Home Region Sport In-/Ausland Magazin Agenda
Kanton
06.05.2022

Seminarhaus des Bistums nach Wiborada umbenannt

Regens Raffael Rieger und Administrationsrätin Pascale Baer-Baldauf (r.) vor dem neuen Hausschild des Seminars.
Regens Raffael Rieger und Administrationsrätin Pascale Baer-Baldauf (r.) vor dem neuen Hausschild des Seminars. Bild: Roger Fuchs
Das Seminarhaus in St.Georgen (St.Gallen), wo sich u.a. Frauen und Männer auf den kirchlichen Dienst im Bistum St.Gallen vorbereiten, heisst fortan «Seminar und Bildungshaus St.Wiborada».

«St.Gallen hat mehr zu bieten als nur Gallus, Otmar und Notker.» Dies sagte Pascale Baer-Baldauf, Administrationsrätin des Katholischen Konfessionsteils des Kantons St.Gallen, am 2. Mai im Rahmen der Umbenennungsfeier des Seminarhauses in St.Georgen. Sie spielte damit auf die heilige Wiborada an, die in den letzten Jahren wieder vermehrt wahrgenommen wird und nun auch Namensgeberin des Seminarhauses ist.

Auf dem Schild neben dem Haupteingang ist demnach ab sofort zu lesen: «Seminar und Bildungshaus St.Wiborada».

Verbindungen zwischen heutigem Seminarhaus und Wiborada

Das Haus an der St.Georgen-Strasse 91A steht exakt dort, wo Wiborada um das Jahr 912 ihre Klause hatte. Vier Jahre lebte sie dort, bevor sie sich bei der Kirche St.Mangen in St.Gallen als Inklusin einschliessen liess. Verschiedene andere Frauen folgten ihrem Beispiel, worauf sich mit der Zeit in St.Georgen eine Gemeinschaft von Klausnerinnen bildete, wie Regens Raffael Rieger ausführte.

Auch inhaltlich sieht er Verbindungen zwischen dem heutigen Seminarhaus und Wiborada: Sie sei eine Ratgeberin gewesen und eine Frau des Gebets, sie habe die Anliegen und Sorgen der Menschen in der Liturgie vor Gott getragen und damit seelsorgerliche Aufgaben erfüllt.

Von daher mache es durchaus Sinn, dass sie nun Namensgeberin für das Haus sei, in dem Personen für die Pastoral im Bistum St.Gallen ausgebildet werden. Wiborada selbst wurde 1047 als erste Frau vom damaligen Papst heiliggesprochen.

  • Regens Raffael Rieger (vorne auf der Treppe) blickt bei seinen Ausführungen zurück in die Zeit von Wiborada. Bild: Roger Fuchs
    1 / 2
  • Administrationsrätin Pascale Baer-Baldauf macht auf das neue Wiborada-Buch aufmerksam. Bild: Roger Fuchs
    2 / 2

Wiborada als Vorbild für eine gleichberechtigte Kirche

Dass der Umbenennungsfeier des Seminarhauses auch rund hundert Menschen in Wanderschuhen beiwohnten, ist dem Umstand geschuldet, dass der Wiboradatag in St.Gallen seit einigen Jahren traditionell ein Pilgertag ist.

Ausgelöst wurde diese Tradition durch das Projekt «Kirche mit* den Frauen». Dieses setzt sich seit 2014 dafür ein, dass Kirchenmänner nicht mehr ohne Frauen über deren Stellung, Rolle und Funktion beraten und nicht mehr ohne Frauen über die Belange der Kirche entscheiden. «Wiborada hat als mutige und entschlossene Frau in einer männerdominierten Welt ein Zeichen für das Wirken Gottes gesetzt», unterstrich Pascale Baer-Baldauf die Verbindung zur Heiligen. «Auch ich wünsche mir eine offene und gleichberechtigte Kirche.» Sodann dankte die Administrationsrätin den Anwesenden, dass sie Wiborada im Herzen tragen.

Aufgegriffen wird die Geschichte der aussergewöhnlichen Frau ebenso im neuen Buch «Wiborada von St. Gallen – Neuentdeckung einer Heiligen», das am 23. April auf den Markt kam. Es ist ein Gemeinschaftswerk von acht Autorinnen und Autoren mit Perspektiven aus der Theologie, Geschichte und Religionswissenschaft. Das Werk gibt es im Buchhandel oder direkt in der Stiftsbibliothek St.Gallen.

Die Umbenennungsfeier endete mit einem genussvollen Apéro, zubereitet vom Team rund um die Hausleiterin Ermelinda Keller. Als Überraschung wurden Wiborada-Guetzli mit dem Wiborada-Logo serviert. Ergänzend ist anzumerken, dass das Seminarhaus auch Dritten für Bildungsanlässe, Workshops und Seminare zur Verfügung steht: www.sg.kath.ch/seminar.

Buchhinweis

Wiborada von St. Gallen
2022, 363 Seiten
Schwabe Verlag
ISBN: 978-3-7965-4500-9

Roger Fuchs, Katholischer Konfessionsteil des Kantons St.Gallen