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17.08.2026
17.08.2026 10:21 Uhr

St.Galler Lehrpersonen sehen integrative Schule kritisch

Die integrative Schule wird von den Lehrpersonen grundsätzlich mitgetragen. Bei der Umsetzung sehen sie jedoch Herausforderungen bei Ressourcen, Unterstützung und Strukturen.
Die integrative Schule wird von den Lehrpersonen grundsätzlich mitgetragen. Bei der Umsetzung sehen sie jedoch Herausforderungen bei Ressourcen, Unterstützung und Strukturen. Bild: canva
Über 1000 Lehrpersonen aus dem Kanton St.Gallen haben sich an einer Befragung zur integrativen Schule beteiligt. Eine Mehrheit steht dem Modell kritisch gegenüber. Als Gründe nennt der KLV unter anderem hohe Belastungen und fehlende Ressourcen.

Im März 2026 führte gfs.bern im Auftrag des Lehrerinnen- und Lehrerverbands Schweiz (LCH) eine Befragung von mehr als 10'000 deutschschweizer Lehrpersonen zur integrativen Schule durch. Über 1000 davon arbeiten im Kanton St.Gallen. Der Kantonale Lehrerinnen- und Lehrerverband St.Gallen (KLV SG) hat die Ergebnisse für den Kanton ausgewertet.

Die Ergebnisse zeigen laut Medienmitteilung des KLV SG eine eher kritische Haltung der St.Galler Lehrpersonen. Auf die Frage, wie sie persönlich zur Idee der integrativen Schule stehen, antworteten 9 Prozent mit «sehr positiv» und 28 Prozent mit «positiv». 41 Prozent bezeichneten ihre Haltung als «eher kritisch», weitere 21 Prozent als «sehr kritisch». In den anderen Kantonalorganisationen fiel die Haltung positiver aus.

Hohe Belastung im Schulalltag

Der KLV SG sieht mehrere Gründe für die kritische Haltung. 46 Prozent der St.Galler Befragten erleben die integrative Schule laut den Ergebnissen im Alltag als starke Belastung. Auch bei den verfügbaren Unterstützungsangeboten sieht der Verband Handlungsbedarf.

39 Prozent der Befragten bezeichneten die Unterstützung durch schulische Heilpädagoginnen und Heilpädagogen, Teamteaching-Lehrpersonen, therapeutisches Fachpersonal, Lehrpersonen für Deutsch als Zweitsprache oder Schulassistenzen als «eher nicht» ausreichend. Weitere 12 Prozent bewerteten sie als «überhaupt nicht» ausreichend.

Gut zwei Drittel der Befragten bemängeln laut KLV SG zudem die verfügbaren zeitlichen, personellen und finanziellen Ressourcen im Schulalltag. Auch bei den Abklärungen sieht der Verband Schwierigkeiten: Zwei Drittel der Befragten sind demnach der Meinung, dass Diagnosen zu wenig zeitnah erfolgen und die Umsetzung von Unterstützungsmassnahmen zu lange dauert.

Unterstützung auch ohne Diagnose

Eine weitere Herausforderung sieht der KLV SG bei Kindern mit Unterstützungsbedarf, für die noch keine Diagnose vorliegt. 57 Prozent der Befragten haben laut Umfrage eines oder mehrere solcher Kinder in ihrer Klasse. Gerade bei diesen Kindern sei es vermutlich schwieriger, entsprechende Ressourcen für die Unterstützung zu erhalten, schreibt der Verband.

Entsprechend spricht sich im Kanton St.Gallen eine Mehrheit von 63 Prozent dafür aus, die integrative Schule nur umzusetzen, wenn die organisatorischen und personellen Voraussetzungen dafür gegeben sind. Schweizweit liegt dieser Wert bei 55 Prozent.

KLV sieht Chancen bei neuer Sonderschulung

Im revidierten Volksschulgesetz ist vorgesehen, dass künftig integrierte Sonderschulung möglich wird und vom Kanton St.Gallen mitfinanziert wird. Der KLV SG bezeichnet diese als «wichtige Ergänzung», betont aber gleichzeitig, dass sie die separierte Sonderschulung nicht ersetzen könne.

Der Verband fordert deshalb unter anderem, Unterstützungsmassnahmen schneller und flexibler auch ohne formelle Diagnose einzusetzen. Zudem sollten bei vielen Kindern mit Unterstützungsbedarf die Klassengrössen reduziert werden.

Weitere Verbesserungen sieht der KLV SG bei der Ausbildung von schulischen Heilpädagoginnen und Heilpädagogen. Dort herrsche ein grosser Personalmangel. Auch die Wartezeiten für Abklärungen sollten verkürzt werden.

Idee wird grundsätzlich mitgetragen

Trotz der Kritik betont der KLV SG, dass die Grundidee der integrativen Schule von den Lehrpersonen grundsätzlich mitgetragen werde. Die Umfrage zeige, dass die pädagogische Idee einer integrativen beziehungsweise inklusionsorientierten Schule «breit mitgetragen» werde.

Die grössten Schwierigkeiten lägen aus Sicht der Lehrpersonen vielmehr bei den strukturellen Voraussetzungen für die Umsetzung im Schulalltag – insbesondere bei ausreichender Unterstützung, Zeit und funktionierenden Strukturen.

PD/Katinka Graf/Uzwil24
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