Kanton
23.03.2020
23.03.2020 12:12 Uhr

SG: Gewalttaten haben massiv zugenommen

Laut Kriminalstatistik des Kantons St.Gallen haben 2019 schwere Gewalttaten zugenommen. Es wurden mehr als doppelt soviele Vergewaltigungen gemeldet wie das Jahr zuvor.

Bei der aktuellsten Kriminalstatistik der Kantonspolizei St.Gallen ist besonders auffällig: Die schweren Gewalttaten, also Tötungsdelikte, schwere Körperverletzungen, schwerer Raub und Vergewaltigungen, haben 2019 um 67 Prozent zugenommen. Dabei ist besonders die Anzahl Vergewaltigungen gestiegen: von 18 Fällen auf 45 Fälle.

Übersicht Kriminalstatistik 2019:

  • Die Kriminalität im Kanton St.Gallen hat 2019 um gesamthaft 6 Prozent abgenommen.

  • Die schweren Gewaltdelikte (Tötungsdelikte, schwere Körperverletzungen, schwerer Raub und Vergewaltigungen) haben um 67 Prozent zugenommen. Dabei ist besonders die Anzahl Vergewaltigungen von 18 Fällen auf 45 Fälle zu erwähnen.

  • Delikte gegen die sexuelle Integrität (Vergewaltigungen, sexuelle Handlungen mit Kindern, verbotene Pornografie und Exhibitionismus) haben trotz der Zunahme von Vergewaltigungen insgesamt um 15 Prozent abgenommen, was vor allem auf einen Rückgang um 63 Prozent bei sexuellen Handlungen mit Kindern zurückzuführen ist.
  • Das 2018 gegründete Kompetenzzentrum Cybercrime weist für 2019 die ersten konsolidierten Zahlen zu Straftaten mit Cyberbezug aus. Insgesamt erfasste das Kompetenzzentrum 1'231 Cyberdelikte. Davon waren rund 75 Prozent Vermögensdelikte und 14 Prozent Sexualdelikte.

  • Widerhandlungen gegen das Betäubungsmittelgesetz nahmen 2019 um 29 Prozent ab. Dies darf darauf zurückzuführen sein, dass seit 1. März 2019 ein straffreier Einzug von Marihuana (bis 10 Gramm) sowie Kokain und Heroin (je bis 2 Gramm) möglich ist.

Ausführungen zur Polizeikriminalstatistik (PKS) 2019
Nach dem Erfassungsmodus der PKS entspricht die Aufklärungsquote 59% (Vorjahr 62%), im Bereich der StGB-Delikte 46% (Vorjahr 46%). Das Sinken der Aufklärungsquote dürfte im Wesentlichen auf das Sinken der Betäubungsmitteldelikte zurückzuführen sein, welcheals Kontrolldelikte eine Aufklärungsquote von gegen 100% aufweisen. Sämtliche Tötungsdelikte und –versuche des Jahres 2019 sind statistisch geklärt.

Diebstähle und Raubüberfälle haben zugenommen
Die Vermögensdelikte haben um 2%, von 11‘926 auf 12‘118 zugenommen. Insbesondere die Diebstähle haben um 6% und die Raubüberfälle um 39% zugenommen, während die angezeigten Betrugsfälle um 19% abgenommen haben.

Auch bei weiteren Tatbeständen sind Zunahmen zu sehen, wo beispielsweise beim betrügerischen Missbrauch EDV-Anlage, der Erpressung oder der ungetreuen Geschäftsbesorgung, während die Veruntreuungen massiv abgenommen haben. Diese Entwicklung dürfte nicht zuletzt aufgrund des individuellen Anzeigeverhaltens eine gewisse Willkür in sich tragen. Gerade die Betrugs- und Erpressungsfälle im Cyberbereich dürften massiv höher liegen – vielfach zeigen Firmen Malware-Erpressungen nicht bei der Polizei an in der Hoffnung, durch Zahlung von geforderten Summen Verschlüsselungen wieder entschlüsseln zu können. In vielen Fällen ist dies allerdings eine trügerische Hoffnung, machen sich doch die Unternehmen so noch erpressbarer, ohne dass die Entschlüsselung garantiert ist.

Weniger sexuelle Handlungen mit Kindern
Die Sexualdelikte sind gesunken von 500 auf 423 oder um rund 15% (sexuelle Handlungen mit Kindern haben abgenommen, während die Vergewaltigungs-Anzeigen massiv zugenommen haben). Die in der Statistik ausgewiesenen Widerhandlungen gegen das Bundesgesetz über die Betäubungsmittel (BetmG) erfuhren eine Abnahme um 1'462 Straftaten oder 29% (insbesondere aufgrund der neuen straflosen Einziehung von Kleinmengen an Betäubungsmitteln).

Kompetenzzentrum Cybercrime – erste Jahreszahlen
Das seit 1. September 2018 betriebene Kompetenzzentrum Cybercrime von Kantonspolizei und Staatsanwaltschaft St.Gallen bearbeitet Cyberdelikte, nimmt Unterstützungsaufgaben im Bereich der digitalisierten Kriminalität wahr und ist in der Aus- und Weiterbildung tätig. Das Kompetenzzentrum Cybercrime ermittelt vor allem in technisch komplexen Fällen und solchen mit internationalem Bezug. Daneben befassen sich aber auch die übrigen Mitarbeitenden der Kantonspolizei mit Cyberdelikten, wie z.B. über das Internet begangenen Vermögensdelikte (vornehmlich Betrügereien), Sexualdelikte (vor allem Pornographie) oder
Ehrverletzungen (Beschimpfungen, üble Nachrede).

Ein erstes Mal liegen nun dazu konsolidierte Zahlen vor, wo Straftaten mit Cyberbezug ausgewiesen werden können:

  Kanton St.Gallen Schweiz in Prozent
Cyberdelikte insgesamt 1'231 20'907 5.9
Davon Vermögensdelikte 923  17'173 5.4
Davon Sexualdelikte 174  2'397 7.3

Dabei ist jedoch eine grosse Dunkelziffer zu vermuten – oder mit anderen Worten: bei diesen Delikten erscheinen nur diejenigen, welche tatsächlich bei der Polizei angezeigt wurden. Bei den meisten Vermögensdelikten handelt es sich um verschiedene Arten von Cyberbetrügen (Online-Betrüge, wo die Lieferung von Waren gegen Bezahlung versprochen wird oder Missbrauch von Online-Zahlungssystemen). Bei den Sexualdelikten handelt esvsich vielfach um verbotene Pornographie, welche über Social Media verbreitet wird. Diese Zahlen zeigen, wie eminent wichtig die permanente Weiterentwicklung der Strafverfolgungsbehörden ist – insbesondere im Bereich der Cyberdelikte.

 

Die ganze Statistik und weitere Informationen können hier abgerufen werden.

OM, Kapo SG
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