Eschenbach
20.03.2020
19.03.2020 22:10 Uhr

«Wir haben schlicht Existenzängste»

Neben Reto Hasler stehen links Regula Brändli (Lebenspartnerin) und seine MutterJacqueline Hasler
Für das «Chrüz» in Eschenbach kam der Lockdown wie ein Hammerschlag. Nun versucht der Inhaber, mit einem Take Away-Betrieb die Situation zu entschärfen.

«Wir haben richtig, richtig Angst», meint Reto Halser vom Restaurant Chrüz in Eschenbach. Seit dem Lockdown - seit dem der Bundesrat verordnet hat, dass auch Restaurants für unbestimmte Zeit nicht mehr öffnen dürfen, seit dann sieht für Reto Hasler die Welt nicht mehr so aus, wie sie vorher war. Plötzlich brechen dite Einnahmen weg - die Betriebskosten laufen unaufhaltsam weiter.

Das Restaurant ist geschlossen, doch der Take away steht nun zur Verfügung.

Auf einen Schlag alles in Frage gestellt

Seit drei Jahren führt er mit seiner Mutter und seiner Lebenspartnerin das Restaurant Chrüz in Eschenbach. Dank seiner langjährigen Erfahrungen als Küchenchef, die ihm notabene 16 Gault Millau Punkte einbrachten, konnte sich Halser mit dem «Chrüz» eine gut gehende Existenz aufbauen. Doch mit einem Schlag ist alles in Frage gestellt: «Als wir alles richtig realisiert hatten, da sind wir schlicht zusammengebrochen. Meine Partnerin hat geweint.»

Take-Away muss helfen

Doch Hasler wäre nicht Hasler, wenn er sich nicht auch in einer solchen Situation kämpferisch zeigen würde: «Seit ich aus der Lehre bin, habe ich immer gekämpft, habe für meinen Erfolg alles gegeben.» Das kann ihm nun in dieser schwierigen Zeit helfen. Denn der Gastronom und sein Team haben sich kurzerhand entschieden, einen Take Away-Betrieb auf die Beine zu stellen. Es sei, so Halser, ein unwahrscheinlicher «Hoselupf» gewesen, was er und seine Crew in kürzester Zeit vollbracht hätten. Die ganze Nacht durch und am folgenden Tag gleich weiter: alles musste am Dienstag organisiert, vorbereitet und vor allem auch kommuniziert werden.

Lisa-Sophie Schulz mit dem Mittagessen. Da freuen sich die Kollegen im Büro.

Kunden schätzen das Angebot

Am Mittwoch, zum Start des Take away, gingen rund 40 Mittagessen über die Theke. «Wahnsinn. Wir wurden richtig überrannt», freut sich Hasler. Fünf Menüs stehen auf dem Plan - der Hackbraten am Donnerstag zu Fünfzehn Franken. Hauptsächlich sind es Mitarbeitende der umliegenden Betriebe, die hier eine Möglichkeit erhalten, sich überhaupt über Mittag noch «anständig verpflegen zu können», wie es Marco Münsing, Monteur, treffend formuliert. «Take away ist für mich jetzt etwas vom wichtigsten. Sonst wüsste ich nicht, was ich machen sollte.»

Auch andere blasen ins gleiche Horn. Lisa-Sophie Schulz: «Ich hole heute das Mittagessen für die Firma. Es ist einfach ein super Angebot, das wir sehr schätzen.» Walter Bucher muss zwar das Essen nicht fürs Büro organisieren, aber auch er und seine Frau sind sehr froh darüber. «Es ist auch für uns eine sehr willkommene Gelegenheit, denn für zwei Personen zu kochen lohnt sich auch nicht immer.»

  • Wäre ohne Take Away aufgeschmissen: Marco Münsing
    1 / 2
  • Für sich und seine Frau: Das Take Away bietet für Walter Bucher eine Abwechslung.
    2 / 2

Etwas versuchen, oder untergehen. So martialisch diese Aussage tönt, so eng liegt sie bei der Realität. «Der Gedanke, dass ich an etwas zugrunde gehen könnte, für das ich nichts kann, das macht einen fertig.» Doch so weit ist es noch nicht. Das Angebot soll übrigens erweitert werden - auf Bestellung kann nun auch ein Abendessen abgeholt werden.

Rolf Lutz, Linth24
Melden Sie sich jetzt an: