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Gemeinden
20.02.2021
19.02.2021 09:25 Uhr

Drogen-Umschlagplatz im Linthgebiet

Die Drogenproblematik in March und Höfen hat sich erheblich vergrössert. (Symbolbild: zvg) Bild: unsplash/zvg
Die Drogenproblematik und damit zusammenhängend der Lärm in Siebnen sind längst bekannt. Konsumiert und gedealt werde vor allem draussen bei den Schulanlagen.

«Gib mir Tilidin, ja, ich könnte was gebrauchen. Wodka-E, um die Sorgen zu ersaufen!» Das singt der deutsche Rapper Capital Bra in seinem Lied «Tilidin» über das gleichnamige euphorisierende und enthemmende Schmerzmittel. Der gefährliche Trend des Mischkonsums von rezeptpflichtigen Medikamenten, psychoaktiven Substanzen wie MDMA und codeinhaltigen Hustenmitteln zusammen mit Alkohol oder anderen Drogen ist vor etwa fünf Jahren auf Ausserschwyz übergeschwappt.

Vergangenes Jahr starb eine 16-jährige Siebnerin an einer Überdosis Xanax, Gras und Morphium. Es war nicht der erste jugendliche -Todesfall dieser Art in Ausserschwyz. Laut Isabelle Lenggenhager, Leiterin des Jugendbüros March, sei Mischkonsum bereits seit mehreren Jahren ein Problem in der March. Diese Problematik habe sich mit der Corona-Krise noch akzentuiert. «2019 waren es etwa 15, jetzt über 100 Fälle», sagt Lenggenhager mit Besorgnis in der Stimme. «Und die Konsumierenden werden immer jünger.»

Schwer, davon wegzukommen

Die Schliessung der Mittelschulen, das Versammlungsverbot, die Schwierigkeiten, eine Lehrstelle zu finden, das mangelnde Freizeitangebot ab 16 Jahren: All dies führt bei den Jugendlichen zu Einsamkeit, Depression und Gereiztheit. Hinzu kommt der generelle Druck von Zuhause und von der Schule, welcher in den letzten Jahrzehnten laufend gestiegen ist. «Die Anforderungen an Jugendliche haben zugenommen», beobachtet Lenggenhager. «Gleichzeitig wird ihr Raum immer mehr eingeschränkt.» Das sei nicht erst seit der Corona-Krise der Fall. «Die March braucht eine Kinderförderung und mehr Räumlichkeiten.» Wichtig sei auch, dass sich Eltern und Jugendliche Hilfe holen, wenn sie nicht mehr weiter wüssten.

«Ich rate den Eltern, den Jugendlichen klare Grenzen zu setzen und allenfalls die Polizei zu kontaktieren.»
Jörg Leeners, Chefarzt Kinder- und Jugend­psychiatrie Triaplus AG Lachen

Unaufhaltsamer Trend

Saskia*, 17, erzählt, wie schnell der Trend bei ihren Freunden umging und wie auch sie selber Xanax, Amphetamin und Gras konsumierte. Heute sei sie davon weggekommen und begnüge sich mit Cannabis. «Wir waren alle zwischen 14 und 19 Jahre alt. Anfangs konsumierten von uns 16 nur drei Personen», erzählt die Siebnerin. «Dann wurde sehr schnell auch anderen zum Probieren angeboten, und in kürzester Zeit haben so gut wie alle von uns Drogen konsumiert», erinnert sie sich. Als sie gesehen habe, wie schlimm es werden kann, habe sie aufgehört. «Es hat mir nicht gutgetan.»

«Probleme haben zugenommen»

Konsumiert und gedealt werde vor allem draussen bei Schulanlagen. Das beobachtet auch das Jugendbüro March, das den Gemeinden im letzten Jahr Karten mit «Hotspots» hat zukommen lassen. Während der Coronakrise hat sich der Konsum aber tendenziell in den privaten Bereich verschoben.

Trotzdem haben laut Gemeindeschreiber von Schübelbach, Martin Müller, Ruhestörungen, Sachbeschädigungen und Littering auf öffentlichen Plätzen und Schulanlagen noch zugenommen. «Wir spüren eine generelle Zunahme der Probleme», so Müller. Im Sommer habe sich die Situation zugespitzt, sagt Isabelle Lenggenhager vom Jugendbüro March.

Probleme gab es aber schon davor, wie auch der Gemeindeschreiber bestätigt: «Die Problematik ist schon länger auf dem Radar des Gemeinderats. Wir beobachten die Entwicklung intensiv und haben auch schon Massnahmen beschlossen.» So habe man etwa die Benützungszeiten des Stockbergareals angepasst. Weitere Massnahmen sind in der Pipeline. Hauptziel dürfte sein, das Areal zu beleben und eine soziale Kontrolle aufzubauen.

Anouk Arbenz, Linth24/March24