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01.11.2019
03.11.2019 15:21 Uhr

CHANDIRAMANIS BÖRSENWOCHE NR 42

Diese Woche war vorwiegend durch positive Wirtschafts-Nachrichten geprägt. Ob es nur eine Atempause nach hektischen Wochen oder ein Anzeichen für eine nachhaltige Beruhigung ist, bleibt zurzeit unklar.

Die Zinssenkungen in den USA prägten das Bild - neue Rekordmarken an den Aktienbörsen - aber eher wenige Überraschungen in der Politik. Viele Zwischenergebnisse von Firmen waren besser als erwartet. Die Schweizerische Nationalbank SBN erweist sich als wahre «Geldmaschine».

In der Berichtswoche waren auf internationaler Ebene keine grösseren Überraschungen zu verzeichnen. Im britischen Parlament gibt es im Dezember Neuwahlen und der Brexit wurde auf Ende Januar 2020 vertagt. In den USA wird das Amtsenthebungsverfahren gegen den Präsidenten fortgesetzt, die Republikaner machen Druck, und sogar das Repräsentantenhaus spricht sich für ein öffentliches Verfahren aus.

Die US-Notenbank FED hat die Leitzinsen ein weiteres Mal gesenkt und damit die Markterwartungen befriedigt. Neu liegt das Zielband für die Fed Funds Rate bei 1.5 -1.75 %. Diese Leitzinssenkung um 0.25 % war die dritte im laufenden Jahr. Zuletzt hatte die US-Notenbank den Leitzins bereits im September gesenkt. Fast die Hälfte der Grosskonzerne hat inzwischen die 9-Monats-Zwischenergebnisse publiziert - zumeist sehr gute - und damit für weitere Rekordmarken an den Aktienbörsen gesorgt. Auch aus Asien kamen positive Impulse.

Die Schweizer Börse (SMI) überschritt Am Freitag die Marke von 10‘250 Indexpunkten, dies sogar trotz geringerem Handelsvolumen aufgrund eines katholischen Feiertags (Allerheiligen). Zinseffekte, abnehmende Angst vor einer Rezession und gute Zwischenergebnisse gaben den Auftrieb.

Sehr gute Zahlen präsentierten Straumann und Geberit. Auch Credit Suisse, Swiss Re und Schindler erfüllten die Erwartungen. Der Eisenbahnbauer Stadler Rail erhält einen 350-Mio-EUR-Grossauftrag der österreichischen Westbahn (Strecke Wien-Salzburg).

Die Medien berichten, dass die Schweizerische Nationalbank (SNB) am Devisenmarkt interveniert hat und den EUR/CHF-Kurs von 1.10 vehement verteidigt. Ganz speziell erfreulich war das Zwischenergebnis unserer SNB. Dank gutem Marktumfeld (Aktien, Devisen, Gold) hat die Notenbank profitiert und in den ersten neun Monaten 2019 einen Gewinn von 51.5 Milliarden Franken erwirtschaftet.

Die Kantone erhalten sehr wahrscheinlich höhere Gewinnausschüttungen. Aber hohe Gewinne wecken auch Begehrlichkeiten. Bereits möchte man Notenbankgewinne der AHV zufliessen lassen. Eigentlich eine sympathische Idee, dass man Pensionskassen und Sparern zurückgibt, was durch Negativzinsen «geklaut» wurde. Vermutlich fehlen aber noch die Rechtsgrundlagen hierzu.

Aussichten

Die Industrie muss sich neue ausrichten. Die Autobauer Fiat Chrysler und Peugeot wollen fusionieren. Die grüne Welle und der Dieselskandal in Deutschland verursachen Druck. E-Mobilität und andere neue Antriebstechnologien (z.B. Wasserstoff) sollen gemeinsam gefördert werden. Auch ABB setzt vermehrt auf Elektromotoren (speziell bei Bahnen und Autobussen). Die Batterie- bzw. Akkuproduktion für Fahrzeuge gilt als Zukunftsgeschäft. Die neue Produktion hat die ABB in ihre alten Werkhallen im Kanton Aargau integriert.

Swisscom rüstet sich ebenfalls für die Zukunft. Zwar verzeichneten Umsatz und Reingewinn in den ersten neun Monaten 2019 leichte Einbussen. Während die Erosion im Heimmarkt Schweiz weiterging, konnte der «Blaue Riese» in Italien wachsen. Mit dem Festnetz verdient Swisscom immer weniger Geld, aber in den Bereichen Fernsehen, Internet und Mobilfunk sowie Cloud-Services besteht jedoch noch Wachstumspotenzial. Der Gesamtausblick 2019/2020 bleibt insgesamt stabil, Umsatz rund 11.4 Milliarden Franken, unveränderte Dividende von 22 Franken pro Namenaktie als Ziele.

Christopher Chandiramani, Börsenanalyst und freier Mitarbeiter Linth24