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Kanton
20.09.2019
21.09.2019 06:57 Uhr

KESB-Opfer: Protest an Gedenkfeier

Am Samstag findet ein vom Kanton St. Gallen organisierter Gedenkanlass für die Opfer von Zwangsmassnahmen bis 1981 statt. KESB-Gegner haben Vorbehalte.

Das «Dunkle Kapitel ist nicht vorbei», sagen heutige Opfer der KESB und deren Angehörige und Freunde. Sie solidarisieren sich mit den früheren Opfern und machen klar: Die Schweiz hat nie aufgehört, Menschen, die nicht ganz der Norm entsprechen, systematisch wegzusperren und zu drangsalieren.

Der Kanton St. Gallen setzt am Samstag, 21. September im Beisein von Opfern von Zwangsmassnahmen bis 1981 und deren Angehörigen ein Denkmal auf dem Spielplatz Kreuzbleiche in St.Gallen. Damit will er den Opfern zumindest eine kleine Anerkennung gewähren.

Wiedergutmachung in Frage gestellt

Eine vollumfängliche Wiedergutmachung ist gar nicht möglich, sagen die KESB-Opfer. Das haben auch die drei Jahre dauernden Forschungen der UEK, der Unabhängigen Expertenkommission, die vom Bundesrat eingesetzt worden war und auch andere namhafte Studien, ergeben.

Mitglieder der KESV Kinder- und Erwachsenenschutz-Vereinigung (www.kesv.ch) finden, dass angeordnete Massnahmen wie Zwangspsychiatrisierung, nicht strafrechtlich relevante Inhaftierung sowie Fremdplatzierungen von Kindern und älteren Menschen unter fragwürdigem Vorwand für die Betroffenen Folter ist.

Solche Übergriffe, oft sogar unter Polizeigewalt, wirken sich zerstörerisch aus für die Betroffenen und ihre Familien und zeigen negative Auswirkungen für die gesamte Schweizer Volkswirtschaft.

Demonstration in Schwarz

Komplett in schwarz gekleidet mit grünem Akzent, werden die heutigen Opfer nach St. Gallen reisen, um Solidarität mit den Opfern der schweizerischen Zwangsmassnahmen von damals zu demonstrieren, aber auch, um sich als Betroffene des heutigen, «schwarzen Kapitels der Schweiz», wie sie es nennen, zu zeigen.

In der Retrospektive wurden die früheren Taten von der Allgemeinheit als unglaublich grausam anerkannt. Sie seien heute nicht mehr nachvollziehbar, basierten auf Bewertungen von Behörden(-mitgliedern) und trafen unschuldige Menschen trafen. Betroffen waren insbesondere Menschen, die arm waren, etwas sonderbar oder nicht der damaligen Norm entsprachen. Damals nannte man diese Personen «arbeitsscheu» oder «liederlich», heute bezeichnet die KESB ihre Klienten «gefährdet», «nicht einsichtig» oder «unkooperativ». Unter dem neusten Schlagwort «Frühförderung» würden auch die Allerjüngsten den Eltern entrissen, kritisieren die KESB-Opfer.

Jasminka Brcina, Präsidentin des Vereins «KESV», Kinder- und Erwachsenenschutz-Vereinigung (www.kesv.ch)

Administrative Versorgungen haben nicht aufgehört

Das Wegsperren von Menschen passiere weiterhin und dies mehr denn je. Heute, wo das Thema des dunklen Kapitels der Schweiz aufgearbeitet ist, Bücher und Studien darüber geschrieben wurden und Opfer zu Wort kamen, müsse es darum gehen, auch die Betroffenen von heute anzuhören und das Leid von heute anzuerkennen und vor allem jetzt zu beenden.

«Man gedenkt der Opfer und vergisst dabei, den Willen zu bekunden, endlich mit diesen Greueltaten aufzuhören», sagt Jasminka Brcina, Präsidentin der KESV.

Sie spricht Klartext: «Seit 1981 sind schon wieder fast 40 Jahre ins Land gezogen, die wir ohne aus den Fehlern zu lernen, verstreichen liessen. Die Errichtung der KESBs im Jahr 2013 hat meiner Meinung nach die Möglichkeit der administrativen Versorgung noch vereinfacht. Es herrscht ein grosser Missstand in der Schweiz und der Bund wäre gut beraten, jetzt schon einen Fonds für die Schadenersatzforderungen der neuen Opfer nach 1981 zu äufnen.»

Linth24 / OM