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Eishockey
26.12.2021

Wieder kein Spengler Cup

Tote Hose: Die Eishalle in Davos bleibt auch in diesem Jahr in der Altjahreswoche leer
Tote Hose: Die Eishalle in Davos bleibt auch in diesem Jahr in der Altjahreswoche leer Bild: KEYSTONE/GIAN EHRENZELLER
Zum zweiten Mal in Folge wird der Spengler Cup abgesagt. Diesmal sorgen mindestens 17 Covid-Fälle beim HC Davos einen Tag vor dem geplanten Turnierstart für die Streichung des Traditionsturniers.

Der Kanton Graubünden entzog nach Bekanntwerden der Covid-Fälle die Bewilligung für die 94. Austragung des prestigeträchtigen Traditionsturniers. "Mit dem Entscheid soll ein möglicher Omikron-Ausbruch verhindert und der volkswirtschaftlichen Bedeutung des Tourismus Rechnung getragen werden", heisst es in einer Medienmitteilung des Kantons, der einen (finanziellen) Schutzschirm für den Schweizer Rekordmeister versprach.

"Wir sind nun dennoch in grossen Schwierigkeiten. Wir haben keinen fertigen Plan B. Bis zur Virus-Variante Omrikon waren wir guter Dinge für die Durchführung", betont HCD-Präsident Gaudenz Domenig gegenüber der Nachrichtenagentur Keystone-SDA. Im Vorjahr hatten die Organisatoren bereits Ende September die Durchführung selbst abgesagt.

Trotz Dritt-Impfungen infiziert

Heuer nützte es auch nichts, dass Spengler-Cup-Chef Marc Gianola gegenüber Keystone-SDA vor dem Turnierstart noch betonte: "Keine Impfung eines Staff-Mitglieds beim HC Davos liegt länger als vier Monate zurück." Die positiv getesteten Personen im Staff des HCD befinden sich seit Heiligabend in Quarantäne. Immerhin sollen sich keine schwerwiegenden Fälle unter den zahlreichen Dreifach-Geimpften befinden. "Kopfweh und hohes Fieber sind die schlimmsten Symptome bei einigen. Andere sind symptomfrei", sagte Gianola gegenüber Keystone-SDA am Weihnachtstag.

Die Ansteckungen dürften bei einer Inkubationszeit von üblicherweise vier Tagen um den 20. Dezember herum erfolgt sein. Der HCD spielte an diesem Tag gegen Lugano. Was allerdings nicht bedeutet, dass die Ansteckungen zwingend auf dem Eis erfolgten.

Nicht auszuschliessen ist aber dennoch, dass die Liste der aktuellen Teams in Quarantäne (Ambri-Piotta, Genève-Servette und Davos) erweitert wird und zusätzliche Spielverschiebungen in der Meisterschaft folgen. Einen Tag vor der Partie in Lugano (4:6-Niederlage) spielte der HCD gegen die ZSC Lions (1:5). Und danach am 22. Dezember gegen Zug (1:2) und am 23. Dezember im Pruntrut gegen Ajoie (2:1).

Am Spengler Cup wären alle sechs teilnehmenden Teams täglich getestet worden, was beim HCD zuletzt bereits der Fall war. Auch sah das umfassende Schutzkonzept beispielsweise im Stehplatz-Bereich eine Reduktion der Zuschauer-Kapazität auf 800 der verfügbaren 1750 Plätze vor.

"Schlimmstmöglicher Fall"

Für HCD-Präsident Gaudenz Domenig ist die erneute Absage des Spengler Cups und dazu noch so kurzfristig "der schlimmstmögliche Fall. Das bringt den HCD in einen Überlebenskampf." Der Verlust, der sich anbahne, sei grösser als das noch vor der Saison ausgewiesene Eigenkapital von zwei Millionen Franken.

Domenig thematisierte gar das Worst-Case-Szenario in der Form eines Konkurses des HC Davos. "Durch den Entzug der kantonalen Bewilligung tritt nun der Schutzschirm in Kraft", heisst es aber vom Kanton her. In welchem Umfang die ungedeckten Kosten von Bund und Kanton übernommen werden können, werde aktuell geklärt, hiess es in der Medienmitteilung weiter. Die effektiven Kosten beziehungsweise Aufwendungen für die Organisation beziffert Domenig im höheren einstelligen Millionen-Franken-Bereich.

Liquidität bis Ende Saison gewährleistet

Domenig meint dazu: "Bis Ende Saison ist vor allem die Liquidität entscheidend. Da sollten wir kein Problem haben, auch ohne Schutzschirm." Ohne Schutzschirm sei absehbar, dass der Klub per Ende April überschuldet sein werde. "Eventuell wird dies nun auch mit Schutzschirm der Fall sein. Dies wissen wir aber noch nicht, weil wir die Auswirkungen der Absagen noch nicht wirklich abschätzen können." Am Montag wird Domenig anlässlich einer Sitzung des HCD-Verwaltungsrates die Lage analysieren.

Die Durchführung des Spengler Cups, der einen Umsatz von rund elf Millionen Franken generiert, zu versichern, sei kein realistisches Thema gewesen. Pandemiebedingt sei dies ohnehin schon länger nicht mehr möglich gewesen oder nur zu einer exorbitant hohen Prämie. Für einen solchen Fall hätte laut Domenig die Prämie wohl drei bis vier Millionen Franken betragen. "Gegen andere Absage-Formen (z.B. lawinenbedingt) wäre der Spengler Cup versichert gewesen."

Frölunda im nächsten Jahr nicht dabei

Spengler-Cup-Chef Marc Gianola registrierte derweil die Enttäuschung über die Absage bei den teilnehmenden Teams, da sie "auf den letzten Metern" erfolgt sei. Fest steht schon jetzt, dass beispielsweise der vierfache Champions-League-Gewinner Frölunda erst im übernächsten Jahr wieder in Davos teilnehmen könnte, aber im nächsten Jahr durch ein anderes schwedisches Team vertreten würde.

Gianola wird im Januar mit der Planung für die nächstjährige Austragung beginnen. Ambri-Piotta und das Team Canada dürften wohl dazu gehören. Sie hatten vor einigen Tagen pandemiebedingt absagen müssen, doch der slowakische Meisterschafts-Leader Slovan Bratislava und die kurzfristig zusammengestellte "Bern Selection" mit Spielern aus den Berner NL-Teams Bern, Biel und den SCL Tigers wären eingesprungen. Letzteres wertet Domenig auch nach der Absage als "fantastische Geste" der Solidarität aus dem Kanton Bern.

sda/ Linth24