Linthgebiet
29.11.2019

Chandiramanis Börsenwoche Nr. 46

Die Aktienmärkte sind wahre Rekordmärkte, angetrieben von der Hoffnung auf ein Ende des Handelskriegs, eines Wiederaufschwungs der Wirtschaft, aber auch aufgrund der anhaltend tiefen Zinsen und mangels Anlagealternativen.

US-Präsident Trump hat überraschend seine US-Truppen in Afghanistan besucht. Bei seiner Reise am Thanksgiving-Day (Erntedankfest in den USA) sagte er vor den Militärangehörigen, die USA verhandelten wieder über Frieden und Entspannung mit den afghanischen Behörden und den Taliban-Kämpfern.

Das Wachstum der Schweizer Wirtschaft hat sich im dritten Quartal 2019 leicht beschleunigt. Das BIP legte in der Periode von Juli bis September 2019 gegenüber dem Vorquartal um 0.4 Prozent zu. Im Vergleich zum Vorjahr wuchs die Wirtschaft um 1.1 Prozent. Beigetragen zum leichten Wachstum haben insbesondere die Bereiche Chemie und Pharma sowie die Energieexporte. Aber die internationalen Sorgen (Handelskrieg und Wirtschaftsabschwächung in der EU) hätten auf jeden Fall negativen Einfluss auf das Wachstum sagt das Staatssekretariat Seco.

Patt beim 5G Mobilfunk

Das Schweizer Bundesamt für Umweltschutz (Bafu) hat den lange erwarteten Bericht über den neuem Mobilfunkstandard 5G veröffentlicht. Dabei gibt es keine Veränderungen bei den Grenzwerten. Bezüglich allfälligen gesundheitlicher Schäden wurde auch nichts bekannt, weder in die eine noch in die andere Richtung. Diese Pattsituation hilft somit weder den Gegnern, welche den Antennenausbau bremsen möchten, noch der Mobilfunkindustrie (Swisscom, Sunrise, Salt), die zügig ausbauen will.

Der deutsche Autobauer Audi hat bekannt gegeben, in den kommenden Jahren bis zu 7‘500 Mitarbeitende zu entlassen. Grund dafür sind die seit dem Dieselskandal eingebrochenen Umsätze, sowie die Absichten der deutschen Regierung, längerfristig Antriebe mit fossilen Treibstoffen (Diesel, Benzin) zu verbieten.

Zwei Schweizer Firmen im Umbruch

Die frühereStahlfirma von Moos, heute Swiss Steel oder Schmolz+Bickenbach genannt, ist in ihrer fast 180-jährigen Firmengeschichte in existenziellen Nöten: Der Abschwung in der Autoindustrie und der Handelsstreit haben die tief ins Minus gedrückt - es droht Konkursgefahr. Die beiden Grossaktionäre und Hauptbesitzer Martin Haefner und Viktor Vekselberg streiten sich um Lösungen der Probleme und Zukunftsalternativen.

INachdem XXXLutz bereits Möbel Pfister übernommen hatte, kauft der österreichische Möbelkonzern nun auch Teile von Interio. Der Konzern wird sechs Filialen der Migros-Tochter in seine Discountmarke Mömax integrieren. Die Schweizer Wirtschaft bleibt so weiter im Umbruch.

Die reichsten Schweizer sind noch etwas Reicher

Die Zeitschrift «Bilanz» publizierte ihren jährlichen Bericht über die 300 reichsten Schweizer. Demnach sei dieses Vermögen zusammengefasst auf über CHF 702 Milliarden gestiegen, rund 27 Mrd. mehr als im Jahr zuvor. Es ist davon auszugehen, dass diese Informationen nicht als reisserische Boulevard-Nachricht gemeint ist, sondern in die Richtung, dass die meisten Reichen tüchtige Unternehmer sind, bedeutende Arbeitgeber, die besten Steuerzahler, Sponsoren, Mäzene usw. Sie finanzieren den Hauptteil der AHV und der direkten Bundessteuer, sind tragende Säulen der Schweizer Wirtschaft, verdienen somit auch Wertschätzung.

Trotz vieler teilweise auch negativer Meldungen hielten sich die Aktienbörsen in der Berichtswoche auf sehr hohem Niveau. Der Schweizer Leitindex SMI konnte täglich etwas zulegen und sich bis Freitagmittag knapp unter dem Allzeithöchst auf einem Niveau von gut 10‘500 halten.

Aussichten

Seit Jahresbeginn konnte die Schweizer Börse rund 25 Prozent zulegen. Falls im Dezember nichts allzu Negatives passiert, geht das Börsenjahr 2019 als eines der besten in die Geschichte ein. Die gegenwärtige Konstellation mit tiefen, zum Teil negativen Zinsen und mangels Alternativen (Obligationen, Immobilien) spricht für anhaltend gute Aktienentwicklung, auch im kommenden Jahr. Eine Lösung im internationalen Handelsstreit würde auf jeden Fall und auch länger anhaltend nochmals Schub geben.

Christopher Chandiramani, Börsenanalyst und freier Mitarbeiter Linth24