Rapperswil-Jona
16.09.2019
17.09.2019 05:15 Uhr

«…Und wenn wir auf der Strasse stehen?»

Nur noch ein Jahr in dieser Küche.
102 Wohnungen im Bollwies in Jona werden gekündigt. Die alleinerziehende Mutter, Larissa Augsburger, gehört zu den Direktbetroffen. Linth24 hat sich mit der Mutter von drei Kindern über ihre schwierige Situation unterhalten.

Sie ist jung, sie ist alleinerziehende Mutter von drei kleinen Kindern – und sie hat bald keine Wohnung mehr. Seit Larissa Augsburger (28) vor wenigen Tagen den Brief aus St.Gallen erhalten hat, schaut sie in eine unsichere Zukunft. Die St.Galler Pensionskasse besitzt fünf Mehrfamilienhäuser mit 102 Wohnungen an der Bollwies-Oberwiesstrasse in Jona. Diese sollen saniert werden. Alle Mietverhältnisse werden deshalb gekündigt (Linth24 hat darüber berichtet).

Angst und Druck

Larissa Augsburger gehört zu denjenigen, die in einem Jahr definitiv die Wohnung verlassen müssen. Und das macht ihr Angst, das setzt sie unter Druck. «Und was mache ich dann, wenn wir auf der Strasse stehen?», solche und ähnliche Gedanken begleiten die junge Mutter tagtäglich. Denn sie weiss aus Erfahrung wie schwierig es für sie wird, mit den beiden Zwillingen (9) und dem ganz Kleinen (5) wieder eine solche Wohnung zu finden. 5 1/2-Zimmer, 119 Quadratmeter, und das für eine junge Mutter bezahlbar - das zu finden ist ein Problem. Das weiss sie, von dem verschliesst sie auch nicht die Augen: «Wir haben ein Jahr Zeit, eine neue Wohnung zu finden. Aber ein Jahr, das ist eine sehr kurze Zeit. Das setzt mich enorm unter Druck.»

Wenn das Kässeli nicht reicht

Ganz im Sinne ihrer kleinen Kinder möchte sie auch im Bollwies-Quartier bleiben. Das ist verständlich: Die beiden Zwillinge sind im Schulhaus Bollwies eingeschult worden und haben dort ihre Schulfreunde, der Kleine geht in den Kindergarten und hat ebenfalls Angst, seine Kameraden zu verlieren. «Mami, Du kannst alles Geld in meinem Sparkässeli nehmen - können wir dann in der Wohnung bleiben?» Das verdeutlicht wohl am besten die Sorgen, die sich die Kinder machen. Denn im Quartier haben sich die Freundschaften der Kinder gefestigt, da wird gespielt, da wird rumgetollt - und das freut natürlich die Mutter, ihre Kinder so glücklich zu sehen.

Ein Paradies für Kinder

Wenn eine Türe zugeht...

Seit also dieser Brief vom 11. September eingetroffen ist, ist die Wohnungssuche zuoberst auf der Prioritätenliste. «Ich bin bereits jetzt intensiv dran. Wir müssen jetzt einfach das Beste daraus machen, obwohl der Markt eher schwierig ist.»

Das bestätig auch Reto Klotz, von Klotz Immobilien, Rapperswil. Auch er erachtet den Markt für günstige Wohnungen in Rapperswil-Jona als sehr schwierig, doch einen Hoffnungsschimmer kann er der jungen Mutter mit auf den Weg geben: «Wir haben hier verschiedene Genossenschaften, da sehe ich durchaus eine Chance.»

Ein Jahr hat sie also noch Zeit, um «das Beste daraus zu machen». Und wer weiss, vielleicht trifft der Lebensspruch ja genau auf Larissa Augsburger zu: «Wenn eine Türe zugeht, dann geht eine neue wieder auf.»

Die Aussagen der Pensionskasse zur Massenkündigung

Interview von Linth24 mit Heinz Gutermann, Immobilienbewirtschafter der St.Galler Pensionskasse.

102 Mietverhältnisse sind betroffen. Wann werden die Kündigungen ausgesprochen?
Gutermann: In einem ersten Schritt geht um 30 Wohnungen an der Oberwiesstrasse 54 und 56. Betroffen sind dort 42 Erwachsene plus 18 Kinder.

Wie geht es dann weiter?
Gutermann: Die zweite Etappe umfasst die Kündigung von 47 Wohnungen per 30. April 2021 mit 68 Erwachsene plus 22 Kinder. Und Etappe 3 betrifft die Kündigung per 30.11.2021 mit 24 Wohnungen und 32 Erwachsenen plus 12 Kindern.

Unterstützen Sie die Betroffenen beim Finden einer neuen Wohnung?
Gutermann: Wir führen einer Warteliste für interne Wechsel und wir informieren die Mieter über Angebot von frei werdenden Wohnungen der St.Galler Pensionskasse im Rapperswil-Jona.

Die Pensionskasse verfügt in Rapperswil-Jona über mehr als 400 Wohnungen. Von diesen werden sicher auch Wohnungen frei. Werden die Betroffenen der Bollwiesstrasse dabei bevorzugt behandelt?
Gutermann: Ja, die Mieter werden vor Ausschreibung der Wohnungen informiert.

Wieviel höher werden die Mieten nach der Erneuerung der 102 Wohnungen sein?
Gutermann: Das ist noch nicht bekannt, weil es von den Baukosten abhängig ist.

Rolf Lutz, Linth24