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Eschenbach
12.06.2021
08.06.2021 15:05 Uhr

«Sinnloser Schwerverkehr durch drei Ortskerne ist unnötig»

Ivo Kuster empfindet die Verkleinerung des Projekts als Augenwischerei.
Ivo Kuster empfindet die Verkleinerung des Projekts als Augenwischerei. Bild: Jérôme Stern/LInth24
Ivo Kuster kämpft erbittert gegen einen Ausbau der Eschenbacher Deponie Sonnenfeld. Für ihn ist auch das verkleinerte Projekt der JMS-Gruppe nicht akzeptabel.

Die Firma JMS aus Schmerikon möchte ihre bestehende Deponie Sonnenfeld in Ermenswil erweitern. Pläne dafür bestehen schon seit zwei Jahren. Doch der Widerstand der Einwohner wächst immer mehr. Für den Eschenbacher Ivo Kuster bringt auch das nunmehr verkleinerte Projekt keine wirkliche langfristige Entlastung. Insbesondere den unweigerlich zunehmenden Schwerverkehr durch Eschenbach findet er inakzeptabel. 

Linth24: Ivo Kuster, Sie kämpfen seit Jahren gegen die Erweiterung der Deponie Sonnenfeld. Was ist Ihre Motivation?

Es macht keinerlei Sinn, am Kantonsende irgendwo im Grünen ein Deponie-Monopol für eine einzelne Firma zu schaffen. Und dafür werden wir und unsere Kinder einen hohen Preis zahlen müssen. Und zwar in Form von Verkehr, Luftqualität und Abwertung der Lebensqualität und Liegenschaften. Kommen dann noch Verkehrsunfälle dazu, werden wir uns sagen, das hätte man verhindern können. Der sinnlose Schwerverkehr durch drei Ortskerne macht keinen Sinn. 

Schon heute wird im Eschenbacher Ortsteil Ermenswil Kies abgebaut und Bauschutt deponiert Bild: zVg

Nun hat die JMS auf zahlreiche kritische Rückmeldungen reagiert und präsentiert ein um 15 Prozent verkleinertes Projekt. Sind damit die Kritikpunkte vom Tisch? 

Die Frage ist, ob die Firma von allen Grundbesitzern überhaupt das Einverständnis bekommen hat. Oder speckt man das Projekt bloss um diejenigen Flächen ab, die man wahrscheinlich nicht erhalten hätte. Zudem ist unklar, ob das Vorhaben in der ursprünglichen Grösse überhaupt eine Chance gehabt hätte. 

Für das Projekt Sonnenfeld muss Wald gerodet werden. Ist das überhaupt gestattet? 

Nein, grundsätzlich sind Waldrodungen verboten. Namentlich für die billige Beschaffung von Bauland und nicht forstliche Zwecke, so steht es im Waldgesetz. Immerhin geht um rund 25'000 Quadratmeter Wald. Ein Gebiet mit den letzten Eichen von Eschenbach. Die JMS argumentiert, es sei keine dauerhafte Rodung, nach 30, 40 Jahren werde es ja wieder Wald sein. Doch da kann man jeden Förster fragen, der das Gebiet kennt: Dort wird nie mehr ein solcher Wald wachsen wie jetzt. Ein Waldmeister-Buchenwald braucht Pilzstrukturen und Bodenorganismen. Er braucht ganz andere Voraussetzungen als Inertstoffe und Güsel. Heute ist das noch ziemlich unberührter Wald. 

Sie kritisieren auch den Verkehr, der durch die Ausbaupläne noch zunehmen dürfte. Man spüre jeden Lastwagen, der durch Eschenbach fahre. 

Ein Lastwagen macht viel mehr Lärm als ein Personenwagen. Und wenn man Umweltgutachten auf nichtige Faktenbasis abstellt, dann stimmen sie einfach nicht. Man weiss schlicht nicht, wie viel Autos und Lastwagen aktuell durch Eschenbach fahren. Man misst den Verkehr lediglich an einer Stelle, an der Sternenkreuzung. Wobei die Messung nicht zwischen Autos und Lastwagen unterscheiden kann. Der ganze Verkehr zwischen Kiesgrube Mettlen und Ernetschwil wird seit Jahrzehnten nicht erfasst. Man kann sich jetzt fragen, wieso. Fakt ist, dass der einzige Nutzer dort die JMS ist. 

Täglich quälen sich viele Lastwagen durch die engen Strassen von Eschenbach. Bild: zVg

Wieso, glauben Sie, hat die JMS in Eschenbach eine derartig einmalige Stellung?

