Uznach
18.01.2019

UNENTSCHIEDEN IM UZNER DUELL

In drei Wochen wählt Uznach den neuen Gemeindepräsidenten. Am Donnerstagabend stellten sich die zwei offiziellen Kandidaten den Stimmbürgern vor. Dabei trafen sich zwei Welten.

Wie schon vor drei Jahren suchte eine überparteiliche Kommission geeignete Kandidaten. Sie fand zwei. Beide leben nicht in Uznach:

  • Der 54-jährige Grabser Diego Forrer blickt auf eine umfangreiche Tätigkeit in der Verwaltung zurück und bringt Erfahrung aus zahlreichen Gremien mit. Der Vater von vier Kindern ist Mitglied der CVP.
  • Der 52-jährige Markus Spörri aus Rüschlikon war in verschiedenen privatwirtschaftlichen Unternehmen tätig und hat viel Erfahrung in Organisationsentwicklung. Der Vater eines Sohnes ist parteilos.
 

Die ehemalige Regierungsrätin Kathrin Hilber moderierte das Kandidaten-Duell in der Oberstufenschule Haslen. Nach diesem Abend stellt Linth24 fest: Kathrin Hilber kann sanft moderieren, aber eine bissige Befragung von Kandidaten sieht anders aus. Keiner wurde aus der Reserve gelockt. Also analysiert Linth24 die Stärken und Schwächen.

Originalität der Präsentation

Hier gewinnt Markus Spörri Punkt 1. Er holte sich den ersten Lacher im Saal, denn er fragte seinen Sohn vor der Veranstaltung: «Wer bin ich?» und präsentierte dessen Zeichnung. Etwas später überrumpelte er Kathrin Hilber:  Sein eigener Vaterschaftsurlaub sei «kein Zufall» gewesen, denn es «hat dafür einen gewissen Vorlauf gebraucht».

Originalität ist die Stärke von Diego Forrer nicht. Seine Antworten kommen überlegt aber staubtrocken.

Zwischenstand: Forrer – Spörri 0: 1

Originalität der Ideen

Markus Spörri bringt neue Ideen und punktet auch damit. Er möchte einen Sportevent erfinden, der über den Ort hinausstrahlt. Er will Uznach zu einer Stadt machen, die «berühmt» wird für ihr Verhalten gegenüber jungen Familien. Er will ein Altersleitbild und daraus konkrete Massnahmen ableiten.

Spörri ist unbefleckt von der harten politischen Realität. So hat er sich seine Visionen erhalten. Das unterscheidet ihn von Forrer. Der über Jahre geschliffene Lokalpolitiker hat keine grossen Träume.

Zwischenstand: Forrer – Spörri 0: 2

Konkrete Politik

Hier punktet Diego Forrer. Seine Antworten sind präzise, zum Beispiel beim Thema Wirtschaftsentwicklung. Während Spörri generell von möglichen «Co-Working-Arbeitsplätzen» redet, benennt Forrer die leeren und zu nutzenden Industrieareale Uznachs als Chance.

Grundsätzlich redet Forrer langsam, aber überlegt. Spörri redet oft viel zu schnell und seine Antworten sind nicht immer klar. So sagt er beim Thema «Priorität für Uznach», dass diese beim Verkehr liege, aber die Lösung dafür nicht unbedingt eine Umfahrungsstrasse sei. Wie er das meint, sagt er nicht. Und wird auch nicht gefragt.

Zwischenstand: Forrer – Spörri 1: 2

Leidenschaft

Diego Forrer will unbedingt Gemeindepräsident sein. Originalzitat: «Gemeindepräsident ist kein Beruf, das ist eine Berufung. Da ist man 24 Stunden da und 7 Tagen in der Woche. Ja, ich will Gemeindepräsident sein. Ich will Euer Dienstleister sein!»

Markus Spörri präsentiert sich lockerer. Originalton: «Ich möchte an den Leistungen gemessen werden, wie in der Privatwirtschaft. Es gibt generell kaum Unterschiede zwischen Gemeinden und Firmen. Es gibt hektische und weniger hektische Tage. 365 Tage, 7 x 24 Stunden will ich niemandem zumuten.»

Hier vergibt Linth 24 jedem einen Punkt. Der Leser mag entscheiden, welche Haltung er befürwortet. Die einen mag Forrers Leidenschaft erschrecken, die anderen die Lockerheit von Spörri, besonders nach den leidvollen Erfahrungen mit dem aktuellen Gemeindepräsidenten.

