Linthgebiet
20.03.2020

CHANDIRAMANIS BÖRSENWOCHE 12

Das Corona-Virus hat uns fest im Griff. Der Börsenhandel macht Kurssprünge in beide Richtungen wie zur Zeit des Crashs von 1987 und der Finanzkrise 2008.

Eine Woche nach Ankündigung der Schulschliessungen, sowie von Restaurants, Arbeitsverbot für einige Berufsgruppen und ein Versammlungsverbot (ab 5 Personen) sowie eine Reduktion des öffentlichen Verkehrs stehen die ganze Schweiz und auch Teile Europas still. Ein landesweites Ausgehverbot, wie das teilweise schon im Ausland eingeführt wurde, ist bei uns aber zurzeit nicht aktuell.

Nachdem der US-Aktienindex (Dow-Jones) an einem Tag über 10 Prozent abgestürzt war, hat die US-Notenbank Fed den Leitzins unmittelbar um einen vollen Prozentpunkt auf die Bandbreite von 0-0.25 Prozent gesenkt. Dadurch soll die durch das Corona-Virus angeschlagene Wirtschaft wiederbelebt werden. Die US-Regierung ruft den Notstand aus und verspricht ein Hilfspaket von über 1000 Milliarden Dollar an die Wirtschaft. In Europa und der Schweiz senken die Notenbanken SNB und EZB die bereits negativen Leizinsen nicht weiter, kündigen aber verstärkte Kurspflege bei den Devisen und den Rückkauf von Anleihen an. Entsprechend schlagen die Staaten Überbrückungshilfen vor (die Schweiz vorerst 32 Milliarden). Vor allem Kleinunternehmen müssen vor einer Konkurs- und Insolvenzwelle sowie einem folgenden Dominoeffekt gerettet werden.

Auch diese Berichtswoche fielen die Börsenkurse zunächst nochmals massiv. Die Ungewissheit über die Dauer des Ausnahmezustandes verunsicherte die Märkte. Auch Rohstoffpreise, v.a. Gold und Erdöl, fielen spürbar, ebenso die Währungen USD und EUR. Erst nach der Wochenmitte gab es leichte Zeichen einer Bodenbildung bzw. eine vorläufigen Stabilisierung. Gute Abschlusszahlen mit gesicherten Dividenden bei Vetropack, der Glarner Kantonalbank, den Bernischen Kraftwerken und einigen anderen Gesellschaften zeigten kaum Wirkung. Der Zürcher Flughafen wird wie die Airline Swiss den Verkehr ebenfalls deutlich einschränken. Die Zuger Metallwaren Gruppe plant einen tiefgreifenden Umbau. Geprüft wird auch eine Abspaltung von V-Zug (Qualitäts-Haushaltgeräte). Aber sonst waren Äusserungen zur Zukunft der Wirtschaft zurückhaltend (Rezessionsängste). Die meisten Schweizer Firmen verzichten vorläufig auf die Durchführung von Generalversammlungen mit Publikumsaktionären.

Aussichten

Die Mehrfach-Milliarden-Hilfsprogramme der USA, EU und der Schweiz (auch im Kanton St. Gallen) stimmen zuversichtlich, dass man einen Finanzkollaps abwenden kann. Alle Details der Hilfe stehen aber noch nicht fest. Ein Handicap ist dabei, dass zurzeit auch die Demokratie Pause macht. Durch das Versammlungsverbot sind die Parlamente bis auf weiteres blockiert.

Die Corona-Krankheit dürfte in einigen Monaten überwunden sein, dank neuer Medizin und Impfstoffen. Die Hoffnungen beruhen auf raschen Fortschritten und moderner Medizin. Bei einer Erholung von Wirtschaft und Börse sind die internationalen Grosskonzerne im Vorteil. Sie sind flexibler bei der Produktion, der Beschaffung von Rohstoffen, beim Transport und Vertrieb und der Zusammenarbeit mit den Banken. Bei den KMU-Firmen und Einmannbetrieben hängt es von einer raschen und unbürokratischen Hilfe des Staates ab und von den Banken ab (Crowd-Supporting?). 

Durch das Corona-Virus dürfte in Zukunft auch die Globalisierung hinterfragt werden. Bedeutsame Grundstoffe und lebenswichtige Produkte sollten in Zukunft wieder vermehrt lokal und regional hergestellt werden.

Christopher Chandiramani, Börsenanalyst und freier Mitarbeiter Linth24
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