Linthgebiet
22.11.2019

CHANDIRAMANIS BÖRSENWOCHE NR 45

Auf und Ab bei den Börsen und Aufsicht auf weiterhin tiefe Zinsen. Ansonsten nur wenige echte News in dieser Börsenwoche.

Unklare Signale über Fortschritte im Handelskrieg zwischen den USA und China sowie die weiterhin verhärteten Fronten beim Brexit sorgten zunächst für wenig Bewegung an den Aktienmärkten. Bis heute weiss man immer noch nicht, wie die britischen Parlamentswahlen im Dezember ausgehen, und ob das Land Ende Januar wirklich aus der EU austritt oder Mitglied bleibt.

In der Schweiz kommt die Politik in Bewegung. Nach dem Sieg der «grünen Parteien» bei den Parlamentswahlen vom 20. Oktober wird nun von diesen ein Bundesratssitz gefordert. Zurzeit gibt es aber weder Rücktritte noch Vakanzen in der Schweizer Regierung. Die Abwahl eines Mitglieds des Bundesrats, das nie krasse Fehler gemacht hat, wäre aber unredlich. Somit könnte in unserer Landesregierung vorläufig alles beim Alten bleiben.

In der Berichtswoche erholten sich die Hauptwährungen Euro und US-Dollar leicht gegenüber dem Schweizerfranken. Die Aktien schwankten insgesamt nur geringfügig. Die Märkte eröffneten anfangs der Woche marginal schwächer.

Am Freitag gab es aber wieder einen leichten Sprung nach oben, vor allem bei den Finanzwerten. Beim SMI wurden die 10‘400 Indexpunkte wieder überschritten. Verschiedene Zwischenergebnisse hatten Einfluss auf die Kursbewegungen.

Beim Hersteller für Augenpflegemittel Alcon sowie beim Hörgeräte-Produzenten Sonova (früher Phonak) waren die Erwartungen der Anleger zu hoch, das gab in der Folge Kursverluste. Umgekehrt war es beim Röntgengerätehersteller Comet, wieder stärkeres Wachstum geplant. Der Aktienkurs des Eisenbahnbauers Stadler Rail profitierte von der Aufnahme von Frau Altbundesrätin Doris Leuthard in den Verwaltungsrat. Gedacht hat man da vor allem an das Netzwerk der früheren Transportministerin.

Aussichten

Am 18. November präsentierten die Ökonomen, Prof. Dr. Jan-Egbert Sturm (KOF-ETH), und Peter Eisenhut (Ecopol AG) an der Herbstversammlung der Handelskammer St. Gallen-Appenzell (IHK) die Wirtschaftsaussichten der Schweiz und speziell der Region Ostschweiz. Erwähnt wurde übereinstimmend, dass der internationale Handelskrieg und eine gleichzeitige Konjunkturschwäche (in Deutschland namentlich die Autoindustrie) spürbar auf das Weltwirtschaftswachstum drücken werden. Aber nicht alle Sektoren seinen davon betroffen. Finanzdienstleistungen, Bau, v.a. Renovationen, entwickeln sich gut, auch der Sommertourismus kann sich nicht beklagen. Aber die verarbeitende Industrie ist stark betroffen, z.B. Autozulieferer und die Exportfirmen im Rheintal. Aber man hat es geschafft, knapp über der Rezessionsgrenze wieder neuen Schwung zu holen. Die Wachstumsraten bleiben jedoch bescheiden, höchstens etwa 0.5 Prozent in den kommenden Monaten.

Die Aktienbörsen haben sich im laufenden Jahr wegen fallender Zinsen gut entwickelt. Die Anleger haben keine anderen Alternativen als Dividendenpapiere oder Immobilienanlagen. Bezüglich der Zinsen dürften diese noch sehr lange tief bleiben. Von den Ökonomen wird im kommenden Jahr 2020 eine weitere Senkung der Leitzinsen erwartet, vermutlich sogar nochmals eine Ausweitung der Negativzinsen durch die Notenbanken in Europa, insbesondere der SNB.

Christopher Chandiramani, Börsenanalyst und freier Mitarbeiter Linth24
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