Home Gemeinden In-/Ausland Sport Magazin Agenda
Rapperswil-Jona
04.05.2021
07.05.2021 09:43 Uhr

«Die Massnahmen sind absoluter Kaffee»

Bei den Proben setzt die Feldmusik Jona Trennwände aus Plexiglas ein. Bild: zVg
Nach dem jüngsten Lockerungsschritt des Bundes dürfen Musikensembles unter Einhaltung bestimmter Vorschriften wieder proben. Ein einzelner Musikant muss dabei mindestens 25 m2 Fläche zur Verfügung haben.

Stephan Gnädinger, Präsident und Perkussionist bei der Feldmusik Jona, könnte sich freuen: Seit zwei Wochen dürfen er und seine 60 Mitmusiker wieder proben. Trotzdem ärgert er sich über die seiner Meinung nach absurden Corona-Schutzmassnahmen: «Die Massnahmen sind absoluter Kaffee, unsere Leute sind alle vernünftig genug.» 

Gemäss den neuesten Vorschriften des BAG müssen die Musikensembles bei ihren Proben bestimmte Massnahmen einhalten. Dazu gehört unter anderem, dass jedem Musiker eine Fläche von mindestens 25 Quadratmeter für sich alleine zur Verfügung haben muss. Alternativ können auch Trennwände installiert werden. Erlaubt sind auch Proben im Freien – allerdings auch hier mit einem Mindestabstand von 1.5 Metern. Die maximale Anzahl der Musiker beträgt 15. 

Trennwände kamen gerade recht

Für Gnädiger und die Feldmusik war es ein Glück, dass sie noch Schallschutzwände aus Plexiglas in ihrem Fundus hatten. Die konnte man jetzt gut gebrauchen. Gnädinger: «Ansonsten hätten wir für die Proben eine Turnhalle gebraucht.» So konnte man sich auf den Minimalabstand von 1.50 Meter beschränken. Zweimal wöchentlich treffen sich die Feldmusiker zur Probe in der Aula Joner Schulhaus Weiden. Aktuell läuft diese getrennt nach einzelnen Instrumenten ab: Von 19 Uhr bis 20 Uhr proben die Flöten, anschliessend die Klarinetten – und so weiter. 

Dank einer Trennwand braucht es bei der Feldmusik Jona bloss einen Abstand von 1.50 Meter. Bild: zVg

Kampf um Entschädigung

Eine andere Hürde betraf den Antrag für Kurzarbeit. Gnädinger erklärt: «Unser Dirigent Urs Bamert ist bei uns angestellt, wir bezahlen ganz offiziell Lohn und Sozialabgaben. Doch als wir beim Kanton Kurzarbeit geltend machten, kam prompt eine Absage.» Er wisse, dass andere Kantone bei solchen Anträgen von Musikvereinen kulanter entschieden hätten, sagt Gnädinger. 

Nach einer Einsprache und dreiwöchiger Wartezeit kam schliesslich doch noch das Ja zur Entschädigung. Trotzdem meinte der Vereinspräsident: «Wir sind Laienmusiker und machen alles in unserer Freizeit. Wenn man bei behördlichen Entscheiden keinen Rechtsanwalt hat, ist man verloren.»

Hoffen auf langsame Normalisierung

Wie beurteilt Gnädiger die Aussichten für den Konzertbetrieb? Er hoffe auf eine langsame Normalisierung, sagt er und erwähnt ein Konzert in Spanien, das mit 5000 Zuhörern ohne Probleme – sprich Ansteckungen – über die Bühne gehen durfte. 

Um handfeste Fakten betreffend Virenverbreitung während der Proben zu erhalten, hat die Feldmusik im letzten Herbst eine CO2-Messung in Auftrag gegeben. «Der Gehalt des CO2 in der Luft hat einen direkten Zusammenhang mit deren Qualität. Er kann auch als Indiz der Belastung durch Aerosole und Tröpfchen mit Corona-Erregern angesehen werden», erläutert Gnädiger. Dabei ergab die Messung klar, dass Lüften die Luftqualität schnell und massiv verbessert. 

Die ganz grosse Hoffnung von Stephan Gnädinger ist derzeit, dass das Jahreskonzert der Feldmusik Jona am 6./7. November 2021 nach dreimaliger Verschiebung stattfinden kann. Damit wäre für ihn die Musikwelt zumindest ein wenig besser. 

Max Aeberli (links) und seine Chorsänger proben auch mal im Freien. Bild: zVg

Teamchor probt im Freien

Der Teamchor Jona unter Leitung von Max Aeberli geniesst grosses Ansehen. Mit dem Lockdown respektive Konzertstopp vor gut einem Jahr wurde Aeberlis bislang grösstes Projekt, die Aufführung der Carmina Burana mit über 100 Musikern sowie einem Sinfonieorchester auf Eis gelegt. Nun freut er sich, dass zumindest Proben wieder erlaubt sind. «Das Projekt ist noch nicht gestorben», versichert Aeberli. «Aber ob das Werk jemals zur Aufführung kommen wird, muss das Organisationskomitee entscheiden.»

Wie sieht Aeberli den letzten Lockerungsschritt zugunsten der Musik? «Wir freuen uns, überhaupt wieder singen zu können und geniessen es, ein wenig Normalität zu haben.» Klar seien die aktuellen  Einschränkungen happig für seinen 50-köpfigen Chor, räumt Aeberli ein. «Ich sage meinen Musikern, es ist nicht das Gelbe vom Ei, aber es ist das Ei.»

Aufwendige Probenarbeit

Die Proben des Teamchor finden im katholischen Kirchgemeindehaus in Jona statt. Aufgrund der gegebenen Fläche dürfen höchstens elf Personen gleichzeitig singen. Deshalb würden sie derzeit mit vier Gruppen proben. «Es ist einfach ein Massnahmenpaket, das wir einhalten, damit wir hoffentlich bald wieder unter normalen Zuständen singen und auftreten können», sagt Aeberli gelassen. Um ein wenig Abwechslung in die Proben zu bringen, würden sie bei schönem Wetter auch draussen singen.

Konkrete Konzertpläne hat der Teamchor derzeit nicht. «Es macht keinen Sinn, jetzt ins Blaue hinaus zu planen. Aber wir proben neue Stücke für kleinere Konzerte oder Gottesdienste.» Weitere Lockerungen kämen ja Ende Mai. Aeberli: «Ich bin jedenfalls zuversichtlich, dass es auf den Herbst hin eine gewisse Normalisierung geben wird.» 

Jérôme Stern, Linth24