Lebensräume neu denken
Unser Lebensraum verändert sich rasant. Städte wachsen, Nutzungsansprüche prallen aufeinander und Klimaanpassungen werden zu zentralen Standortfragen. An der 58. Innovationstagung der OST – Ostschweizer Fachhochschule wurde aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet, wie Lebensräume gestaltet werden können.
«Unser Lebensraum ist ein entscheidender Hebel dafür, wie leistungsfähig und lebenswert unsere Gesellschaft ist», sagte Prof. Hanspeter Keel zur Begrüssung am OST-Campus Rapperswil-Jona. Im Zentrum stand die Frage, wie Lebensräume wirtschaftlich funktionieren und gleichzeitig lebenswert bleiben.
Zürich im Spagat des Wachstums
Die Stadt Zürich wächst kontinuierlich und wird dichter. «Soziale, räumliche und ökologische Themen dürfen vor diesem Hintergrund nicht vergessen gehen», betonte Anna Schindler, Direktorin der Stadtentwicklung Zürich.
Die Ziele sind ambitioniert: Zürich soll bis 2040 klimaneutral werden, bis 2050 jede dritte Mietwohnung gemeinnützig sein. Trotz zunehmender Dichte sollen Klimaziele, gesellschaftliche Diversität und wirtschaftliche Prosperität erhalten bleiben.
Wenn Attraktivität zur Belastung wird
Wachsende Städte brauchen nicht nur Wohnraum, sondern auch Freizeitangebote. Neue Restaurants, Läden und Kulturveranstaltungen ziehen jedoch oft Gäste von ausserhalb an. Für die lokale Bevölkerung kann das zur Belastung werden.
Tiziano Pelli sprach in diesem Zusammenhang von Wachstumsschmerzen. Im Tourismus brauche es einen Paradigmenwechsel hin zum «Place Branding»: weg vom reinen Gäste-Marketing, hin zu Orten, die Werte und Kultur leben und Menschen verbinden. Als Beispiel nannte er das Appenzellerland.
Grünräume als Zukunftsmodell
Urbane Grünräume gewinnen an Bedeutung. Das Projekt «Grünes Gallustal» zeigt, wie Innenverdichtung mit ökologischer Aufwertung kombiniert werden kann.
«Biodiversität, Klimaanpassung und Quartiersidentität sind keine Gegensätze zur Verdichtung», erklärte Christoph Inhelder. Richtig umgesetzt könnten sie Städte aufwerten und widerstandsfähiger machen. Die Zusammenarbeit zwischen Planung, Verwaltung und Zivilgesellschaft bleibt dabei anspruchsvoll.
Wasser bleibt zentral
Die Bedeutung von Ressourcen zeigte Lars Willi anhand der Trinkwasseraufbereitung. Sein Erfahrungsbericht reichte von Projekten in Nepal und Madagaskar bis zu Schweizer Modellen.
«Sauberes Wasser ist eine oft unsichtbare, aber zentrale Grundlage unserer Lebensqualität», sagte Willi. Gleichzeitig bestehen auch in der Schweiz Herausforderungen: Pestizide im Grundwasser, PFAS im Trinkwasser und tote Gewässer machen deutlich, dass auch hierzulande sorgsam mit der Ressource Wasser umgegangen werden muss.