Rapperswil-Jona
14.10.2019
29.10.2019 06:04 Uhr

RJ: Strassengegner machen mobil

Informierten an der heutigen Medienveranstaltung stellvertretend für alle Mitglieder des Bürgerforums (v.l.n.r.): Anina Wildhaber-Zuppiger, Marcel Gasser, Christa Gebert.
Gegen das Strassenbauprojekt Stadtraum Neue Jonastrasse – St. Gallerstrasse «Lebensader» der Stadt organisiert sich der Widerstand.

Das «Bürgerforum Strassenraum NEIN» besteht aktuell aus rund fünfzig Mitgliedern, vorwiegend Anrainer. Treibende Motivation dieses Bürgerforums, das allen Bewohnern von Rapperswil-Jona offen steht, ist die Überzeugung, dass das vorliegende Projekt überrissen, zu teuer und verkehrstechnisch nicht zielführend ist. Die propagierte «Lebensader» der Stadt mag in der vorliegenden Form in eine Grossstadt passen aber nicht zu Rapperswil-Jona.

Das Bürgerforum will in den Wochen bis zur Abstimmung am 17. November möglichst viele Stimmbürgerinnen und Stimmbürger von einem Nein überzeugen, damit das Projekt zu einer Neubeurteilung mit Augenmass und Machbarkeit an Kanton und Stadt zurück geht. Dazu wurde vor einigen Tagen die Website «www.stadtraum-nein.ch» aufgeschaltet, auf welcher von den Initianten nicht nur NEIN-Argumente detailliert dargelegt, sondern auch konstruktive Vorschläge im Bereich Umwelt, Klima, Verkehrslösungen und Städtebau gemacht sowie kritische Fragen aufgeworfen werden.

Die Hauptargumente gegen das Projekt

Die zentralen NEIN-Argumente des Bürgerforums lassen sich folgendermassen zusammenfassen: Das Projekt kann bis zu 100 Millionen Franken Steuergelder kosten, davon 28 bis 36 Mio. für die Stadt, denn die Projektverfasser gehen mit einer Kostengenauigkeit von +/- 30 Prozent vor das Volk. Budgetiert sind total 82 Mio. Franken, davon die Hälfte für Land- und Grundstückerwerb, der Rest für die Baukosten; aber ohne Baumalleen und deren Unterhalt. Zusätzliche 12'000 m2 (rund zwei Fussballfelder) asphaltierte Strassenfläche soll geschaffen werden. Diese dient primär der Busspur und dem Langsamverkehr. Das akute Problem des Durchgangsverkehrs, insbesondere die täglichen Staus während der Stosszeiten, wird nicht gelöst. Im Gegenteil, es muss durch gesteuerte Fussgängerquerungen, Redimensionierung von Einspurstrecken und Bushaltestellen auf der Fahrbahn gar eine Verschlechterung mit mehr Stop-and-Go befürchtet werden. Dies betrifft auch den hausgemachten Ziel- und Quellverkehr massgeblich.

Dem wichtigen Entscheid einer Verkehrsentlastung (Tunnel Mitte, vom Kanton in Aussicht gestellt auf 2022) wird vorgegriffen. Das leuchtet nicht ein. Vom Projekt betroffen sind 130 private Parzellen. Diese hätten im «besten» Fall Land abzutreten, im schlechtesten Fall müssten ganze Gebäude der Strasse weichen oder massive bauliche Eingriffe gewärtigen. Allen droht letztlich ein Enteignungsverfahren. Es ist mit einem Schwall von langjährigen Rechtsverfahren zu rechnen.

Die massive Vergrösserung der als «Flaniermeile» angepriesenen Strassenfläche wird mittels der vorgesehenen Baumalleen beschönigt. Verschiedene derzeit bestehende private Grünflächen (Vorgärten, Baumbestände, Hecken) entlang der Strasse müssten dagegen verschwinden. Solche bringen aber mehr als einseitig auf CO2-Bindung gepflanzte «Design»-Bäume, die aufwändig gepflanzt und teuer gepflegt werden müssen ohne Garantie auf Gedeihen (siehe Stampf-Parking) in einem solch unwirtlichen Umfeld.

Aktionen und Massnahmen

Für den Abstimmungskampf sind durch das NEIN-Komitee neben der aktuellen Website ein Flyer-Versand und Plakatierungen auf Privatgrundstücken entlang der Ost-West-Achse vom Cityplatz bis ausgangs Jona geplant. Weitere Massnahmen hängen von den verfügbaren finanziellen Mitteln ab. Eine Sammelaktion im Bürgerforum brachte rund 30'000 Franken zusammen.

Das Bürgerforum brachte rund 30'000 Franken zusammen, im Vergleich zum deklarierten Kommunikationsbudget von Kanton und Stadt von CHF 220'000.--

Die Gegner sind sich bewusst, dass für die Bewohner der anderen Quartiere der Stadt das Strassenprojekt auf den ersten Blick sehr verlockend erscheinen mag, auch aufgrund der verführerisch aufgemachten Visualisierungen, die auf der städtischen Website und dann im Abstimmungsbüchlein zu sehen sind. Deshalb suchen die Vertreter des Bürgerforums, wo immer möglich, den Dialog mit Bevölkerung wie auch mit den politischen Parteien und anderen städtischen Organisationen, um ihre Argumente vorbringen zu können.

Stadt verkehrstechnisch als Ganzes erfassen

Ausgangspunkt für alternative Überlegungen ist ein für alle Bürgerinnen und Bürger leicht verständliches gesamtstädtisches Verkehrskonzept. Ein solches müsste alle Achsen und Strassen der Stadt umfassen und ihre Funktionen in Bezug auf Verkehrsströme und die verschiedenen – teils neuen - Verkehrsteilnehmer klar definiert darlegen, bevor für eine einzige werbetechnisch definierte «Lebensader» so viel Geld ausgegeben wird. Viele der bestehenden Quartierstrassen bieten sich als Langsamverkehrsachsen geradezu an und werden heute schon – insbesondere von Familien mit Kindern und Senioren – rege genutzt.

Marcel Gasser: "Es ist ein weder überzeugendes noch zielführendes Prestigeprojekt von Kanton und Stadt."

Ebenso sollte den Bewohnerinnen und Bewohnern entlang der anderen kantonalen staugeplagten Strassen (Untere-, Obere Bahnhofstrasse, Zürcherstrasse, Rütistrasse) reiner Wein eingeschenkt werden, was sie in Zukunft erwartet. Es ist nicht anzunehmen, dass auf diesen Strassen auf längere Zeit hinaus nichts passieren wird.

Rolf Lutz, Linth24
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