Linthgebiet
02.08.2019

Chandiramanis Börsenwoche Nr 31

Die Senkung des Leitzinses in den USA sorgten für Bewegung. Der Handelskrieg bleibt weiterhin ein Thema. Das Bundesgericht ist mit seinen Urteilen gegen Banken nicht sehr bürgerfreundlich.

Die Berichtswoche war für uns Eidgenossen um einen Tag verkürzt. Seit 25 Jahren wird uns der 1. August als arbeitsfreier Nationalfeiertag geschenkt, und viele verlängerten freitags ihr persönliches Wochenende.

In den USA wurde die erste Senkung der Leitzinsen seit der Finanzkrise von 2008 vollzogen. In der Folge kamen die Aktienbörsen unter Druck, weil im Moment zwischen US-Präsident Trump und dem Notenbankchef Powell Disharmonie herrscht . Erwartet war eine Senkung von 0.5 anstatt lediglich 0.25 Prozent. Kurz darauf wurden zudem weitere Zollerhöhungen der USA gegen China angekündigt, was den Devisen und Aktienmärkten ebenfalls missfiel. Marktbeobachter kritisieren dieses Verhalten als «gleichzeitiges Gas geben und bremsen» bei der Wirtschaft. Euro und Dollar kamen unter Druck, der Schweizerfranken setzte seinen Höhenflug fort. Dies alles widerspiegelt weitere, aber diffuse Zinserwartungen nach unten, auch in Europa.

Im Juli sind die Umsätze an der Schweizer Börse um gut zwanzig Prozent gestiegen. Grund ist die Aufhebung der Börsenäquivalenz durch die EU. Die Schweiz sollte für Verzögerungen beim Rahmenabkommenbestraft werden. Es kam nun anders als beabsichtigt. Die EU-Spitze hat somit hier einen Denkfehler begangen.

Was die Schweiz betrifft, ist es grundsätzlich unhöflich, wenn man Urteile des Bundesgerichts kommentiert - wegen der Gewaltenteilung. Aber im Verdikt gegen die UBS, welches nun Datenlieferungen nach Frankreich befiehlt, ist zu erwähnen, dass die ganzen Vorkommnisse noch in der Zeit eines rechtsgültigen Bankkundengeheimnisses stattfanden. Die Kontodaten waren gestohlen, durch illegale, an Deutschland verkaufte CDs. Das Ermessen der Richter wird somit arg strapaziert, vor allem, wenn man Fälle von gestern mit Gesetzen von übermorgen und nach EU-Recht beurteilt.

Bezüglich Unternehmenszahlen herrschte noch Sommerflaute, nur wenige Publikationen folgten. Die meisten Halbjahresergebnisse werden später veröffentlicht. Etwas besser als der Marktdurchschnitt war somit die Aktienkursentwicklung der Credit Suisse, Swiss Re und Lafarge Holcim aufgrund guter Halbjahresergebnisse. Sonst folgten die meisten Branchen und Titel dem generellen Trend auf etwas tieferem Niveau. Auch ein SMI von 10‘000 oder mehr Indexpunkten rückte wieder in weite Ferne.

Aussichten:

Wenn man den 1. Augustreden genau zugehört hatte, so gibt es einige wenige Themen, welche die Schweizer Bevölkerung beschäftigen. Neben dem Klima, sind es vor allem wirtschaftliche Themen, wie die Zukunft der Schweiz, das Verhältnis zu Europa, die Digitalisierung (gleichzeitiger Jobkiller und Generator von neuen und anderen Tätigkeiten), die Arbeitslosigkeit ü50 und die Finanzierung der Vorsorgewerke in einer Zeit tiefer Zinsen und mehr Rentnern. Auch die Migration macht und Sorgen, eine stark anwachsende Landesbevölkerung auf relativ kleiner geografischer Fläche - alles Herausforderungen für die Zukunft. Wir leben in einer Zeit des beschleunigten Wandels, einer weiteren industriellen Revolution und Globalisierung. Das Umfeld dürfte anspruchsvoller werden. Das bedeutet auch für Geldanlagen mehr Risiko, erhöhte Schwierigkeit, eine optimale Rendite zu finden, speziell in einer langen Phase von Handelskrieg (Abschwung der wirtschaftlichen Dynamik) und einer Nullzinspolitik der Notenbanken

Christopher Chandiramani