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11.10.2019
14.10.2019 16:44 Uhr

CHANDIRAMANIS BÖRSENWOCHE NR 39

Handelskrieg und geopolitische Spannungen sowie neue Feindseligkeiten im Nahen Osten geben an den Aktienmärkten zu reden.

Neue Erwartungen auf Kompromisse zwischen USA und China und Hoffnungen auf Zinssenkungen sorgen für deutliche Zwischenerholungen. In den kommenden Wochen werden viele 9-Monats-Ergebnisse von Unternehmungen erwartet. Die Zahlen und Aussichten dürften die Börse beeinflussen.

Die politische Weltlage gibt immer noch zu Sorgen Anlass. Zu nennen wären der Streit und das Amtsenthebungsverfahren gegen US-Präsident Donald Trump, der Handelskonflikt USA-China, zahlreiche Krisen und Konfliktherde in Venezuela, Ecuador und Hongkong, ein Attentat auf jüdische Einrichtungen in Deutschland und nicht zuletzt auch der Einmarsch türkischer Truppen in Syrien. All das erschüttert die Welt.

Die türkische Invasion in Syrien ist ein grosser Rückschlag für den Weltfrieden. Die Türken wollen etwa eine halbe Million Menschen nahe der türkischen Grenze in Syrien mit Boden- und Luftangriffen vertreiben, vor allem Kurden. Das verschärft die Situation in einer der grössten Krisenherde der Welt. Der türkische Präsident droht zudem der EU, dass er bei einer Einmischung in den Krieg, die Schleusen für Flüchtlinge nach Westen öffnen wird. In der Türkei leben fast 3.6 Millionen Flüchtlinge.

Zurzeit werden die Gefühle an den Aktienmärkten hin- und hergerissen zwischen Hoffnungen und Enttäuschung bezüglich der Handelsgespräche, den Konflikten und den angekündigten Zinssatzsenkungen.

Der Verlauf war zu Wochenbeginn sehr verhalten. Im weiteren Verlauf erholten sich die Aktien weltweit. In der Schweiz tastete sich der SMI wieder an die Marke von 10‘000 Punkten heran.

Der Riechstoffhersteller Givaudan eröffnet die Berichtssaison mit überraschend viel Schwung, 6.5 Prozent Umsatzzuwachs, das lag über den Erwartungen der Analysten. Umgekehrt war es bei Autoneum, einem Autozulieferer, hier gab es Nordamerika-Probleme und einen überraschenden Chefwechsel. Diese Negativmeldungen schickten die Aktie auf Talfahrt, zeitweise über 10 Prozent an einem Tag.

Bei Sunrise steht der Kauf des UPC Netzes für 6.3 Milliarden Franken auf der Kippe. Immer mehr Grossaktionäre beurteilen die Übernahme als zu teuer und lehnen das vorgesehene Geschäft ab, sogar der bekannte Stimmrechtsberater ISS. Seither verbesserte sich der Aktienkurs spürbar.

Aussichten

In den kommenden Wochen dürften die Zwischenergebnisse der Unternehmungen den Kursverlauf an der Börse massgeblich bestimmen. Aufgrund relativ stabiler Währungen gehen wir insgesamt von einem leichten Wachstum aus. Je nach Branche sind jedoch unterschiedliche Trends zu erwarten.

Chemie, Pharma und Nestlé entwickeln sich relativ gut. Auch die Versicherungen hatten bis jetzt Glück. Es gab relativ wenige Schäden aufgrund der Hurrikan-Saison in den USA und Asien. Sogar der Tourismus spricht von einer guten Sommersaison 2019.

Bankensektor sowie Detailhandel befinden sich dagegen in einer strukturellen Umbruchphase. Generell sind auch die Zukunftsaussichten massgebend und die Aussagen bzw. Erwartungen der Manager für das kommende Jahr 2020.

Einige Rezessionsanzeichen dürften sich bei der verarbeitenden Industrie bemerkbar machen, vor allem in der Autoindustrie und bei deren Zulieferern. Der Dieselskandal und die «grüne Welle» könnten diesen Sektor «auf den Kopf stellen». Zukünftig eröffnen sich hier aber ebenfalls Innovationschancen (Digitalisierung, neue Antriebstechnologien wie beispielsweise Biogas und Wasserstoff usw.).

Christopher Chandiramani, Börsenanalyst und freier Mitarbeiter Linth24