Linthgebiet
28.06.2019

CHANDIRAMANIS BÖRSENWOCHE NR 26

Handelskrieg, Zinssenkung und jetzt auch die Irankrise sind die dominierenden Treiber an der Börse. Unsicherheiten bringen hierzulande aber auch die aufgekündigte Börsenäqivalenz..

An keinem anderen Ort ändern sich Stimmungen, Gefühle und Erwartungen wie an den Aktienbörsen. Vor einer Woche dominierten die Aussichten auf weitere Zinssenkungen, aber momentan spricht man schon wieder häufiger von der Irankrise und einem möglichen Militäreinsatz der Amerikaner in Nahen Osten. Befürchtungen, welche auch den bisherigen Aktienanstieg abbremsten und wieder mehr Bewegungen bei den Edelmetallen und Währungen hervorriefen. Neuere politische und Wirtschaftsinformationen erwarten nun die Marktbeobachter vom G-20-Gipfel in Osaka (Japan), welcher dieses Wochenende stattfindet.

Bezüglich Unternehmensmeldungen sind schon fast Sommerferien, hier gab es nur vereinzelte Nachrichten. Die Schweizer Grossbank Credit Suisse hat gemäss einer Mitteilung der US-Notenbank FED den zweiten Teil des US-Stresstests nur unter Auflagen bestanden. Kritisiert wird vor allem ein noch ungenügendes Eigenkapital zur Abfederung von Krisensituationen. Wie ein Paukenschlag im Detailhandel wurde die Mitteilung der Migros wahrgenommen - diese Information, dass sich die Gesellschaft von früher erworbenen Beteiligungen trennt. Insbesondere die Tochtergesellschaften Globus, Interio und M-Way u.a. wurden als Verkaufskandidaten genannt. Migros ist eine nicht-börsenkotierte Genossenschaft, aber offenbar befinden wir uns in einem gröberen Strukturwandel. Digitalisierung sowie immer mehr Bestellungen und Kundenkontakte übers Internet bedrohen offen den traditionellen Detailhandel und drücken massiv auf die Margen.

Insgesamt blicken wir auf ein sehr gutes Börsenhalbjahr 2019 zurück. Der SMI Index stieg um 17 Prozent und erreichte kurzfristig ein Allzeithöchst über 10‘000 Punkten. Einzeltitel wie beispielsweise Nationalbank (+32%), Nestlé und Swiss Life (je +27%), Givaudan und Novartis (je +20%) verbesserten sich ebenfalls markant. Hauptursache ist die überraschend fallende Zinstendenz seit Jahresbeginn. Es gibt aber auch einmalige Gewinne durch Rationalisierungen, Sparmassnahmen bei den Unternehmungen, die sich in dieser Form vermutlich nicht wiederholen lassen.

Aussichten:

Der Hochsommer hat mit Sonnenschein und sehr hohen Temperaturen begonnen. Davon profitieren dürften Gastgewerbe, Tourismus (Schifffahrt, Bergbahnen usw.) und Hersteller von Getränken wie Bier und Grillwaren. Ventilatoren und Klimageräte sind momentan schon fast ausverkauft. Mehr Sorgen bereiten uns die Beziehung zur EU. Die Börsenäquivalenz wurde gegenseitig aufgekündigt. Der freie Aktienhandel geht in die Geschichte. Ab kommender Woche gilt auch der Notfallplan des Bundesrats. Dann dürfen europäische Handelsplätze auch keine Schweizer Aktien mehr handeln und umgekehrt. Das könnte zu Beginn zu Unsicherheiten führen, insbesondere die Ausnahmeregelungen. Längerfristig könnten jedoch die inländischen Banken profitieren, wenn Schweizer Aktien nur noch lokal gehandelt werden können. Was die EU betrifft, die Kritiker schauen gespannt auf die massive Verschuldung Italiens. Die Griechenlandkrise könnte sich wiederholen.

Christopher Chandiramani