Sie sind sicher hervorragend aufgestellt und vernetzt. Sie konnten über viele Jahrzehnte Know-how und Beziehungen aufbauen, die tragfähig sind. Das darf man ruhig anerkennen. Gleichwohl schleckt es keine Geiss weg, von was die JMS lebt: billige Beschaffung von Land zum Zweck möglichst günstig Ware zu verlochen. Man lebt ja primär von Kiesabbau, und das hat den wunderbaren Nebeneffekt, dass mit jeder Kiesgrube wieder ein Füllort als Deponie entsteht. Jetzt wird das Monopol noch perfekt, wenn man neben A-Stoff (einfaches Aushubmaterial) auch B-Stoff (Abbruchmaterial, wenig belastete Reststoffe) deponieren kann. 

Wie läuft das denn in anderen Gemeinden? 

In Kaltbrunn schmetterte der Gemeinderat eine festgesetzte Deponie ab. Die Gemeinderäte von Grüningen und Gossau haben eine eigene Organisation aufgebaut, um gemeinsam mit der Bevölkerung gegen Deponiebetreiber vorzugehen. Sie sagten sich alle, wir haben als Standort nichts von Deponien ausser negative Effekte.

Und weshalb wehrt sich Eschenbach nicht? 

Weil der Gemeinderat die Haltung vertritt, man müsse Hand bieten, weil das einem überregionalen  Bedürfnis entspreche. Fest steht, dass es nachvollziehbare Verbindungen zur Ortsgemeinde Rapperswil-Jona gibt. Diese erhofft sich von der Deponie einen schönen Gewinn. Dass Rapperswil-Jona eine Vormachtstellung in der Region hat, ist allgemein bekannt, ebenso die fliessende Grenze zwischen Ortsgemeinde und der politischen Gemeinde Rapperswil-Jona. 

Können Sie die Rolle der Ortsgemeinde Rapperswil-Jona genauer erklären? 

Der ganze Grund und Boden der Deponie Sonnenfeld gehört der Ortsgemeine Rapperswil-Jona. Und diese verspricht sich damit das Loch zu stopfen, das sie aufgrund anderer Baustellen hat. Und es sind substanzielle Beträge, die man sich erhofft. Man kann davon ausgehen, dass es auch handfeste politische Interessen gibt, die hinter dem Projekt stehen. Man will die Deponie einfach nicht bei sich selber, sondern lieber in Eschenbach. Lassen Sie es mich so formulieren: Wenn sich sieben Füchse und eine Gans zum Nachtessen treffen, ist es klar, was auf dem Speiseplan steht. Und wenn das Mahl in Eschenbach stattfindet, finden das alle okay. 

An dieser Kreuzung in Eschenbach treffen Schulkinder auf zahllose Lastwagen. Bild: zVg

Zum Thema Umweltgutachten: Wird dieses so heftig kritisiert? 

Weil im Bewilligungsverfahren nirgendwo die ganze Problematik der Auswirkungen behandelt wird. Zwar werden die Emissionen aller Lastwagen und Baumaschinen in der Kiesgrube ausgerechnet. Aber das bringt nichts, weil sie auf 24 Stunden hochgerechnet werden. Aber es geht doch darum, welche Luftqualität wir haben, wenn etwa mittags alle Menschen unterwegs sind

Ist das Gutachten seriös? 

Nein, weil die Zählstelle den Verkehr rund um den Sternenplatz gar nicht erfasst. Man erfasst nur den Verkehr, der von Eschenbach nach Neuhausen fährt. Und was über Rüti fährt, weiss man auch nicht. Zumal man ja vermutet, dass 50 Prozent des Schwerverkehrs sowieso über Rüti fährt. Somit können die Zahlen gar nicht stimmen. Zudem: Die Lastwagen der JMS werden sich vielleicht an Routenvorgaben und Anlieferungszeiten halten. Die tausenden anderen Anlieferungen durch Dritte im Umkreis von 45 Kilometer wohl kaum. 

Wie möchte die JMS mit der Planung fortfahren? 

Die JMS wird ein Baugesuch, sprich ein Sondernutzungsplan, eingeben. Dieser wird von der Gemeinde geprüft. Anschliessend wird die Bewilligung ausgestellt. Nachdem die Gemeinde das getan hat, muss noch der Kanton sein Jawort geben. Aber die Gemeinde hätte locker die Möglichkeit gehabt, genauere Angaben zu fordern. Die Antwort des Gemeindepräsidenten auf meine diesbezügliche Frage lautete, wieso soll er meiner Kritik mehr Gehör leihen als den Fachleuten? Meine Antwort ist ganz einfach: Wo sind denn die Grundlagen für das Gutachten? Aber zu dieser Auseinandersetzung ist er vorerst nicht bereit. Die Anliegen der Region und der JMS scheinen da gewichtiger zu sein, als die Auswirkungen dieses LKW-Magneten auf die Lebensqualität seiner Bürgerinnen und Bürger seriös zu prüfen. 

Jérôme Stern, Linth24