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Rapperswil-Jona
05.05.2022
10.05.2022 09:35 Uhr

Nächster Schritt im BWZ Gewurschtel

Kampf ums neue BWZ: Architekt Herber Oberholzer findet Stadtpräsident Stöcklings staatspolitische Haltung beim BWZ «bedenklich und verwerflich».
Kampf ums neue BWZ: Architekt Herber Oberholzer findet Stadtpräsident Stöcklings staatspolitische Haltung beim BWZ «bedenklich und verwerflich». Bild: Linth24
Der Kanton teilt mit, dass er das neue BWZ in Rapperswil nun doch selbst baut. Das Komitee BWZ im Zentrum wird die Kantonsvorlage bekämpfen. Von Bruno Hug

Die Odyssee um das neue Berufs- und Weiterbildungszentrums BWZ nimmt die nächste Schlaufe. Der Kanton hat nach jahrelangem Seilziehen entschieden, den Neubau «selbst zu planen und zu bauen». Dazu teilt der Kanton mit, es sei «ursprünglich vorgesehen» gewesen, dass Rapperswil-Jona die neue Schule «im Auftrag des Kantons» erstelle.

Standort Zentrum gegen Südquartier

Das ist falsch. Richtig wäre: Ursprünglich wollte der Kanton das neue BWZ bauen. Dazu hätte ihm die Gemeinde das Land im Südquartier verkauft, was das Stimmvolk am 27. November 2016 abgesegnet hat.
Parallel zu dieser Abstimmung entstand ein 10-köpfiges Komitee um den Rapperswiler Architekten Herbert Oberholzer. Es schlug vor, das BWZ am heutigen Standort im Zentrum zu bauen. Das Gebäude hätte hier dem Raumprogramm entsprechend Platz, sei aus soziokultureller Sicht kluger, belebe die Stadt und wäre gegenüber dem Standort im Südquartier erst noch bis zu 15 Millionen Franken billiger zu bauen. (Siehe www.BWZ-im-Zentrum.ch)

Stadtrat hintergeht Komitee

Das Komitee und die Stadt unter Präsident Martin Stöckling sassen deswegen mehrfach zusammen. Stöckling versprach nach der 4. Sitzung, eine professionelle Evaluation zwischen den beiden Standorten vorzunehmen, hielt dann aber sein Wort nicht: Noch während den Verhandlungen unterzeichnete der Stadtrat hinter dem Rücken des Komitees am 12. Juli 2019 eine Absichtserklärung zu einem BWZ-Neubau im Südquartier. Darin war vorgesehen, dass die Stadt dem Kanton das Land im Südquartier verkauft, es im Baurecht wieder zurücknimmt, dann die Schule baut, sie danach dem Kanton zur Nutzung vermietet und sie irgendwann dem Kanton verkauft.

Volksabstimmung umschiffen

Dieses irre Konstrukt wurde deshalb gebastelt, weil damals dem Kanton gemäss eigener Aussage das Geld für den Neubau fehlte. Auf Seiten der Stadt basierte dieser Morks auf der Angst vor einer neuen Volksabstimmung zum Neubau.
Die Angst vor einem (weiteren) Volks-Nein zu einem Stadtratsprojekt war derart gross, dass dieser sogar die Durchführung der vom Komitee im Zentrum geforderten Standorts-Initiative vor Verwaltungsgericht verhinderte.

Vertragskonstrukt hätte nicht funktioniert

Der Kanton schreibt in seiner Mitteilung weiter, «neue Abklärungen» würden zeigen, dass das BWZ beim Bau durch die Stadt «nicht rascher realisiert» werden könne.
Über die letzten drei Jahre aber behauptete der Stadtrat unter Stöckling exakt das Gegenteil. Die Wahrheit wird sein: Der Kanton und die Stadt haben gemerkt, dass das Volk die irrige Vertragskonstruktion zum BWZ-Bau nicht goutieren und damit den umstrittenen Südquartier-Standort sowieso zum Absturz bringen würde.

Kanton setzt aufs Südquartier

Weiter teilt der Kanton nun mit, er halte für das neue BWZ «am Standort im Südquartier fest». Deshalb werde die (am 12. Juli 2019) vereinbarte (unsägliche) Absichtserklärung nicht weiterverfolgt. Das bestehende Gebäude Brunacker III im Zentrum würde «weder baulich noch pädagogisch einem Schulgebäude» entsprechen. Und es bestünden im Zentrum keine Entwicklungsmöglichkeiten. 2024 solle der Neubau in einer kantonalen Abstimmung dem Volk unterbreitet werden. Der Bezug der neuen Schule sei auf 2030 geplant.

Komitee kämpft weiter fürs Zentrum

Mit dieser Wendung glauben der Kanton und die Stadt nach ihrem Schlingerkurs offenbar, den Südquartier-Standort durchdrücken zu können. Stadtpräsident Stöckling macht dies seit Jahren zu seinem Prestige-Projekt.
Das aber könnte ins Auge gehen. Der Präsident des Komitees BWZ im Zentrum, Herbert Oberholzer, sagt, man werde nun eben den BWZ-Neubau im Südquartier auf kantonaler Ebene bekämpfen. Der Stadtrat ignoriere bei der Standortwahl breite Bevölkerungskreise. Staatspolitisch sei das «bedenklich und verwerflich». Zudem stimme es nicht, dass das neue BWZ im Zentrum kein Platz habe. Ausserdem sei das Südquartier mit den geplanten Neubauten für Sport, Kinderzoo, Knie, Fachhochschule und allfälliger Kanti ausgelastet, verkehrstechnisch schlecht erschlossen und käme erst noch viel teurer zu stehen als im Zentrum.
Zu erwähnen sei auch, dass Stadt-Bauchef Christian Leutenegger kürzlich gesagt habe, die Stadt wolle rund ums Lido eine Gesamtplanung erstellen. Dass nun das ganze Areal zum Vornherein dem BWZ-Neubau unterordnet werde, sei komplett falsch, sagt Oberholzer.

Bruno Hug