Rapperswil-Jona
21.06.2019
21.06.2019 14:41 Uhr

CHANDIRAMANIS BÖRSENWOCHE NR 25

Rekordmarken an allen Enden und Ecken: höchster Goldpreis, Tiefstzins, maximale SMI- und Wallstreet-Indices. Eine schöne Börsenwoche neigt sich dem Ende zu.

In der vergangenen Börsenwoche hatte man den Eindruck, als ob sich US-Präsident Trump fast ausschliesslich um seine persönliche Wiederwahl im Herbst 2020 kümmert. Somit geriet auch der Handelsstreit in den Hintergrund und die Zinssignale der US-Notenbank FED dominierten den Aktienhandel. Eine boomende Wirtschaft und eine steigende Aktienbörse in den USA wären die beste Wahlhilfe für die Präsidentschaftswahl. S&P-Index und Dow Jones näherten sich auch schon neuen Allzeithöchst-Werten. Säbelrasseln bezüglich einer Verschärfung des Irankonflikts trieb allerdings den Goldpreis auf ein Sechsjahreshoch.

Überrascht hat auch die Ankündigung von Facebook, eine neue elektronische Weltwährung (Kryptogeld) namens «Libra» einzuführen. Die Skepsis ist zwar noch gross. Den heutigen Generationen wird immer noch eingeprägt «nur Bares sei Wahres».  Bis aber in Zukunft die teuren und komplizierten Auslandüberweisungen, der «Kredit- und Kundenkarten-Krieg», sowie das definitive Ende von Checks und Bargeld kommen, bis dahin dürften jedenfalls noch einige Jahre vergehen.

Auch bei uns in der Schweiz touchierte der SMI-Börsenindex die Rekordmarke von 10‘000 Punkten. Aufgrund der weltweit fallenden Zinstendenz bleibt die Stimmung positiv. Seit Jahresbeginn ist die Schweizer Börse bis heute um 18 Prozent gestiegen. Auch der Juni dürfte als sehr guter Monat in die Geschichte eingehen. Bereits melden sich neue Firmen für einen Börsengang. Nach der erfolgreichen Handelseinführung von Stadler Rail überlegt sich Avaloq eine Kotierung - eine Firma, die IT-Software für Kantonal- und Regionalbanken erstellt.

Trotz tieferer Kreditzinsen ist das Hypothekargeschäft schwieriger geworden. Die Bank Julius Bär hat vor ein paar Tagen bekanntgegeben, sich aus dem Geschäft zurückzuziehen und die Kredite an die UBS abzutreten. Immer strengere Regeln für die Tragbarkeit, höhere Forderungen an die Hausbesitzer sowie mangelnde Rentabilität des Kreditgeschäfts machen es immer schwieriger, Hypotheken zu erhalten. Finanzmarktaufsicht und Nationalbank sorgen dafür, dass immer mehr Kreditgesuche abgelehnt werden. Die Realwirtschaft kann von tiefen Zinsen kaum profitieren, und das lockere Notenbankgeld bleibt in den Finanzmärkten stecken.

Aussichten

Wenn Anleihen keinen Zins mehr geben, Bankspesen laufend steigen, die Liegenschaften immer teurer und unerschwinglicher werden, bleiben nur noch Aktien als Anlagemöglichkeit übrig. Dividenden mit relativ hohen Renditen werden immer noch bezahlt.

Um das Thema «Klima» und die Auswirkungen auf die Wirtschaft ist es ruhiger geworden. Aber die Beziehung der Schweiz und der EU bleibt hochaktuell. «Brüssel» erwartet bis zum Monatsende eine bedingungslose Zustimmung des Bundesrats zum Rahmenvertrag, Nachverhandlungen sind ausgeschlossen. Auf dem Spiel steht die sogenannte «Börsenäquivalenz». Gemeint ist die gegenseitige Anerkennung der Börsenregeln. Wenn aber der Handel von Schweizer Aktien an europäischen Handelsplätzen verboten werden sollte, und der gesamte Handel nur noch über Zürich abgewickelt werden kann, wäre das nicht unbedingt negativ. Courtage-Einnahmen würden dann grösstenteils bei Schweizer Banken verbleiben, für andere ein Nachteil und möglicherweise ein Eigentor für die EU-Bürokraten.

Christopher Chandiramani