Zwischenstand: Forrer – Spörri 2: 3

Kultur

Hier werden die Unterschiede deutlich. Für Forrer sind Restaurants, alle Arten von Vereinen, das Volkstümliche Ausdruck von Kultur. Spörri kennt nur eines: «Für mich ist Kultur, was in der Rotfarb läuft. Mit der volkstümlichen Kultur habe ich es weniger.»

Das Kulturverständnis von Forrer mag etwas altbacken sein, aber es ist weniger eindimensional und darum punktet er hier.

Zwischenstand: Forrer – Spörri 3: 3

Ahnung vom Geschäft

Das ist die Domäne von Diego Forrer und dabei punktet er locker. Forrer hatte jahrelang in einer kleinen Gemeinde nahe Wil gearbeitet. «Bei 3'500 Einwohnern macht man alles, Gemeindeschreiber, Steuerbeamter, Betreibungen. Das lässt man nichts aus.»

Markus Spörri dagegen hat keine Ahnung. Er weiss um seine Schwäche und versucht sie in klassischer Marketingmanier als Stärke umzudeuten: «Uznach hat so viel politisches Wissen in der Verwaltung, da tut ein Mensch aus der Privatwirtschaft gut. Das Risiko ist abschätzbar.», sagt er. An den skeptischen Blicken im Publikum erkennt man die Schwäche dieser Aussagen.

Forrer weiss um sein Killerargument und setzt darum nach: «Es ist wichtig, dass ein Chef eine gewisse Grundahnung davon hat, wie eine Behörde funktioniert.»

Zwischenstand: Forrer – Spörri 4: 3

Region

Hier zeigt sich, dass Spörri auch nicht weiss, wie Politik ausserhalb der Gemeinde funktioniert. Aus heiterem Himmel fordert er, dass die umliegenden Gemeinden für Zentrumsleistungen von Uznach zahlen sollen. Forrer kontert trocken, dass es dafür keine gesetzlichen Grundlagen gibt. Besser, so findet Forrer, ist es zusammen zu arbeiten. Der FC Uznach beweise, dass man das mit den umliegenden Gemeinden könne.

Zwischenstand: Forrer – Spörri 5: 3

Einnahmen, Ausgaben und Steuern

Hier unterscheiden sich die beiden Kandidaten nicht. Beide würden eher Kita-Plätze finanzieren, als Steuern senken. Andere Sachfragen in diesem Bereich wurden nicht gestellt.

Zwischenstand: Forrer – Spörri 6:4

Kommunikation

Wer Twitter des Teufels findet, weil ein Idiot damit Weltpolitik macht, für den gewinnt Forrer, weil er von Anfang darauf verzichtet. Er sagt ganz klar: «Ich bin in Sachen Kommunikation konservativ. Ich drucke Prospekte.»

Für moderne Menschen gewinnt Markus Spörri. Er eröffnete eine eigene Webseite für seinen Wahlkampf. Für ihn ist Twitter eine mögliche Form der Kommunikation. Als Gemeindepräsident würde er einen Blog betreiben.

Zwischenstand: Forrer – Spörri 6:5

Referenz-Personen

Für Diego Forrer ist seine Ehefrau die wichtigste Referenz. «Sie ist seit 20 Jahren die Liebe meines Lebens». Mit ihr bespricht er alles, auch seine Reden. Wer also Forrer wählt, wählt ein Duo. Markus Spörri punktet so: Wenn es um persönliche Botschaften gehe, dann sei er genug authentisch, da wisse er, was er zu sagen wolle und zeige das seiner Ehefrau nicht: «Sie ist viel zu kritisch». Wenn es dagegen um Sachfrage gehe, dann würde er seine Rede vorher mit Sachverständigen abstimmen.

Zwischenstand: Forrer – Spörri 6:6

Schlussvotum

Beide würden in Uznach definitiv wohnen wollen, wenn sie nach dieser Wahl auch in zwei Jahren bei den Erneuerungswahlen bestätigt würden. Zu seinem Gefühl sagt Diego Forrer: «Mir geht es gut, ich hoffe ich konnte punkten» und Markus Spörri finisht locker: «Mir geht es gut, wäre gerne mehr gelöchert worden.»

Endstand: Forrer – Spörri 7:7

Die Lokal-Parteien SVP, FDP, CVP, SP und Grüne zogen sich nach der Veranstaltung zurück und berieten hinter verschlossenen Türen ihre Wahlempfehlungen. Sobald sie bekannt sind, steht es auf Linth24.

Die Empfehlungen der Parteien - aktueller Stand

https://linth24.ch/uzner-duell-bisher-11-nach-wahlempfehlung/

Mario Aldrovandi