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Gesundheit
28.08.2021

Spezialist warnt vor Pilzbestimmungs-Apps

Franco Del Popolos grosse Leidenschaft sind Pilze in allen Variationen.
Franco Del Popolos grosse Leidenschaft sind Pilze in allen Variationen. Bild: Jérôme Stern/Linth24
Die Pilzsaison ist da. Für Pilz-Experte Franco Del Popolo sind die Apps zur Pilzbestimmung trügerisch: Ein Laie dürfe sich keinesfalls ausschliesslich auf diese Methode verlassen, warnt er.

Hinsichtlich Pilze kann Franco Del Popolo nichts so schnell überraschen. Doch diese Saison kommt auch er in Staunen: Pilze, die man sonst erst im September fände, liessen sich schon seit Mitte August finden, sagt der 51-jährige diplomierte Pilzkontrolleur aus Wolfhausen. «Dieses Jahr ist bei den Pilzen nichts mehr so wie man es früher kannte: So konnte man zum Beispiel Steinpilze schon vor fünf Wochen finden, das ist sehr früh.» Auch andere Pilze wie Röhrlinge und Eierschwämme habe man schon im Juli gesehen. 

Den Grund für diese saisonale Verschiebung sieht der leidenschaftliche Pilzliebhaber klar in der Klimaerwärmung. Noch etwas anderes ist laut Del Popolo dieses Jahr besonders: Durch die vielen Regentage sei es den Pilzen zu feucht geworden und sie hätten sich quasi zurückgezogen. «Der Pilz ist wie ein Mensch: Er braucht sowohl Wärme wie auch Wasser. Aber zu viel von beidem mag er nicht.» Wenn es zu nass sei, ersaufe das Mycel, also die fadenförmigen Zellen des Pilzes im Untergrund, erklärt er. 

  • Der Frauentäubling ist ein leckerer Speisepilz Bild: Linth24/Jérôme Stern
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  • Der grünblättrige Schwefelkopf ist zwar giftig, doch führt der Verzehr nicht zum Tode. Bild: Linth24/Jérôme Stern
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  • Der orangefuchsiger Raukopf ist einer der gefährlichsten Giftpilze Europas: Die Symptome treten erst mehrere Tage nach dem Verzehr auf. Bild: Linth24/Jérôme Stern
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  • Der Porphyrbraune Rötling ist kein Speisepilz, er ist giftig. Bild: Linth24/Jérôme Stern
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  • Der Perlpilz ist essbar, wenn er gut erhitzt wurde. Bild: Linth24/Jérôme Stern
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  • Die Anis-Tramete ist kein Speisepilz. Bild: Linth24/Jérôme Stern
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  • Der Ockertäubling ist zwar nicht giftig, aber kein Speisepilz. Bild: Linth24/Jérôme Stern
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Die Pilze verziehen sich ins Waldinnere

Der 51-Jährige geht so oft wie möglich in die Pilze, so auch am Vortag. Dabei sei ihm aufgefallen, dass viele Pilze, die man sonst am Waldrand finde, sich ins Waldinnere verkrochen hätten. «Es sieht so aus, als hätten sie sich wegen des Regens in den Schutz der Bäume zurückgezogen», sagt er schmunzelnd. Gefunden hat er gleichwohl rund 30 verschiedene Sorten, «die Artenvielfalt ist zwar gross, aber Speisepilze sind fast keine darunter.»

Ebenso auffällig ist heuer laut Del Popolo, dass das Pilzvorkommen innerhalb eines relativ kleinen Gebiets völlig unterschiedlich ist. «Es kann sein, dass man an einem Ort nichts findet und fünf Kilometer weiter mehr Glück hat.» Im Moment liessen sich jedenfalls nur wenige Pilze finden, und falls man welche entdecken wolle, brauche es wirklich Geduld. Wobei er zuversichtlich ist und sagt: «Es könnte sein, dass wir dieses Jahr einen fantastischen Pilzherbst erleben werden.»

Kontrolle ist lebenswichtig

Für Del Popolo ist klar, dass man seine Pilzfunde auf jedem Fall der offiziellen Pilzkontrolle vorlegen müsse. Wobei er betont, niemals den Stiel zu entfernen, weil dieser für die genau Bestimmung essenziell sei. Diesbezüglich erwähnt er ein eindrückliches Beispiel: «Der Stockschwämmli, ein sehr guter Speisepilz und der tödliche Gifttäubling lassen sich nur am Stiel unterscheiden.»

Hinsichtlich der neuesten Pilzbestimmungs-Apps hat Del Popolo eine eindeutige Meinung. Kürzlich konnte er nämlich verschiedene aktuelle Angebote testen und sein Fazit fällt eindeutig aus: «Katastrophal. Die Ergebnisse waren unbrauchbar. Und wenn sich eine App irrt, kann das tödlich enden.» Eine App könne gut sein, um einen ersten Versuch zur Bestimmung zu machen. Aber eine seriöse Pilzkontrolle ersetzte sie definitiv nicht

Jérôme Stern, Linth24