Linthgebiet
03.05.2019

CHANDIRAMANIS BÖRSENWOCHE NR 18

«Sell in May and go away»  - «Verkaufe im Mai und mach Dich davon». Diese alte Börsenweisheit wird in der Zeit bis Pfingsten das Börsengeschäft dominieren, vermutet der Linth24 Börse-Experte Christopher Chandiramani.

Auch eine verkürzte zweite Woche nach Ostern hatte vielerorts nur vier Arbeitstage. Am 1. Mai waren die meisten Börsenplätze in Europa geschlossen. Auch in Zürich gönnten sich Banker und Börsenhändler einen freien Tag. In Japan wird der Wechsel in der Kaiserfamilie – von Vater zu Sohn – sogar mit zehn Tagen Ferien für das Land gefeiert, also auch hier eine noch längere Börsenpause.

Trotz einer weltweit etwas schwächerer Konsumentenstimmung und in Erwartung einer leichten wirtschaftlichen Abschwächung je nach Sektor verharrten manche Aktienbörsen nahe an den Rekordmarken, auch in der Schweiz.

Auffallend war, dass an der Generalversammlung der UBS die Decharge von Management und Verwaltungsrat durch die Aktionäre teilweise verweigert wurde. Gründe waren die Lohnpolitik und rechtliche Probleme in Frankreich mit möglichen Schadenersatzzahlungen in Milliardenhöhe an den Staat. Die «Ohrfeige» einer solchen Verweigerung der Entlastung ist in der Schweiz sehr selten, speziell bei grossen Gesellschaften. Üblicherweise wird das Stimmverhalten im Vorfeld einer GV mit den Hauptaktionären gegenseitig abgesprochen. Erfreulich war dagegen ein guter Start ins laufende Jahr unserer Rapperswil-Joner Weltkonzernfirma Geberit. Die Zahlen waren deutlich über den Erwartungen und führten zu einem Kurssprung der Aktien von sieben Prozent an einem einzigen Tag.

Es gibt eine alte Börsenweisheit «sell in May and go away». Der Börsenhandel erwartet somit etwas fallende Aktienkurse zwischen Ostern und Pfingsten. Vermutlich hängt das auch mit den Dividenden zusammen, wenn Investoren nach der Zahlung teilweise verkaufen. Einige Gesellschaften haben schon im April ausgeschüttet. In den nächsten Tagen kommen beispielsweise ABB, UBS, Galenica, die Versicherungen Helvetia und Swiss Life sowie die Jungfraubahnen und Kühne&Nagel usw. mit Dividendenzahlungen hinzu. Sonst ist von einer Abkühlung an der Börse im Moment wenig zu spüren. Das Umfeld bleibt vorläufig intakt, wirtschaftlich und globalpolitische Verwerfungen bezüglich Inflation, Währungen und Zinsen sind keine in Sicht. Die immer wieder erwarteten Zinserhöhungen werden laufend hinausgeschoben, auch in den USA. Die US-Notenbank (FED) hat in der vergangenen Woche diesbezügliche wiederum eine Nullrunde beschlossen.

Chandiramanis Börsen-Einschätzungen gibt es jeweils am Ende der Woche. Hier geht es zu bisher erschienenen Artikeln.

Christopher Chandiramani