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Kanton
21.02.2021
22.02.2021 09:40 Uhr

«Ärzte mit Blick aufs Ganze» fordern Lockdown-Stopp

Sekretär der Gruppe «Ärzte mit Blick aufs Ganze» ist Dr. med. Daniel Holtz aus Rapperswil-Jona (links). (Symbolbild) Bild: ZVG / Daniel Holtz
In einem offenen Brief fordern 112 Ärzte vom Bundesrat, die Corona-Massnahmen zu lockern, Läden und Restaurants zu öffnen. An vorderster Front dabei auch ein Arzt aus Rapperswil.

Eine Gruppe von Ärzten in der Schweiz kann das Festhalten am aktuellen, relativ harten Lockdown angesichts «der wissenschaftlichen und allgemeinen Faktenlage nicht nachvollziehen». Die Ärzte stellen in ihrer täglichen Arbeit ungefiltert fest, wie das Thema Corona auf die Menschen wirkt. Die schlechte Akzeptanz der Schutzmassnahmen in der Bevölkerung führen sie darauf zurück, dass der Bundesrat von seiner mehrheitlich nur wissenschaftlich tätigen Task Force «zu einseitig und zu undifferenziert beraten» werde.

Insgesamt haben 112 Ärzte aus der halben Schweiz den offenen Brief unterzeichnet. Gründungsmitglied und Koordinator der Gruppe ist der Rapperswiler Gefässmediziner Dr. med. Daniel Holtz. Die Ärzte wollen den Blick aufs Ganze richten, d.h. nicht nur auf die Corona-Toten, sondern auch auf Wirtschaft und Gesellschaft. Sie schlagen dem Bundesrat zehn Optimierungen vor, um die Krise anders zu bewältigen:

  1. Impf-Anreize schaffen
    Die Impfungen sind um Nicht-mRNA-Impfstoffe zu erweitern. Zudem sollen von der Krankenkasse bezahlte Antikörpertests durchgeführt werden. Wer bereits Antikörper hat, muss nicht impfen und wird nach 6 Monaten wieder getestet. Wer nicht impfen muss, weil Antikörper und wer nach der Impfung Antikörper hat, erhält eine «Green Card» und muss keine Maske mehr tragen.
  2. Quarantäne-Kriterien lockern
    Wer in die Quarantäne gehen muss, soll einen täglichen Schnelltest bis zum 5. Tag erhalten. Fällt dieser negativ aus, ist auf die Quarantäne zu verzichten.
  3. Belastung der Spitäler reduzieren
    Medikamentöse Therapien in der Frühphase von Corona zur Prüfung zulassen und in Behandlungskonzept einbauen. Stillgelegte Spitälern Pflege-/Reha-Stationen sind für Corona-Patienten, die aus der Intensivstation kommen, zu nutzen.
  4. Personalengpässen in Spitälern und bei Spitex vorbeugen
    Ehemalige Pflegefachleute sind anzuwerben und vorsorglich einzuarbeiten. Es sollen mehr Spitalsoldaten und Zivildienstleistende zu Hilfs-Pflegepersonal für Spitäler/Spitex ausgebildet werden.
  5. Hochschulen und Universitäten öffnen
    Es soll eine Mischung aus Präsenz- und Fernunterricht geben.
  6. Cafés und Restaurants öffnen
    Cafés und Restaurants sind zu öffnen – bis 23 Uhr. Personenbeschränkungen pro Tisch sollen bei Menschen aus demselben Haushalt entfallen.
  7. Läden öffnen
    Läden sollen bis 19 Uhr öffnen dürfen. Anzahl Besucher gemäss Ladenfläche. Morgenstunden sind für Risikogruppen reserviert.
  8. Vertrauensfördernde Information
    Statt BAG und Taskforce soll der Bundesrat kommunizieren. Die relevanten Corona-Zahlen mit Kurzkommentar des Bundesrats sollen prominent in den Medien publiziert werden.
  9. Tabu-Thema «Sterben und Tod»
    Es muss gezielt über das Tabu-Thema «Sterben und Tod» diskutiert werden.
  10. Swiss Scientific COVID 19 Task Force auflösen und ersetzen
    Die jetzige wissenschaftliche Task Force ist durch eine neue, breiter abgestützte Task Force mit Wissenschaftlern, Unternehmern, Ärzten, Heimleitern, Lehrpersonen, Geistlichen etc. zu ersetzen.

Offener Brief der «Ärzte mit Blick aufs Ganze» vom 15. Februar 2021 an den Schweizer Bundesrat, von 88 Ärzten und Ärztinnen in der Schweiz namentlich unterzeichnet.

Redaktion Linth24