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Rapperswil-Jona
03.05.2022

Franz Curti Festival war ein Spektakel

Am Franz Curti Festival trat nebst vielen weiteren Highlights auch ein internationales Top-Ensemble im Kreuzsaal Jona mit «Die Gletscherjungfrau» auf.
Am Franz Curti Festival trat nebst vielen weiteren Highlights auch ein internationales Top-Ensemble im Kreuzsaal Jona mit «Die Gletscherjungfrau» auf. Bild: Carlo Torre
Am vergangenen Wochenende war Rapperswil-Jona Schauplatz eines lange ersehnten Musikspektakels: Das Franz Curti Festival war ein überwältigender Erfolg.

Die Vorfreude der Konzertbesucher am Franz Curti Abend im grossen Rittersaal im Schloss Rapperswil war förmlich greifbar. Von Beginn weg mitreissend war der erste der 3 Abende. Der Wechsel zwischen historischer Erzählung, Musik & Gesang war Nektar für Kopf und Herz.

Lebendiges Zelebrieren von Musik

Die Darbietungen von Sybille Diethelm (Sopran), Clemens Kölbl (Bariton) und Fabienne Romer (Piano) waren nicht bloss gesungen und gespielt. Es war ein lebendiges Zelebrieren von Musik. Perfekt umrahmt von den Historikern Basil Vollenweider und David Schwarb, welche mit Witz und Charme dem Publikum das Leben von Franz Curti näherbrachten.  Dass der berühmte Rapperswiler Dirigent ein besonders gutes Händchen für Chor-Kompositionen besass, bewies die beeindruckende gesangliche Leistung des Männerchors Alpstee Brülisau.

Das Rösli vom Säntis

Mit der romantischen Liebesgeschichte von Rösli und ihrem Liebsten Franz schuf Franz Curti eine Oper, welche nicht nur musikalisch, sondern auch von der Dramaturgie her Stoff für einen Kinofilm böte. Liebe und Verrat, Lug und Trug, Kampf und Versöhnung. Das gesamte Ensemble lief zur Höchstform auf und bereitete den anwesenden Musikliebhabern einen unvergesslichen Abend. Die Uraufführung im Februar 1898 erlebte der Komponist leider nicht mehr. Er starb einige Tage zuvor.

Die Historiker David Schwab (links) und Basil Vollenweider führten mit Fachwissen und Witz durch den Abend. Bild: Markus Arnitz, Linth24

Stimmgewaltiger Abschluss des Festivals

Was wäre als Abschluss eines Musikfestivals dieser Qualität besser geeignet als eine Vokalkomposition mit über 130 Mitwirkenden aus dem In- und Ausland? Der Stadtsaal im Kreuz verwandelte sich kurzzeitig in eine Opernbühne von internationalem Format. Sängerinnen und Sänger, Tänzerinnen und Orchester boten im Kreuzsaal ein atemberaubendes Vergessen des Alltags und das Eintauchen in die mystische Geschichte der Gletscherjungfrau.

  • Sereina Perrenoud als Gletscherjungfrau. Bild: Carlo Torre
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  • Catherine Bernardini als Walburg. Bild: Carlo Torre
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  • Die Gletscherjungfrau, Walburg und Wulfried (Philippe Jacquiard). Bild: Carlo Torre
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Ein bild- und kostümgewaltiges Epos für dessen Inszenierung man sich vor Künstlern und Organisatoren verneigen darf. Die gewaltigen Projektionen von Stefan Muggli untermalen eindrücklich das Geschehen auf der Bühne: Blumenknospen, die sich im Frühling entfalten, Reisen über Berge und Gletscher bei Auftritt der Jungfrau. Magie pur. Jean-Marie Curti als virtuoser Dirigent. Begeisterung die atemlos macht. Standing Ovation zum Schluss. Eine Zuschauerin die vor Bewegung weint. Die Gewissheit, Zeuge eines einmaligen, fulminanten Ereignisses zu sein. Und auf dem Heimweg die Sehnsucht nach einer Wiederholung.

Markus Arnitz, freier Mitarbeiter Linth24