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15.11.2019
17.11.2019 20:22 Uhr

CHANDIRAMANIS BÖRSENWOCHE NR 44

Das Amtsenthebungsverfahren gegen den US-Präsidenten ist gestartet und belastet, Europa schrammt knapp an einer Rezession vorbei und hofft auf eine Wiederbelebung des Wachstums. Die Aktienbörsen halten sich auf hohem Niveau.

Das Amtsenthebungsverfahren gegen den US-Präsidenten wurde in den vergangenen Tagen konkreter. Vor dem Kongress hörte man teilweise belastende Zeugen an. Dieser Krimi erinnert aber eher an einen idealistischen Konflikt - unterschiedliche Meinungen mit den  Demokraten - als an einen Machtmissbrauch oder sonst irgendwie konkrete juristische Verfehlungen Donald Trumps. Zudem war in der Berichtswoche wenig zu hören von weiteren Fortschritten bei den Gesprächen bezüglich Handelsstreit. Gleichzeitig bröckelten die Währungen, vor allem US-Dollar und Euro gegenüber dem Schweizerfranken leicht ab. Dies führte auch zu einer Konsolidierung an den Aktienmärkten, bevor am Freitag die Kurse wieder anzogen.

Das statistische Bundesamt publizierte am Donnerstag Zahlen für  Deutschland und Europa. Die Resultate klingen weniger erschreckend ursprünglich befürchtet. Alle Konjunkturdaten deuten allerdings auf die grösste Korrektur punkto Wirtschaftswachstum hin seit der Krise von 2008, aber alle europäischen Länder sind ohne Rezession davongekommen, sogar Deutschland mit seiner schwächelnden Autoindustrie, und auch UK wegen Brexit. Das Wachstum ist mit 0.5 Prozent allerdings schwach, aber er genügt, um das Rezessionsgespenst deutlich kleiner erscheinen zu lassen.

In der Schweiz gab es einige erwähnenswerte Unternehmensnachrichten. Beispielsweise Sunrise - die Gesellschaft hat den Fusionsvertrag mit Liberty bezüglich Übernahme der UPC aufgekündigt. Das hat eine Konventionalstrafe von CHF 50 Mio. und weitere 75 Mio. Kosten zur Folge, und dies könnte auch den 5G-Ausbau behindern. Lonza - der CEO Marc Funk geht nach einem halben Jahr bereits wieder, gemäss seinen Angaben aus persönlichen Gründen. Interimschef wird der Chef des Verwaltungsrats Albert Baehny. Barry Callebaut - die  Hauptaktionärin des Schokoladenproduzenten, die Jacobs Holding, hat 10 Prozent ihrer Anteile für rund eine Milliarde Franken verkauft. Aber sie bleibt aber mit einem Anteil von über 40 Prozent die grösste Aktionärin. Die Papiere sind zu einem Preis von 1'915 CHF (über 8% Discount) verkauft worden. Flughafen Zürich - im  kommenden Jahr 2020 muss der Flughafen mit Ertragseinbussen rechnen. Das Bundesamt für Zivilluftfahrt (BAZL) hat eine Reduktion der Flugbetriebsgebühren um 15 Prozent verfügt. Diese angeordnete Senkung soll ab April 2020 in Kraft treten. Das kostet den Flughafen schätzungsweise CHF 60 Mio. Mindereinnahmen. Ein Rekurs ist vorgesehen. Übernahmewunsch von AMS - die Gesellschaft holt sich mit Osram eine schwächelnde Firma (in Umstrukturierung). Das Ergebnis einer Analyse fällt schlecht aus. 800 Mitarbeiter müssen abgebaut werden. Immerhin befürwortet die Osram-Führung den Kauf. Die Synergien sind unklar, offenbar die LED-Technik. Die Zürich-Versicherungen bekräftigen an einem Investorentag ihr solides organisches Wachstum und die Absicht, weiterhin hohe Dividenden auszuschütten.

Aussichten

Nach den Schweizer Parlamentswahlen mit typischem «Grünrutsch» sind wir bereits wieder teilweise zurück in der Realität angelangt. Die Schweizerische Nationalbank SNB hält an Aktienanlagen in Erdölaktien fest. Ohne die Milliardenerträge durch Dividenden könnten die Kantone nicht mehr von hohen Ausschüttungen profitieren. Sonst drohten Steuererhöhungen, vor allem für Privathaushalte. Ein rasches Verbot von Öl- und Gasheizungen in der Schweiz könnte die Wohnkosten wegen immenser Investition innert kurzer Zeit zwischen 20-40 Prozent verteuert. Betroffen wären vor allem die Mieter. Ein Referendum gegen das EO2-Gesetz wurde angekündigt. Ziel wäre neben milderen Vorschriften auch mehr Übergangszeit für neue Technologien zu entwickeln. Sogar bezüglich Kernenergie gibt es Gerüchte, dass das AKW Mühleberg diesen Winter wegen drohenden Stromlücken via Notrecht weiter am Netz bleiben sollte. Auch autofreie Städte werden zunehmende bekämpft - aus Angst vor dem Ladensterben. Ein gewünschter «grüner Wandel» dauert somit offenbar länger und wird sozialverträglicher als ursprünglich sich vorgestellt.

Christopher Chandiramani, Börsenanalyst und freier Mitarbeiter Linth24