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Weesen
12.05.2021

«Littering ist in Weesen ein zunehmendes Problem»

Zwei aussagekräftige Bilder der Gemeinde Weesen zeigen die Problematik: Abfälle am Boden und überfüllte Kübel.
Zwei aussagekräftige Bilder der Gemeinde Weesen zeigen die Problematik: Abfälle am Boden und überfüllte Kübel. Bild: Gemeinde Weesen
Bei schönem Wetter ist Weesen ein gefragtes Ausflugsziel. Schattenseite davon: Vermehrt werden achtlos Abfälle liegen gelassen. Gemeindepräsident Marcel Benz sieht mehrere Gründe.

Im Walenseestädtchen Weesen hat sich in jüngerer Zeit eine unschöne Erscheinung ausgebreitet: Im öffentlichen Raum werden achtlos Abfälle liegen gelassen, obwohl teils in der Nähe nicht gerade kleine Abfallkübel stehen. Die Problematik ist unter dem Begriff Littering bekannt. Was zunächst wie ein Problem der Abfallwirtschaft und Entsorgung wirkt, berührt bei näherer Betrachtung auch soziale und gesellschaftspolitische Aspekte.

«Littering ist in Weesen ein zunehmendes Problem. Vor allem an Wochenenden wird in unseren Parkanlagen am See und bei den Spielplätzen viel mehr weggeworfen als früher.»
Marcel Benz, Gemeindepräsident Weesen

Auf Anfrage von Linth24 stellt der Weesner Gemeindepräsident Marcel Benz eine steigende Tendenz zum Littering fest, insbesondere an Wochenenden und an bestimmten Stellen: «Littering ist in Weesen ein zunehmendes Problem. Vor allem an Wochenenden wird in unseren Parkanlagen am See und bei den Spielplätzen viel mehr weggeworfen als früher.»

Auch RaucherInnen sind Benz in diesem Zusammenhang negativ aufgefallen. So könne er es persönlich nicht verstehen, dass Eltern auf den Weesner Spielplätzen rauchen und dann den Zigarettenstummel vor ihren spielenden Kindern zu Boden werfen, oder dass rauchende Autofahrer ihren Glimmstängel trotz Aschenbecher einfach aus dem Fenster befördern.

Sorglosigkeit, Bequemlichkeit, Take Aways und Böötler

Gemeindepräsident Benz führt die angestiegene Littering-Tendenz auf drei Faktoren zurück: Neben Sorglosigkeit und Bequemlichkeit sei ein Teil «sicher den Take Aways geschuldet». Seit den coronabedingten Restaurantschliessungen werden die noch möglichen Take-Away-Angebote stärker nachgefragt, was zumindest einen Teil der grösseren Abfallmenge erklären dürfte. Benz geht davon aus, dass nach einer vollständigen Öffnung der Restaurants zumindest die Menge an Take-Away-Abfällen abnehmen wird.

Ein anderes Phänomen seien die Schlauchbootfahrten auf Linthkanal. Schätzungsweise um die 30'000 Böötler liessen sich vergangenes Jahr in Richtung Obersee treiben. Manche starten in Weesen und pumpen ihr neu gekauftes Schlauchboot direkt am See auf, wobei sie dort Verpackungsmaterial sowie leere Bierkartons entsorgen, so Benz. Nach dem Auswassern werde das Boot dann teils einfach liegen gelassen – nach einmaligem Gebrauch. Der Gemeindepräsident spricht von einer «Wegwerfgesellschaft».

«Wegen Corona trauen sich Leute nicht mehr, den Abfall des Vorgängers bei einer Parkbank aufzulesen und in einen nahen Abfallkübel zu befördern. Aus Hygienegründen unterlässt man dies öfter als noch in der Vergangenheit.»
Marcel Benz, Gemeindepräsident Weesen

Laut Benz wirkt sich die Pandemie auch auf das Verhalten der Menschen aus und erzeugt bei ihnen gewisse Hemmungen: «Wegen Corona trauen sich Leute nicht mehr, den Abfall des Vorgängers bei einer Parkbank aufzulesen und in einen nahen Abfallkübel zu befördern. Aus Hygienegründen (Corona) unterlässt man dies öfter als noch in der Vergangenheit.» Mit der Folge, dass der Abfall beim Bänkli erst recht liegen bleibt.

Mehr Kübelkapazitäten und häufigere Entleerungen

Um gegen die Littering-Problematik vorzugehen, hat die Gemeinde Weesen vor ein paar Jahren zusätzliche und grössere Abfallkübel angeschafft. Diese werden vom Werkdienst täglich entleert, an Wochenenden mit schönem Wetter auch häufiger. Doch manchmal reichen auch diese Massnahmen nicht aus, um Littering zu verhindern.

«Wir wünschen uns, dass Gäste ihren Abfall auch konsequent selber entsorgen und im Notfall – wenn alle Abfallkübel voll sind – den eigenen Abfall auch mit nach Hause nehmen.»
Marcel Benz, Gemeindepräsident Weesen

Gegenwärtig werde die Lage in Weesen genau beobachtet, so Gemeindepräsident Benz. Gegenüber dem Vorjahr sei noch keine «klare Verbesserung» feststellbar. An die Gäste formuliert er deshalb eine Bitte: «Wir wünschen uns, dass Gäste ihren Abfall auch konsequent selber entsorgen und im Notfall – wenn alle Abfallkübel voll sind – den eigenen Abfall auch mit nach Hause nehmen.» So wie es etwa viele Wanderer machen. Benz lobt ausdrücklich alle Personen, die sich punkto Littering vorbildlich verhalten. Letztlich könne jede/r einzelne einen Beitrag dazu leisten, damit ein Aufenthalt in Weesen für alle attraktiver wird.

Stefan Knobel, Linth24