Rapperswil-Jona
03.01.2019

150. TODESTAG VON FRANZ JOSEF GREITH

Der Rapperswiler Musiker und Komponist des Rütliliedes starb am 1. Januar vor 150 Jahren. Eine Würdigung von Basil Vollenweider.

Am frühen Silvestermorgen spielte wie jedes Jahr die Kleinformation der Blechbläser der Stadtmusik in den in winterlicher Dunkelheit liegenden Gassen der Altstadt, um das alte Jahr feierlich ausklingen zu lassen. Am Engelplatz ertönte zuletzt die Melodie eines einst bekannten Schweizerliedes: «Von Ferne sei herzlich gegrüsset», das sogenannte «Rütlilied», von Franz Josef Greith komponiert. Ob den Stadtmusikanten bewusst war, dass sie damit ein Jubiläumsjahr des Rapperswiler Komponisten einläuteten?

Franz Josef Greith entstammte einer Rapperswiler Musikerfamilie. Wahrscheinlich wanderten die Greiths um 1700 von Savoyen in die Rosenstadt ein. Dort erhielten sie 1709 das Bürgerrecht und stiegen schnell zu einer führenden Familie auf. Franz Josef wurde am 17. August 1799 im Haus zum «Sternen» an der Herrengasse geboren, wo bis heute eine Gedenktafel an den Schweizer Komponisten erinnert. Sein Vater, Karl Dominik Greith war Goldschmied, passionierter Flötist und Musikdirektor der Caecilia-Musikgesellschaft. Schon seinen Gross- und Urgrossvater finden wir in diesem würdevollen Amt wieder.

Rund 50 Jahre nachdem der kleine Mozart die Fürstenhäuser Europas als musikalisches Wunderkind in Staunen versetzte, schien Vater Greith mit seinem Sohn Ähnliches vorgehabt zu haben: Er brachte dem kleinen Franz Josef schon früh das Flötenspiel bei und stellte ihn auf die Bühne, wo der Bub das Publikum verblüffte. Zugegeben – es war nicht das Parkett europäischer Paläste und Bühnen, aber immerhin der Zürcher Casino-Saal.

So berichtete die «Zürcher Freitagszeitung» im Winter 1809 von dem musikalischen Wunderkind vom Zürichsee, das in einem Konzert die Zuhörer begeistern werde: «[…] da sich unter anderm, ein 9 jähriger Flötenspieler, Franz Joseph Greith, Sohn des Herrn Musik-Direktors Greith, von Rapperschweil, wird hören lassen, der bey der abgelegten Probe das Erstaunen der Musik-Kenner erregt hat.»

Nach seinen Kinderjahren in Rapperswil besuchte er das Gymnasium in St. Gallen und Luzern und studierte anschliessend an den Universitäten in Landshut und Freiburg i. Br. Danach war er Gesangslehrer in Chur, Münchenbuchsee und Aarau, bis er 1833 die Stelle des Kirchenmusik- und Chordirektors an der Kathedrale in St. Gallen antrat, die er bis 1860 bekleidete. In der dortigen Kantonsschule betätigte er sich auch als Lehrer und setzte sich intensiv mit der Musikpädagogik auseinander. Dazu gehörte auch die Idee von der Pflege einer im Volk verhafteten Vaterlandskultur, weshalb er zahlreiche patriotische «Volkslieder» komponierte und in Schulgesangsbüchern veröffentlichte. Zusammen mit seinem jüngeren Bruder und Bischof von St. Gallen, Carl Johann, setzte er sich für eine caecilianische Musikrichtung im vokalen Bereich ein und komponierte viele Chorgesänge.

Nun, fast auf den Tag genau heute vor 150 Jahren, am Neujahrsabend 1869, machte sich Franz Josef Greith auf den Heimweg nach St. Fiden (St. Gallen). Es war sein letzter Weg. Vom Schlag getroffen fiel er in den Strassengraben, wo man ihn erst am nächsten Morgen tot auffand.

Wie die hiesige Greith-Gesellschaft findet: Grund genug, dem 150. Todesjahr des Rapperswiler Komponisten zu gedenken. So wird sie verschiedene musikalische Veranstaltungen in diesem Jahr unterstützen. Das Orchester der Caecilia-Musikgesellschaft wird am Samstag, dem 25. Mai 2019 um 17.30 Uhr in der Stadtkirche, anlässlich ihres Frühlingskonzertes u.a. die Ouvertüre in C-Dur von Franz Josef Greith musizieren.

Darüber hinaus wird in diesem Jahr ein neuer Konzert-Zyklus ins Leben gerufen. Unter dem Titel «Rapperswiler Komponisten – gelebt, gewirkt, gestrandet» widmet sich das Duo Sybille Diethelm (Sopran) und Fabienne Romer (Klavier) dem Rapperswiler Kunstlied. Bei der ersten Veranstaltung wird im Gedenkjahr der Fokus auf Franz Josef Greith gelegt.

Basil Vollenweider, Historiker und Musikwissenschaftler, Vorstandsmitglied der Greith-Gesellschaft Rapperswil