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Rapperswil-Jona
20.01.2022
20.01.2022 10:07 Uhr

Wie geht es weiter mit dem Polenmuseum?

Das Schloss Rapperswil war über 150 Jahre lang Heimat des Polenmuseums.
Das Schloss Rapperswil war über 150 Jahre lang Heimat des Polenmuseums. Bild: Jérôme Stern/Linth24
Die Planung zum Umbau des Schlosses Rapperswil stehen fest. Doch was geschieht nun mit dem dort untergebrachten Polenmuseum?

Für den Umbau des Schloss Rapperswil stehen bekanntlich alle Zeichen auf Grün: Ende September wird es für die nächsten zwei Jahre geschlossen werden. Nach anfänglichen Sondierungen beginnen nächstes Frühjahr dann die Bauarbeiten. Neueröffnung möchte die Besitzerin, die Ortsgemeinde Rapperswil-Jona, dann im Sommer 2024 feiern. Doch was geschieht nun mit dem Polenmuseum? 

Rückblende: Letzten Sommer einigte sich die Ortsgemeinde mit der Betreiberin des Museums, dem Verein Freunde des Polenmuseums, nach einer Schlichtungsverhandlung auf eine für beide Seiten offenbar befriedigende Lösung. Demnach soll das Polenmuseum Ende nächsten Juni ausziehen. Linth24 sprach mit Piotr Mojski, dem Präsidenten der Stiftung Libertas, welche das Polenmuseum bei dessen kultureller Tätigkeit unterstützt. 

Eine Jubiläumstafel prangt vor dem Eingang des Polenmuseums. Bild: Jérôme Stern/Linth24

Linth24: Piotr Mojski, bis Ende Juni muss das Polenmuseum die bis jetzt genutzten Räume im Schloss Rapperswil räumen. Gibt es schon eine Lösung für einen neuen Standort?

Piotr Mojski: Nein, wir müssen die ganze Sammlung irgendwo auslagern. Diese Aufgabe übernimmt die Leitung des Museums zusammen mit dem Verein Freunde des Polenmuseums. So viel ich weiss liegen derzeit zwei Offerten für die Lagerung auf dem Tisch. Das heisst, wir werden alle Ausstellungsstücke des Museums professionell einlagern. 

Aber darf man annehmen, dass die Suche nach einer neuen Räumlichkeit für das Museum weitergeht?

Das ist so. Wir arbeiten mit der polnischen Botschaft und dem polnischen Kulturministerium zusammen. Speziell das Kulturministerium will das Museum in Rapperswil unbedingt weiterführen. Man sucht hier eine Räumlichkeit, die für ein Museum geeignet ist. Eine Herausforderung ist, dass es bei der Finanzierung des Museums nicht um private Gelder, sondern um öffentliche Mittel aus dem polnischen Staatsbudget geht. Das macht alles ziemlich kompliziert und braucht Zeit. So viel ich weiss, ist die Finanzierung für 2022 jetzt abgesichert. 

Sie haben selber in der Rapperswiler Altstadt gewohnt und kennen die dortige Situation: Es gibt nicht allzu viele Häuser, die für ein Museum geeignet wären. 

Das stimmt. Die Gebäude sind zu klein und würden die Sicherheitsanforderungen für ein Museum nicht erfüllen. Am Hauptplatz kommt beispielsweise kein Haus infrage, das ist unmöglich. Dafür würden wir keine Bewilligung kriegen. Und ein Gebäude komplett umzubauen ist aus denkmalschützerischen Gründen auch keine Option. 

Die Inschrift heisst übersetzt «Freiheit ist etwas grossartiges» – sie seht auf der Säule neben dem Schloss. Bild: Jérôme Stern/Linth24

Können Sie uns mehr über mögliche Kandidaten für das Museum verraten – welche Optionen studiert man derzeit?

Wir haben uns ein Objekt an der Seepromenade angeschaut. Es besteht auch die Möglichkeit, ein neues Gebäude in Rapperswil zu bauen. Man könnte auch ausserhalb der Stadt eine nette Liegenschaft kaufen und unter dem Brand «Polenmuseum» betreiben. Es kommen jetzt mehrere Optionen infrage. Wie sich das entwickeln wird ist aber schwer zu sagen. 

Besteht ein Zeitplan, bis wann man diese Entscheidung treffen möchte?

Ich kenne keinen Zeitplan. Für mich als Präsident der Stiftung Libertas stehen jetzt der Auszug und die Einlagerung der Objekte im Vordergrund. Das weitere Vorgehen ist in der Hand des Vereins Freunde des Polenmuseums als Betreiberin des Museums. Ich weiss, dass mehrere Gespräche mit Schweizer und Polnischen Behörden zu diesem Thema stattgefunden haben. 

Eine persönliche Frage: Ist für Sie die Tatsache, dass die Räumlichkeiten im Schloss nicht mehr zur Verfügung stehen, ein grosser Verlust? 

Ich bin überrascht, dass die Rapperswiler Bürger eine so wertvolle Kulturinstitution, eine der wertvollsten der Schweiz, einfach ohne zu Bedenken abschliessen wollen. Ich habe in der 80er- und 90er-Jahren ja ziemlich lange in Rapperswil gewohnt. Damals wurde das Polenmuseum sowohl von der Politik wie auch der Bevölkerung noch in verschiedener Weise unterstützt. Für uns war diese mentale und moralische Unterstützung wertvoll. Diese Sympathie ist verschwunden. Warum weiss ich auch nicht, aber es ist zu bedauern.

Jérôme Stern, Linth24