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Kolumne
16.01.2022
17.01.2022 09:15 Uhr

Die Inflation steigt, der Hypozins ebenfalls

Bild: px
Die Inflation steigt und steigt. In den USA hat sie die 7 %-Marke erreicht. Das macht sich auch bei den langfristigen Hypothekarsätzen bemerkbar. Ein Kommentar des Wirtschaftsanalysten Christopher Chandiramani.

Kaufen war lange Zeit günstiger als Mieten, heute immer noch mit einem Faktor von 2-3x. Aber die Unterhaltskosten muss man immer mitberücksichtigen. In günstigerem Wohneigentum leben, das gibt es schon länger, seit die Zinsen auf Talfahrt sind nach der Finanzkrise von 2008. Die Ankündigung leicht höherer Zinsen in den USA wegen zunehmender Teuerung hat bereits Schatten voraus geworfen. Obwohl unsere Nationalbank noch zuwartet, haben sich die Schweizer Hypotheken seit Dezember 2021 nach oben bewegt. Wir haben den höchsten Zins seit vier Jahren. Die Steigerung beträgt durchschnittlich ein 0.25 Prozent, je nach Laufzeit. Eine 4, eine 5 oder 6 vor dem Komma wie früher sehen wir vermutlich noch lange nicht.

Achtung bei der Tragbarkeitsrechnung

Für die Tragbarkeitsrechnung werden nicht marktübliche 1-1.5 Prozent Zins berechnet, sondern mit Nebenkosten 6 Prozent. Schuld sind die Bundesvorschriften. Auch sollte der Bruttolohn dreimal so hoch sein wie die kalkulatorische Zinssumme. Wenn beispielsweise ein Haus einen Wert von 1.5 Millionen hat, wäre der effektive Zins bei zwei Drittel Höchstbelehnung maximal CHF 15‘000 jährlich (auf einer Million). Die Bank muss aber 60‘000 berechnen. Das heisst, die Eigentümer müssten in diesem Fall ein Jahreseinkommen von CHF 180-200 Tausend pro Jahr haben. Der Bundesrat hat die Wohneigentumsförderung in der Bundesverfassung vergessen (Artikel 108). Hier muss auf politischer Ebene nachgeschoben, die Regierung wieder auf den richtigen Weg zurückgeführt werden.

Verschuldung ist präsent

Die anziehende Teuerung, in den USA mit 7 Prozent, bei uns nur etwa 1.5, hat mit der Corona-Pandemie zu tun. Nach den Lockdowns hat sich die Wirtschaft schneller erholt als erwartet, was sich durch Energie- und Rohstoffverknappung äussert, durch Lieferengpässe und Mangel an Fachpersonal. Das dürfte sich mit der Zeit wieder beruhigen. Würden die Notenbanken die Geldpolitik zu schnell straffen, wäre die Weltwirtschaft gefährdet. Die Verschuldung ist noch überall präsent, fast eine Zeitbombe, und Corona ist noch nicht ganz verschwunden.

Christopher Chandiramani, Börsen- und Wirtschaftsanalyst und freier Mitarbeiter Linth24