Linthgebiet
08.11.2019
09.11.2019 19:42 Uhr

Chandiramanis Börsenwoche Nr 43

Tiefe Zinsen, relativ gute Zwischenergebnisse von Firmen und positive Signale zum USA-China Handelsstreit beeinflussen die Märkte positiv. Die Folge: Rekordwerte bei den Aktienindices.

In der Berichtswoche war es in der Politik relativ ruhig - kaum Neuigkeiten zu erwähnen. Brexit ist aufgeschoben, der Konflikt zwischen der Türkei und Syrien ruht. Demokraten und Republikaner in den USA streiten weiterhin, und die Notenbanken bekräftigen ihre Tiefzinspolitik, vor allem unsere Nationalbank SNB. Es gab aber immer wieder Entspannungssignale im Handelskonflikt zwischen den Grossmächten. Das sorgte für eine gute Stimmung im Aktienhandel. Einige Börsenplätze erreichten neue Rekordmarken oder schlossen die Woche nur knapp darunter ab. Besonders gesucht waren Papiere von Finanzinstituten und einige Zykliker, während defensive Werte etwas nachgaben.

Das bald zu Ende gehende 2019 war bisher ein Super-Jahr für Anleger, die in Aktien investiert sind. Die Börsenindizes stiegen weltweit über 20 Prozent, Einzeltitel teilweise noch mehr (z.B. Nestlé +31%). Nun wagt auch der saudische Erdölkonzern Aramco den Börsengang, das soll dem Staat einige Hundert Milliarden Dollar in die Staatskasse spülen. Es dürfte damit der grösste Börsengang der Geschichte werden.

An der Schweizer Börse zeigte sich in der vergangenen Woche das gleiche positive Bild. Hinzu kamen einige 9-Monatszahlen von Unternehmungen. Beispielsweise Swiss Life, Barry Callebaut. Swiss Re, Zürich Versicherungen. Zumeist erfüllten die Ergebnisse die Erwartungen, einzig Adecco neigte konjunkturbedingt zur Schwäche, typisch für Temporärfirmen im gegenwärtigen Konjunkturzyklus. Die UBS gab die Zusammenarbeit bekannt mit einer brasilianischen Bank, Ziel mit einer neuen Investmentbank ist die Verstärkung des internationalen Geschäfts. Partnerin ist Banco do Brasil.

Aussichten

Die aktuellen Rekordstände führen dazu, dass sich Anleger immer mehr Gedanken machen, ob die gute Entwicklung anhalten wird oder bald eine Trendwende ansteht. Die Ampeln bleiben offenbar weiter auf «Grün», auch durch staatliche Beschleunigungsprogramme. Die deutsche Politik will die Elektroautos massiv fördern und damit die Autoindustrie aus dem Tief holen. In den USA wird an die Wahlen im kommenden Jahr gedacht. Wirtschaft und Börse müssen florieren. Bezüglich Aktienbörse und Zinsen hat US-Präsident Trump Glück. Die Notenbank FED wird zur Wahlhelferin, wenn auch etwas unfreiwillig. Jetzt muss noch der Handelskonflikt gelöst werden. Sogar das Pariser Klimaabkommen hat die USA gekündigt und erhofft sich damit Wettbewerbsvorteile gegenüber Europa und Asien.

Man spricht immer wieder von der Abschaffung des Bargelds. In den USA und Schweden ist man beispielsweise schon sehr weit. Der Zahlungsverkehr mit Noten und Münzen wird dort immer seltener. Auch bei uns gibt es immer wieder Bestrebungen, dem Konsumenten alternative Zahlungsmittel schmackhaft zu machen. Kreditkarten, Twint, PayPal, E-Tickets, Self-Outcheking in Supermärkten sowie E-Banking usw. Auch der Schweizer Finanzdienstleister SIX arbeitet an neuen Projekten.

Der Staat hat gerne mehr Kontrolle, durch Unterdrückung von Schwarzgeld, Kriminalität und Lagerung von 1000er Noten zur Umgehung der Negativzinsen. Aber den Handel mit Kryptowährungen (Bitcoins) stottert. Als Facebook im letzten Juni eine weltweite neue Digitalwährung namens «Libra» angekündigt hatte, waren die Experten zunächst begeistert. Doch der Wind hat wieder gedreht und die Skepsis wächst. Folglich heisst es in der Schweiz auch weiterhin «nur Bares ist Wahres».

Christopher Chandiramani, Börsenanalyst und freier Mitarbeiter Linth24
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