Rapperswil-Jona
19.08.2019
19.08.2019 13:56 Uhr

Spekulationen zur La Tavolata

Auch hier war die Stimmung hervorragend
«Hunderte» haben sich für die «La Tavolata» in der Altstadt von Rapperswil eingefunden, schrieb die Linthzeitung. Wie korrekt ist diese Zahl? Eine Glosse.

«Wie viele Menschen nahmen am Exent XY teil?» Auf diese einfache Frage gibt es keine einfache Antwort; ausser, wenn Tickets verkauft werden. An der «La Tavolata» konnten jedoch alle teilnehmen, ohne Eintritt zu bezahlen.

Deshalb eine Schätzun zur  «La Tavolata», basierend auf Tatsachen und Erfahrungswerten.

Tatsache ist: Ausgeliefert wurden 230 Tische. Das bestätigt der Organisator Linth24. An jedem Tisch haben 8 Personen Platz. Das macht 1'840 belegte Plätze. Freie Plätze waren während der Veranstaltung Mangelware. Soweit der Fakt. Das sind nun also bereits mehr als ein paar hundert Teilnehmer.

Nun kommt der Erfahrungswert dazu: Mit Ausnahme von Vreni C. und Fritz B. hat niemand soviel Sitzleder, dass er den ganzen Abend auf derselben Bank sitzen mag.

Es ist davon auszugehen, dass zwischen 16 Uhr und 1 Uhr früh, also in den neun Stunden des Festes, die Rotation etwa 4 beträgt. Das heisst, dass jeder Platz etwa alle zwei Stunden einen anderen Hintern beherbergen darf. Damit kämmen wir dann auf eine Zahl von 7'360. Das ist das nochmals einige Faktoren höher als «Hunderte».

Rechnet man jene dazu, welche gar nicht absitzen wollten oder konnten, weil alle Plätze besetzt waren, dann nähert sich die Schätzung der Tavolata-Begeisterten der Zahl von 10'000. Aber hier beginnt die Zone der reinen Spekulation.

Wie wird eigentlich geschätzt?

Bei der Streetparade hiess es früher scherzeshalber: Man zähle die Beine und teile die Zahl durch zwei, dann habe man die Anzahl Tanzendet. Die Polizei wählte eine andere Methode. Sie machte Luftaufnahmen, teilte das besetzte Gebiet in Quadrate von 2x2 Meter, nahm eine Zahl Y pro Quadrat an und errechnete so in etwa die Teilnehmermenge.

Etwas weniger wissenschaftlich war die Methode der Journalisten zu den Zeiten vieler Demonstrationen in den 80-er und 90-er Jahren. Damals galt als Faustregel folgende Formel: «Polizeiangabe + Demonstrantenangabe geteilt durch 2 plus 20 % «Solidaritätszuschlag». So errechnete man enie Teilnehmerzahl, die formelbedingt näher bei der Schätzung der Protestierenden lag.

Gänzlich unwissenschaftlich, sondern einfach nur doof war die Behauptung von D. Trump. Es sagte, dass an seiner Amtseinführung mehr Menschen teilgenommen hätten, als bei jener von B. Obama. Vergleiche der Luftbilder beider Veranstaltungen zeigten, dass auch diese Aussage des US-Präsidenten eine Lüge war.

Jenseits aller Spekulationen

Es spielt eigentlich keine Rolle, ob es 7'000 oder 10’000 Menschen waren, die am Samstag bei prächtigem Wetter und einem grossen kulinarischen Angebot an der La Tavolata teilgenommen haben. Wichtig sind die leer gegessenen Töpfe, die glücklichen Gesichter und die vollen Kassen. All das hätte es nicht gegeben, wenn nur «hunderte» da gewesen wären.

Und deshalb gibt es auch im nächsten Jahr wieder ein Volksfest in Rapperswil.

Mario Aldrovandi, Linth24