Home Gemeinden In-/Ausland Sport Magazin Agenda
Rapperswil-Jona
09.06.2021
10.06.2021 12:55 Uhr

Schwimmende Bühne macht Musikfestival möglich

So soll die schwimmende Bühne des Skylight-Festivals aussehen. Bild: zVg
Die Veranstalter Fabian Villiger und Christoph Kamber wollten endlich wieder ein Musikfestival auf die Beine stellen. Dafür haben sie sich eine schwimmende Bühne einfallen lassen.

Fabian Villiger und Christoph Kamber hatten genug vom Nichtstun. Seit mehr als einem Jahr mussten die beiden Veranstalter aus Rapperswil-Jona faktisch ein Berufsverbot hinnehmen. Doch Däumchen zu drehen und auf bessere Zeiten zu hoffen, ist nicht ihr Ding. Also begannen sie im letzten Herbst an einen Konzept zu tüfteln, dass trotz Schutzmassnahmen ein Musikfestival ermöglichen sollte. 

Grundidee des «Skylights – live am Zürisee» ist eine schwimmende Bühne, welche sieben Zürichsee-Gemeinden mit Konzerten beglückt. Zu diesen Orten gehören neben Rapperswil-Jona auch Küsnacht, Rüschlikon, Meilen, Wädenswil, Stäfa sowie Lachen. Den Umständen folgend handelt es sich bei den Musikern ausschliesslich um Schweizer Künstler. Wobei in jeder Gemeinde zusätzlich zum jeweiligen Haupt-Act ein lokaler Musiker zum Zuge kommt. In Rapperswil sind dies Dabu Fantastic sowie Singer/Songwriter Aaron, die am 28. August aufspielen werden. 

Seit Monaten keine Planungsunsicherheit

Dass Villiger und Kamber es kaum erwarten können, endlich wieder einen grösserer Musikevent auf die Bühne zu stellen, wird im Gespräch glasklar. Wobei die Anzahl der Zuhörer auf maximal 700 Personen beschränkt sein wird. Diese sollen den Sound auch nicht durch riesige Lautsprechertürme,  sondern durch Kopfhörer geniessen, welche die Veranstalter gratis abgeben. «Wir wollen mit unserer Floss-Bühne ja nicht ein ganzes Dorf beschallen», sagt Kamber. «Zudem sollen die Konzerte familientauglich sein.»

Einfach war die Konzeption des Festival laut Kamber nicht: «Wir haben seit Monaten komplette Planungsunsicherheit. Du weisst nur, was verboten ist, aber nicht, wenn Anlässe wieder möglich sein werden.» Das Dilemma der Veranstalter sei, dass sie nicht wüssten, wie sie arbeiten sollen. «Aber irgendwann muss man sich entscheiden: Entweder bleibe ich daheim und ziehe mir die Decke über den Kopf, oder überlegt sich, was kann ich tun, wenn es mit Events wieder losgeht.» 

Direkt am See wollten Christoph Kamber und Fabian Villiger ihr Festival haben. Bild: Jérôme Stern/LInth24

Welches Format könnte möglich sein? 

Im letzten Herbst begannen Villiger und Kamber mit den konkreten Planungen. Dabei fragten sie sich, mit welchem Format und welcher Infrastruktur sie an verschiedenen Orten ein kleineres Publikum bespielen könnten. «Und was machen die Leute an einem schönem Abend sowieso?», fragt Kamber und gibt gleich selber die Antwort: «Sie gehen an den See, nehmen eine Flasche Bier oder Wein mit schwatzen miteinander.»

Genau diese Situation wollten die beiden gewissermassen mit Konzerten noch verschönern. Dabei sind sie sich sicher, dass der Hunger nach Konzerten riesig ist. Aus diesen Gedanken entstand die Idee einer schwimmenden Bühne. Eine solche Bühne sei zwar nicht neu. «Aber eine ganze Tournee damit gab es wohl noch nicht.»

Dabu Fantastic sorgen bei ihrem Auftritt sicher für gute Laune. Bild: zVg

Schweizer Musiker sind gefragt

Wie erwähnt, sollen an den sieben Standorten ausschliesslich Schweizer Künstler spielen. «Derzeit ist es ja schwierig ausländische Musiker zu uns zu holen», so Kamber weiter. Zudem sei er vom hiesigen Musikschaffen absolut überzeugt. «Wir haben hier hervorragende Künstler, die sehr lange nicht auftreten durften.» Da kann man nur anfügen: The Show must go on – finally! 

 

Singer-Songwriter Aaron wird seine zahlreichen Rapperswiler Fans beglücken. Bild: zvg

Planung ist derzeit risikobehaftet

Gemäss Christoph Kamber bedeutet die Planung eines derart aufwendigen Musikfestivals in der aktuellen Corona-Situation, ein Risiko einzugehen. «Angesichts der aktuellen Unsicherheit haben wir unseren Partnern gesagt, sie müssten einen Teil des Risikos mittragen.» Konkret wird man das Risiko gemeinsam mit den Sponsoren, den sieben Gemeinden wie auch den Medienpartnern schultern. 

Selbst die Künstler sind diesbezüglich eingebunden: «Sie tragen das Risiko bei den Ticket-Erträgen mit.» Dabei erhalten sie den grössten Teil dieses Ertrages – falls alles klappt. Laut Kamber bekommen sie aber auf jeden Fall eine kleine Grundgage. 

Wie bringt man eine Bühne aufs Wasser? 

Bei soviel Einsatz bleibt nur die Frage, wie Kamber und Villiger ihre schwimmende Bühne realisieren. «Wir bauen die Bühne auf einen grossen Ponton der Kibag AG. Diese Plattform aus Stahl misst zwölf auf zwölf Meter», sagt Kamber. Darauf werde dann die Bühne errichtet. Die technische Ausrüstung werde mit einem Schiff zur Bühne gebracht. Dazu komme eine tolle Lichtshow. 

Verankert wird die Bühne rund 25 Meter vor den jeweiligen Ufern. «Trotz der Distanz hat man eine gute Sicht auf die Musiker», versichert Kamber. Erfreulich war die Erfahrung bei den Gemeinden, als die Veranstalter ihre Projekt präsentierten: «Wir sind damit wirklich auf sehr grosse Zustimmung gestossen, wir bekommen einen kleinen Beitrag und sie helfen uns, das Festival innerhalb der Gemeinde zu kommunizieren.». 

Bei so viel Enthusiasmus kann man den Veranstaltern und den Musikern nur Glück punkto weiterer Lockerungsschritte wünschen. Schön wärs für auch für das Publikum, dass schon lange kein Konzert mehr erleben durfte. Wobei die Sounds mit Maske genossen werden müssen. Mehr Infos und Tickets unter: https://www.sunrise-skylights.ch/

Jérôme Stern, Linth24