: mik
Der St.Galler Aleks S. versucht, seine kranke Tochter aus Serbien in die Schweiz zu holen, doch dafür fehlen ihm über 33'000 Franken. Wie Vaterliebe und Verzweiflung den 33-Jährigen in diese Situation brachten.

Aleks S.* sitzt am grossen Glastisch in seiner Wohnung, die Hände sind gefaltet, er versucht zu lächeln, doch in seinen Augen liegt Besorgnis. Wenn er gleich von seiner Tochter spricht, kann er die Tränen nicht mehr zurückhalten.

Vor elf Jahren verliess Aleks seine Heimat Serbien und kam nach St.Gallen. «In der Hoffnung auf ein besseres Leben», sagt er. Mit seiner Frau Ruza D.* und den beiden gemeinsamen Kindern gelang es der Familie, sich dieses Leben aufzubauen.

Das Paar jobbte überall, wo es Arbeit gab. Doch dann kam Corona, und beide verloren ihre Beschäftigung, weshalb sie bei «Läbeplus», einem Verein, dessen Ziel es ist, Menschen wieder in den Arbeitsmarkt zu integrieren, landeten.

Mit der Hilfe von Geschäftsführer Joe Schmidmeister, der die beiden gut kennt, konnten sie eine Festanstellung finden. Eigentlich hätte Aleks S. nun überglücklich sein können, doch Schmidmeister merkte, dass den Mann etwas beschäftigte.

«Ich habe keine Sekunde gezögert»

«Im Mai hat mir Aleks von seiner Tochter in Serbien aus erster Ehe erzählt. Sie war krank, weshalb er umgehend dahin reiste», so Schmidmeister. Das 13-jährige Mädchen lebt mit seiner Mutter in Vrsac, wo sie mit Fieber und Erbrechen ins Krankenhaus eingeliefert wurde. Mehrere Tage lang habe sich der Zustand des Mädchens verschlechtert und die Ärzte konnten ihr laut Aleks S. nicht helfen.

«Ich habe dann dafür gesorgt, dass sie nach Belgrad in eine Privatklinik verlegt wird. Dort wurde Hepatitis A diagnostiziert und sie wurde entsprechend behandelt», erzählt der 33-Jährige.

Dem Arzt fiel neben dem Zustand des Mädchens auch jener der Mutter auf, weshalb er das Jugendamt einschaltete. Dieses stellte fest, dass die Mutter drogenabhängig ist, und erwirkte, dass das Kind in staatliche Obhut kommt, wie es in einem Dokument, das stgallen24 vorliegt, heisst. 

Während sich der gesundheitliche Zustand des Mädchens verbesserte, stellte sich das Gericht die Frage, was nach seinem Aufenthalt im Krankenhaus passiert – denn zur drogensüchtigen Mutter könne es nicht zurück.

«Es gab zwei Optionen: Entweder sie kommt in ein Kinderheim oder ich übernehme das alleinige Sorgerecht. Sie ist meine Tochter und ich möchte sie bei mir haben. Natürlich habe ich mich für das Sorgerecht eingesetzt, weil ich auch weiss, wie es in den Kinderheimen dort zu- und hergeht. Ich unterschrieb die Papiere ohne zu zögern.»

Mit den St.Galler Behörden konnte Aleks S. einen Nachzug für ein Familienmitglied erwirken. Somit könnte er seine Tochter in die Schweiz holen.

Behandlungskosten von 47'000 Franken

Doch es gibt ein Problem: Mit dem Übertrag des Sorgerechts verpflichtete sich Aleks S. auch zur kompletten Übernahme der Krankenhauskosten, wie es im Urteil des Amtsgericht Vrsac steht. Umgerechnet belaufen sich diese auf knapp 47'000 Franken – zu zahlen bis zum 1. Juli 2022.

Geld, dass die Familie S. nicht mal eben aus dem Ärmel schütteln kann. Also kratzten sie das wenige Ersparte zusammen, fragten bei Freunden und Familie nach Vorauszahlungen und Spenden und konnten so bereits einiges bezahlen. Doch es fehlen noch weitere 33'000 Franken. 

«Ich habe schon viele Menschen in schwierigen Situationen gesehen, aber dieses Ausmass ist auch mir neu», sagt Joe Schmidmeister. «Ich habe Aleks' Leiden, seine Verzweiflung und Not gesehen und möchte einfach helfen. Deshalb rufen wir im Namen des Vereins Läbeplus und der Stiftung Bild ebenfalls zu Spenden auf», so Schmidmeister. 

Aleks S. fühlt sich nicht wohl dabei, andere nach Geld zu fragen, aber er sieht keinen anderen Ausweg. Denn im Falle, dass der Betrag nicht beglichen wird, hebt das Gericht die Sorgerechtsentscheidung auf und das Kind kommt in die Obhut des Staates. «Dann habe ich alles verloren und muss nochmals neu vor Gericht», sagt er.

Am Dienstag, 28. Juni, möchte der Familienvater die Reise nach Serbien antreten und wünsche sich nichts mehr, als mit seiner Tochter zurückzukehren. 

*Namen der Redaktion bekannt

Möchten Sie Aleks S. mit einer Spende oder einem Darlehen unterstützen? Dann können Sie dies über die Stiftung Bild tun:

Raiffeisenbank Regio St.Gallen West, 9030 Abtwil
Konto Nr: 90-5541-9
IBAN: CH06 8080 8006 9832 2360 8
Empfänger: Stiftung Bild, Piccardstr. 18, 9015 St.Gallen
Vermerk: Tochter Nachzug

Bei Fragen zu Spenden steht Ihnen Joe Schmidmeister unter j.schmidmeister@laebeplus.ch zur Verfügung

Miryam Koc, stgallen24 / Linth24