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Lifestyle
24.05.2022

«Damit die Tiere möglichst wenig Stress haben»

Auf Du und Du mit der Herde: Martin und Marianne Betschart mit ihren Kindern Thorwald und Feena respektieren die Tiere als wichtige Mitbewohner des heimischen Hofes. (Bild Johanna Mächler)
Auf Du und Du mit der Herde: Martin und Marianne Betschart mit ihren Kindern Thorwald und Feena respektieren die Tiere als wichtige Mitbewohner des heimischen Hofes. (Bild Johanna Mächler) Bild: zvg
Familie Betschart-Stössel bewirtschaftet den «Puurähof» Vorderstoss in Feusisberg. Ihre Schottland-Rinder sollen bis ans Lebensende friedlich grasen. Deshalb wurde die Weidetötung eingeführt.

Am 11. April wurde erstmals auf Vorderstoss ein Luing-Rind auf der Weide getötet. Das heisst, genau genommen geschah dies am Rand der Weide in einem extra dafür eingerichteten Pferch. «Wir haben die Tiere zuvor in kleinen Gruppen dort gefüttert, sie wieder hinausgetrieben, sodass die neue Futterstelle bekannt war», sagt Marianne Betschart. Dadurch kam nie Hektik auf. Denn die «Schottländer» sind gemütliche Tiere.

Die Ersten im Kanton Schwyz

Der Schuss vom Hochsitz aus musste relativ aufwendig vorbereitet und vom Laboratorium der Urkantone bewilligt werden. Dieses Vorgehen ist erst seit zwei Jahren überhaupt möglich und unterliegt dem Lebensmittelrecht.

Bis jetzt werden im Kanton Schwyz nur auf dem Biohof Ming in Schwyz Hoftötungen ausgeführt. Betscharts sind die Ersten mit Weidetötung im Kanton. Es braucht vor Ort einen Jäger, der das Tier betäubt, einen Metzger für den Entblutungsschnitt und einen Kran, um das Tier in einen Anhänger zu verladen.

Der Pferch für die Weidetötung liegt am Rand der Wiese. Bild: zvg

Wie der Veterinärdienst der Urkantone nämlich vorgibt, muss das fachgerechte Ausweiden der Schlachttiere spätestens 45 Minuten nach dem Entbluten stattfinden. Dies geschieht nach einem kurzen Transport in Rothenthurm bei der Metzgerei Schuler. Ab da gehts weiter nach Einsiedeln zu Walhalla DelikatEssen AG, wo die Verarbeitung folgt.

Ursprüngliche Landwirtschaft

Dies sei bei der ersten Weidtötung reibungslos gelaufen, sagen Betscharts. Aber lohnt sich so viel Aufwand für ein einzelnes Tier? Wo noch dazu die Selbstvermarktung des Fleisches ebenfalls durch die Familie gemacht wird. «Wir könnten allein vom Fleischverkauf nicht leben, noch nicht», sagt Martin Betschart, der gebürtige Muotathaler.

«Wir haben beide noch Jobs, ich bin auf Montage und als Schaukäser tätig, meine Frau ist Sozialpädagogin», schildert er. «Uns geht es vor allem darum, dass wir unsere Vorstellung von naturnaher Landwirtschaft leben können», fasst er die Motivation in Worte.

Das Tier ist bei seinem Ableben in seiner gewohnten Umgebung. Bild: zvg

«Die Tiere sind immer in der Herde, kennen nichts anderes. Damit sie bis zum Schluss keinen Stress haben und keinen Transport getrennt von der Herde aushalten müssen, sind wir auf die Weidtötung gekommen.» Was sich auch positiv auf die Fleischqualität der ein bis zwei Jahre alten Rinder auswirke. Die Reaktion der Kunden sei ebenfalls durchaus positiv.

Am Firabig-Märt Schindellegi

«Egal, wo Fleisch gekauft wird, wenn es wenig kostet, bleibt weniger, um den Tieren ein artgerechtes Leben und eine schonende Schlachtung zu ermöglichen», so der Landwirt. Die Schweiz habe aber bereits einen hohen Standard in Sachen Tierwohl, betont Marianne Betschart. «Wir gehen einfach noch einen Schritt weiter.»

Viele weitere Informationen über den «Puurähof» Vorderstoss auf www.vorderstoss.ch.

Johanna Mächler, Redaktion Höfe24 / Linth24