Home Gemeinden In-/Ausland Sport Magazin Agenda
Rapperswil-Jona
25.09.2019
25.09.2019 20:16 Uhr

RJ: Bei Weidmann droht massiver Stellenabbau

Bei der Weidmann Electrical Technology AG ist die Verlagerung eines Teils der bislang hier hergestellten Produkte ins Ausland geplant. Es ist mit einem Abbau von bis zu 120 Stellen in der Schweiz zu rechnen.

Die veränderte globale Marktsituation in Verbindung mit dem starken Schweizer Franken veranlasst die Rapperswiler Weidmann Electrical Technology AG zu Anpassungen ihrer Produktionsstrategie. Geplant ist die Verlagerung eines Teils der bislang in der Schweiz hergestellten Produkte in bestehende europäische und chinesische Werke der Weidmann Gruppe. Mitarbeitende, Arbeitnehmervertretung und Sozialpartner sind heute persönlich über die Pläne informiert worden.

Verlagerung nach Europa und China

Geplant ist die Verlagerung eines Teils der bislang in der Schweiz hergestellten Produkte in bestehende europäische und chinesische Werke der Weidmann Gruppe. Mitarbeitende, Arbeitnehmervertretung und Sozialpartner sind heute persönlich über die Pläne informiert worden.

Weidmann Electrical Technology AG, ein Unternehmen der weltweit tätigen Weidmann Gruppe entwickelt und produziert in der Schweiz an den Standorten Rapperswil-Jona (SG) und Ennenda (GL)  Isolationsmaterialien und -komponenten aus Cellulose für europäische und asiatische Transformatorenhersteller. Es ist somit fast ausschliesslich im Export tätig.

Preis- und Kostendruck

Seit längerem führen Überkapazitäten bei den Kunden und damit stetig fallende Preise ihrer Produkte (Transformatoren) zu Preis- und damit Kostendruck auf die Zulieferer. Weidmann begegnete diesem mit hoher Produktivität und laufend optimierten Prozessen, sowie mit Produkt-Innovationen. Zusätzlicher Handlungsbedarf entsteht nun aber als Folge des immer stärker werdenden Schweizer Frankens. Dieser steigert die im Vergleich zur Konkurrenz aus Niedriglohnländern schon deutlich höheren Lohnkosten für Schweizer Produktions- wie auch Overhead-Funktionen zusätzlich. Dazu kommt, dass die für den Standort Rapperswil wichtigen Kunden Teile ihrer Produktionsaktivitäten bereits aus Europa in Richtung Asien verlagert haben und bedeutende asiatische Kunden zunehmend lokal einkaufen wollen, aus politischen Gründen und um Zeit und Transportkosten zu sparen.

Die geplante Verlagerung umfasst Blockspanprodukte und Spezialkomponenten sowie unterstützende und administrative Tätigkeiten, beispielsweise im Supply Chain Management. Am Standort Rapperswil verbleiben die Transformerboard-Produktion und nachgelagerte, hoch automatisierte Prozesse sowie Support- und Gruppenfunktionen mit spezifischen Führungs-, Fach- und Branchenkompetenzen. Von einem möglichen Abbau ebenfalls nicht betroffen sind die Weidmann Unternehmensbereiche Medical Technology und Fiber Technology. Diese setzen ihre Wachstumsstrategien um und planen, an ihren Schweizer Standorten weiterhin neue Arbeitsplätze zu schaffen.

Schrittweise Verlagerung bis 2022

Die Verlagerung soll in den nächsten zwei bis drei Jahren schrittweise erfolgen und bis Ende 2022 abgeschlossen sein. Es ist mit einem Abbau von maximal 120 Stellen in der Schweiz zu rechnen, wobei dieser so weit wie möglich über natürliche Fluktuation erfolgen soll. Vom Abbau sind Produktionsarbeitsplätze und Führungs- resp. Supportfunktionen gleichermassen betroffen.

Mit der heutigen Information wurde das gesetzliche Konsultationsverfahren eröffnet, das der Arbeitnehmervertretung, in Zusammenarbeit mit den Sozialpartnern und den Mitarbeitenden, die Gelegenheit gibt, sich zu den Plänen der Geschäftsleitung zu äussern. Für die betroffenen Mitarbeitenden besteht bereits ein gültiger Sozialplan. Es ist das Ziel, für möglichst viele Betroffene eine direkte Anschlusslösung zu finden. Dazu steht das Unternehmen sowohl mit den Behörden wie auch mit externen Dienstleistern in Kontakt, um die Mitarbeitenden in ihrer Arbeitsmarktfähigkeit frühzeitig und aktiv zu stärken.

Interview von Linth24 mit Franziska Tschudi Sauber, Chief Executive Officer der Weidmann Holding AG        

Der Plan sieht vor, dass bei der Weidmann Electrical Technology AG max. 120 Stellen an den beiden Standorten Rapperswil und Ennenda verloren gehen. Das ist eine hohe Zahl. Ist dieser Schritt wirklich unausweichlich?
Franziska Tschudi: Wir haben ein Konsultationsverfahren eröffnet. Da geht man mit der «grösstmöglichen» Zahl in die Diskussion. Wir werden alles tun, um möglichst wenig Entlassungen vorzunehmen, aber die Wirtschaftslage erfordert eine Verlagerung gewisser Prozesse an (personal-)kostengünstigere Standorte.

Wie haben die Mitarbeitenden darauf reagiert?
Wir alle sind betroffen, aber ich spüre auch ein gewisses Verständnis. Wichtig ist, dass wir allfällig Betroffenen auf dem Weg zu einer neuen Arbeitsstelle begleiten, ihnen dazu alle möglichen Hilfestellungen anbieten.

Der starke Franken beschäftigt die Schweizer Wirtschaft schon seit längerem. Mit was für Mittel haben Sie in den letzten Jahren und Monaten versucht, die Arbeitsplätze hier zu retten?
Mit Innovationen und neuen Produkten und optimierten Produktionsverfahren und Produktionsprozessen. Aber ein handarbeitsintensives Produkt können wir heute nicht mehr in der Schweiz herstellen, wenn sich die Mitbewerber und die Kunden in Niedriglohnländern befinden. 

Die Verlagerung betrifft die Weidmann Electrical Technology AG. Wie sieht es bei den anderen Bereichen der Weidmann aus? Sind hier ähnliche oder gleiche Schritte zu befürchten? 
Nein, in den Bereich Medical Technology und Fiber Technology wollen wir wachsen und es ist unser Ziel, in diesen Unternehmungen sogar Stellen zu schaffen.

OM / Rolf Lutz, Linth24