Linthgebiet
16.08.2019
18.08.2019 06:14 Uhr

CHANDIRAMANIS BÖRSENWOCHE NR 33

Zurzeit prägen Rezessionsängste das Bild und drücken auf die Börse. Es verstärken sich auch die Gewinnmitnahmen nach einem ausgezeichneten Halbjahr bezüglich Aktien. Ein Linksrutsch bei den kommenden Parlamentswahlen in Bern käme bezüglich Konjunkturentwicklung in einem ungünstigen Moment.

In der Berichtswoche haben die Rezessionsängste stark zugenommen, insbesondre in der Wochenmitte. Die Aktienkurse rasselten aufgrund dieser Unsicherheiten in den Keller. Neuste publizierte Wirtschaftszahlen, nicht nur in den USA, sondern auch in Deutschland (Chemie-, Autoindustrie) waren schwächer als erwartet, und die Befürchtungen nahmen zu, dass der gegenwärtige Konjunkturzyklus seinen Zenit überschritten hat.

Aber es ist auch zu erwähnen, dass eines der besten Halbjahre, was die Aktienbörse betrifft, hinter uns liegt (SMI fast +20%), so dass viele Investoren ihre Gewinne ins Trockene bringen wollten.

Auch die Situation und die Unruhen mit Generalstreik in Hong Kong, einer ehemaligen britischen Kolonie, welche nun zu China gehört, sind sehr gefährlich. Diese einst blühende Metropole war zuvor ein wichtiger Finanzplatz und die dortigen Einwohner waren reich und gute Käufer von europäischen Produkten, speziell Luxusartikel wie Uhren und Schmuck.

Auch an der Schweizer Börse waren die Kurschwankungen gross, zunächst überwog der Pessimismus, gegen das Wochenende gab es jedoch eine leichte Stabilisierung. Neu publizierte Halbjahresergebnisse waren zum Teil besser als erwartet, vor allem bei Geberit und der St. Galler Kantonalbank. Bei Schindler und Swisscom waren sie verhaltener, aber immer noch im Rahmen der Erwartungen. ABB erhält einen neuen Konzernchef, der Schwede Björn Rosengren wird den Deutschen Ulrich Spiesshofer ablösen und den Firmenumbau weiter vollziehen. Die Zuger Immobiliengesellschaft Cham Group verlässt die Schweizer Börse SIX. Die Aktien sollen dekotiert und ab Dezember nur noch ausserbörslich über die Börsenplattform der ZKB gehandelt werden. Die Papierproduktion wurde hier bereits im Jahr 2018 verkauft. Die milliardenschwere UPC-Übernahme durch Sunrise droht zu scheitern. Grossaktionär Freenet lehnt die Fusion, welche rund CHF 6.3 Milliarden kosten soll, strikte ab.

Aussichten

Nach der Finanzkrise (2008) ging es stetig aufwärts mit Wirtschaftswachstum und Aktienbörsen. Die Wahrscheinlichkeit hat nun zugenommen, dass dieser Zyklus allmählich zu Ende geht. Verstärkt wird diese Abwärtsbewegung in der Tat auch durch den Handels- bzw. Zollstreit der Grossmächte USA und China.

Dem Abschwung versuchen die Notenbanken, mit Leitzinssenkungen entgegenzutreten. In Europa ist aber diese Zinswaffe bereits stumpf geworden, weil hier das Zinsniveau bereits nahe Null beträgt. Allfällige Negativzinsen können die Sparer und Vorsorgewerke weiter hart treffen und die Ersparnisse sogar teilweise enteignen. Da wird unsere Nationalbank noch vor schwierigen Entscheidungen stehen.

Im Oktober 2019 finden in der Schweiz Parlamentswahlen statt. Die Parteien rüsten sich zum Wahlkampf. Politbeobachter erwarten einen mässigen Linksrutsch, das wäre eigentlich zur Unzeit. Ungewiss sind vor allem die Auswirkungen einer neuen grünen Welle, einem «Greta Thunberg Effekt» auf das Wirtschaftsgeschehen. Neue Vorschriften und eine Verteuerungen von Energie und Treibstoffen könnten die Wirtschaft zusätzlich belasten und eine Rezession sowie die Arbeitslosigkeit verstärken.

Christopher Chandiramani