Rapperswil-Jona
15.11.2018

KESB IN DEN SCHLAGZEILEN - STADTRAT TAUCHT AB

Die Vorwürfe des entlassenden KESB-Direktors Dr. Walter Grob an den Stadtrat von Rapperswil-Jona sind deftig. Nach seiner Darstellung hat  erstens der Stadtrat mehrfach aufs Gröbste versagt und zweitens werde die KESB Linth «mit einem Schlag zerstört». Beides ist hier nachzulesen: https://linth24.ch/kesb-linth-das-totale-chaos-dr-grob-und-stadtrat-bekaempfen-sich/. Linth24 hat nachgefragt.

Von den Vorwürfen von Dr. Grob erfuhr der Stadtrat von Rapperswil-Jona aus einem Onlineartikel der NZZ. Entsprechend kurz war seine Stellungnahme, die eigentlich nur aus einem Satz bestand: «Insgesamt sind die Ausführungen von Dr. Walter Grob sehr einseitig und beispielhaft für das verloren gegangene Vertrauen.» Was allerdings in der Original-Mitteilung stand, war viel mehr als eine einseitige Darstellung, sondern eine veritable Ohrfeige des KESB-Direktors für den Stadtrat. Ausgerechnet für jenen Stadtrat, der ihm jahrelang den Rücken gestärkt hatte.

Grobs Angriff auf den Stadtrat

Grob wirft dem Stadtrat und insbesondere dem für die KESB Linth zuständigen Roland Manhart (CVP) schweres Missmanagement vor. Gemäss Grob habe Manhart mit seinen «zahlreichen ungeschickten Interventionen» das ganze KESB-Team «durcheinandergebracht» und ohne vorgängig Gespräche «grosses Geschütz» gegen die KESB aufgefahren. Der entlassene KESB-Präsident schreibt, Stadtrat Manhart sei «zunehmend überfordert» und sogar «völlig überfordert» gewesen. Trotzdem habe ihm der Stadtrat das KESB-Dossier nicht weggenommen.

Grobs Vorwürfe wurden quer durch die Schweiz in vielen Medien - zum Teil auf der Titelseite - wiedergegeben. Sie stellen die politische Führung der Stadt in ein denkbar schlechtes Licht.

Kritischer Zustand der KESB

Ebenfalls bedenklich ist, was Dr. Grob über den aktuellen Zustand der KESB Linth schreibt. Nach seinem Rauswurf hätten fünf Mitarbeitende gekündigt und zwei seien seither krankgeschrieben. Die KESB Linth umfasst 14 Angestellte. Von seiner Entlassung seien also die Hälfte der Belegschaft direkt betroffen. Grob schliesst daraus: Hier «richtet der Stadtrat einen Scherbenhaufen an und nimmt mit der Kündigung des Kesb Präsidenten bewusst in Kauf, dass eine funktionierende Behörde ins Chaos gestürzt wird.» Die entstandenen personellen Lücken müssten «kurzfristig mit teuren externen Beratern» geschlossen werden, dies und seine Entlassung «kommt die Steuerzahlenden der Region Linth somit teuer zu stehen», schreibt Grob in seiner Mitteilung am Schluss.

Stimmen die Aussagen von Dr. Grob?

Bisher lobte der Stadtrat die Qualität der Arbeit von Dr. Grob in den höchsten Tönen und verteidigte dessen Aussagen ohne den geringsten Zweifel anzubringen. Selbst nach seiner Entlassung mit sofortige Freistellung behauptete Stadtrat Manhart öffentlich, der Gefeuerte habe seine Arbeit fachlich gut gemacht. Trotz Entlassung stellte der Stadtrat und sein KESB-Vertreter Manhart dem Ex-KESB-Chef ein gutes Zeugnis aus. Man müsste also dem - gemäss Stadtrat - fachlich einwandfrei arbeitenden Dr. Grob Glauben schenken können, wenn er über seine Fachstelle spricht.

Aus diesem Grund stellte Linth24 gestern folgende schriftliche Fragen an Stadtrat Roland Manhart:

  • Stimmt es, dass 5 Mitarbeitende gekündigt haben?
  • Betreffen die Kündigungen Kader-Mitarbeitende?
  • Zwei Mitarbeitende sollen krank sein. Stimmt das?
  • Gehört die KESB-Vizepräsidentin Natascha Moser zu den kranken Mitarbeitenden, welcher der Stadtrat auch kündigen möchte?
  • Ist die KESB Linth noch funktionsfähig, wenn fünf Mitarbeitende in gekündigter Stellung und zwei krank sind?
Stadtrat auf Tauchstation Roland Manhart schweigt dazu. An seiner Stelle antwortete Stadtschreiber Hansjörg Goldener: «Wir haben gestern die Medienmitteilung betreffend Stellungnahme Dr. Walter Grob versandt. Der Stadtrat hat beschlossen, dass keine weiteren Auskünfte erteilt werden. Wir bitten Sie um Verständnis.»

Stadtrat Manhart und mit ihm der ganze Rat ist also auf Tauchstation. Es ist anzunehmen, dass der Stadtrat die Luft nicht lange anhalten kann. Morgen, Donnerstagabend, findet im Kreuz in Jona das «Stadtforum» statt. Dort sind alle Parteien, Quartiervereine und andere Interessierte anwesend. Es ist der Ort, an dem der Stadtrat nicht ausweichen kann.

(Mario Aldrovandi)