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Freizeit
06.05.2022
09.05.2022 12:03 Uhr

Obstweg Gommiswald: Anspruchsvoller Apfel

Richard Hollenstein (l.) konnte den Gästen das Thema anschaulich näherbringen. Der Weg von der bestäubten Apfelblüte zum Apfel ist lang.
Richard Hollenstein (l.) konnte den Gästen das Thema anschaulich näherbringen. Der Weg von der bestäubten Apfelblüte zum Apfel ist lang. Bild: zVg
Wie lang und aufwändig der Weg von der Apfelbaum-Blüte bis zum Biss in den reifen Apfel ist, zeigte sich auf dem Obstweg Gommiswald. Übergeordnete Themen waren Vernetzung und Landschaftsqualität.

Am vergangenen Samstag drehte sich (fast) alles um den Apfel auf dem «Obstweg rund um d’Hasle Gommiswald». Zum lehrreichen Spaziergang mit Blick auf die blühenden Obstbäume hatten die Verantwortlichen des Vernetzungsprojekts und des Landschaftsqualitätsprojekts am Ricken geladen.

Der «Obstweg rund um d’Hasle» bot auch für Familien viel Wissenswertes. Bild: zVg

Wie aus einer Blüte ein Apfel wird

Unsere Landschaft ist ein einzigartiger Schatz. Richtig vernetzt, möglichst naturnah bewirtschaftet und gepflegt, mit Böden und Strukturen versehen, welche die Biodiversität fördern – so sollte sie sich optimalerweise präsentieren.

Besonders die Obstbäume in der «Bluescht» erfreuen nicht nur das Auge, sondern sind auch Lieferanten feiner und gesunder Produkte und nicht zuletzt Lebensraum für Vögel und Insekten. Fakt ist jedoch, dass die Pflege der Obstbäume rentabel sein muss, sprich die Konsumenten auch bereit sein müssen, die hiesigen Naturprodukte beim Detailhändler oder in den Hofläden der Landwirte zu kaufen.

Denn der Weg von der Blüte zur Frucht ist lang und aufwändig und verlangt ein optimales Zusammenspiel aller Faktoren. An verschiedenen Posten des «Obstwegs» erklärten deshalb Fachleute, was es, braucht, bis man am Ende in einen Apfel beissen oder ein Glas Süssmost trinken kann.

Dieser Jungbaum (l.) ist vor Vieh und Wild geschützt. Experte Richard Hollenstein (r.) ist Leiter Fachstelle Obstbau im landwirtschaftlichen Zentrum Flawil. Bild: zVg

Obstbauexperte Richard Hollenstein erklärte beispielsweise das Zusammenspiel von Blüte und Biene. Erst nach dem korrekten Absetzen des Pollens findet die eigentliche Befruchtung und somit der Startschuss zur Reifung eines Apfels statt.

Weiter braucht es frühlingshafte Temperaturen und Sonnenschein, damit die Bienen ihrer Aufgabe als Bestäuberinnen nachkommen wollen. Apfelbäume sind Fremdbefruchter. «Sie brauchen die Pollen anderer Apfelsorten damit es funktioniert», so Hollenstein. Auch das Thema Veredlung und Jungbaumpflege wurde auf dem Rundgang erörtert.

Armin Betschart (l.) zeigt seine Bienenkästen, Bruno Eichmann einen Nistkasten für Gartenrotschwänze. Bild: zVg

Von Mäusen, Singvögeln und Amphibien

Nach den Bienen gings tierisch weiter. Norbert Ricklin zeigte den Anwesenden, wie er mit seinem MuuserChnecht und den Ringlifallen effizient Mäuse fängt. Insbesondere die vermehrungsfreudige Schermaus verursacht beachtliche Frassschäden an Bäumen.

Beim Pausenhalt auf dem Hof der Familie Betschart präsentierte Bruno Eichmann Nistkästen für verschiedene Vögel. Schulklassen hatten diese gefertigt. Besonders der selten gewordene Gartenrotschwanz nimmt diese praktischen und attraktiven Nisthilfen gerne an, um seine Nachkommen – am liebsten im Obstgarten – grosszuziehen.

Beim letzten Posten durfte JMS-CEO Martin Jud ausführen, was selbst in scheinbar unwirtlichen Kiesgruben alles kreucht und fleucht. So finden in den Wanderbiotopen Gelbbauchunken ideale Lebensräume und geschützte Uferschwalben Nistmöglichkeiten in den sandigen Böden.

Vernetzung und Landschaftsqualität gehen Hand in Hand

Die Themen Vernetzung und Landschaftsqualität gehen Hand in Hand und sind – mit den richtigen Massnahmen umgesetzt – zielführend und wertvoll. Dies konnte Michael Hofstetter, Präsident der LQP-Kerngruppe, und die referierenden Fachleute den Teilnehmenden auf dem Obstweg fundiert vermitteln.

Aber auch jeder Einzelne ist aufgefordert, die Augen für die Schönheit der Natur offen zu halten und im wahrsten Sinne des Wortes, deren Früchte wertzuschätzen.

Gabi Corvi