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Schänis
09.03.2021
09.03.2021 19:43 Uhr

Strengeres Corona-Regime in Schänis

Die Corona-Regeln in Schänis bezüglich Sport sind härter als die von Bund und Kanton. Bild: Linth24
Obwohl Bund und Kanton eine Lockerung der Corona Massnahmen erlauben, setzt Schänis weiterhin auf härtere Regeln im Sport. Das können nicht alle nachvollziehen.

Die ganze Schweiz freut sich seit 1. März über alle Lockerungen der Pandemie-Massnahmen. Die ganze Schweiz? Nein! Ein von unbeugsamen Gemeinderäten regiertes Dorf hört nicht auf, dem Corona-Eindringling zumindest in Bezug auf das Turnalter Widerstand zu leisten.

Mailverkehr mit dem Gemeindepräsidenten

Was ist geschehen? Die aktive Schänner Turnerin P.S.* gegenüber Linth24: «Seit 1. März dürfen gemäss Bund und Kanton, Kinder und Jugendliche bis 20 Jahre wieder zusammen Sport treiben. Der Gemeinderat Schänis erlaubt aber den Turnvereinen im Dorf nur Training bis 18 Jahre. Wir haben viele Mitglieder im Alter von 18 bis 20 Jahren, die nun ausgeschlossen werden. In den Nachbargemeinden ist dies möglich.»

Die Antwort des Gemeindepräsidenten Herbert Küng auf die Anfrage von P.S. lautete wie folgt: «Auch dem Gemeinderat machen die Einschränkungen keinen Spass.(...) Wir stellen unsere Infrastruktur als eine der wenigen Gemeinden den Vereinen kostenlos zur Verfügung und tragen sämtliche anfallenden Kosten. Zudem sind wir für die Einhaltung der Covid-Vorgaben bei Veranstaltungen sowie innerhalb unserer Infrastruktur verantwortlich.»

Die neue Regelung habe man beschlossen als der Bundesrat noch die Limite von 18 Jahren in der Vernehmlassung hatte. Zudem passe diese Altersbegrenzung gut auf die Vereinsstruktur in Schänis. Die Jugendvereine könnten jetzt wieder trainieren, während den Aktivriegen, sowie den übrigen Vereinen dies leider auch weiterhin verwehrt bleibt. «Eine Abgrenzung, die für uns betrieblich und organisatorisch kontrollier und händelbar ist», so Herbert Küng weiter. «Sobald es die Situation zulässt werden wir gerne weitere Lockerungsschritte prüfen und umsetzen.»

«Wir sind für die Einhaltung der Covid-Vorgaben bei Veranstaltungen sowie innerhalb unserer Infrastruktur verantwortlich»
Herbert Küng, Gemeindepräsident Schänis

Keine Antwort aus Schänis

Zur Klärung dieser «übergeordneten Weisungen» schreibt das Gesundheitsdepartement St. Gallen auf Nachfrage von Linth24: «Wir haben keine Weisungsbefugnis gegenüber den Gemeinden. Wir bitten Sie deshalb, sich mit dieser Anfrage an die Gemeinde selber zu wenden.»

Die Gemeinde aber liess die Anfrage von Linth24 zum eigenmächtigen Handeln zuerst unbeantwortet. Auf erneute Nachfrage meldete sich dann Gemeinderatsschreiber David F. Reifler. «Mit Wirkung ab 1. März 2021 öffnete der Gemeinderat Schänis die Trainings- und Probeinfrastruktur der Politischen Gemeinde Schänis für Jugendliche bis 18 Jahren für Sportaktivitäten und kulturelle Aktivitäten.» Diese Altersbegrenzung ist bestens auf die Vereinsstruktur in Schänis abgestimmt.»

Reifler erwähnt weiter, dass die Infrastruktur Eigentum der politischen Gemeinde sei. Was im Klartext bedeutet, dass der Gemeinderat bestimmt, WER, WIE, WANN und WESHALB in Schänis Sport treiben kann. Dass die Hallen von den Mitgliedern der Turnvereine durch deren Steuern finanziert und unterhalten werden, geht dabei offensichtlich vergessen.

Erwähnenswert ist auch die Tatsache, dass Schänis bereits in den letzten Monaten weit strengere Bestimmungen zur Sportausübung anordnete. P.S.* «Bis 28. Februar durften Kinder und Jugendliche bis 16 Jahre nicht in die Mädchen-/Jugendriege, KiTu, Jungwacht und Blauring, obwohl dies von Bund und Kanton erlaubt gewesen wäre.»

Es ist zu hoffen, dass der Gemeinderat zur Einsicht kommt und nicht weiter in Eigenregie ein härteres Corona-Regime durchzieht, um Aufwand zu vermeiden. Die sportaktive Bevölkerung von Schänis musste schon lange genug auf Sport und Spass verzichten.

*Name der Redaktion bekannt

Markus Arnitz, freier Mitarbeiter Linth24